75-Jährige vor Gericht

Seniorin wollte Zimmernachbarin töten

+
Im Rollstuhl wurde Ingrid S. (75) am Mittwoch zu ihrem Totschlagsprozess am Landgericht gebracht. 

München - Weil sie mit ihrer Zimmernachbarin nicht klar kam, soll eine 75-Jährige versucht haben eine andere Bewohnerin eines Seniorenzentrums zu töten. Kommt die demenzkranke Frau dauerhaft in die Psychiatrie?

Als am 19. März mitten in der Nacht der Notruf schrillte, waren die Schwestern im Seniorenzentrum hellwach. Sofort eilten sie ins Zimmer von Justina M. – und machten eine schreckliche Entdeckung: Zimmernachbarin Ingrid S. (75) saß neben ihr auf dem Bett – und drückte ihr ein Kissen auf das Gesicht. Laut Anklage der Staatsanwaltschaft wollte Ingrid S. Justina M. sogar töten! Der Grund: Die demente Seniorin soll sich ein Einzelzimmer im Heim gewünscht haben – und kam angeblich mit Justina M. nicht mehr klar. Deshalb soll Ingrid S. das 35 mal 35 Zentimeter große Kissen gegriffen haben, um ihre Mitbewohnerin damit zu ersticken. Diese konnte sich aber mit letzter Kraft wehren – und schlug Alarm.

Schwester Ljilijana M. griff sofort ein! Sie zog laut Anklage das Kissen weg, mit dem Ingrid S. bereits die Atemwege von Justina M. verschlossen hatte. Nur dank der Altenpflegerin überlebte Justina M. den Angriff, der auch ihre Angehörigen schockierte.

Seit Mittwoch wird der Fall vor dem Landgericht verhandelt. Die Staatsanwaltschaft wirft Ingrid S. versuchten Totschlag vor. Ihr droht aber keine Haftstrafe, sondern eine dauerhafte Unterbringung in der Psychiatrie. Aufgrund ihrer Demenz gilt sie als schuldunfähig. Aktuell ist die Seniorin im Isar-Amper-Klinikum untergebracht.

Beim Prozess gestern wurde die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Das Urteil wird am Freitag gefällt.

Andreas Thieme

auch interessant

Kommentare