Unwissenheit der Bürger ausgenutzt

SEPA-Umstellung: Neue Betrugsmasche

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Der Schriftzug SEPA ist auf einem Überweisungsvordruck zu sehen.

München - In Europa einheitlich bezahlen: Seit der SEPA-Umstellung ist das kein Problem. Doch weil das Verfahren neu ist, wird es von Betrügern genutzt  - mit einer ganz eigenen Masche.

Die Nummern sind lang, das Verfahren undurchsichtig: Um mit SEPA (Single Euro Payments Area) europaweit einheitlich überweisen zu können, sind seit 1. Januar so genannte IBAN- und BIC-Nummern notwendig. Sie haben die klassischen Kontonummern und Bankleitzahlen abgelöst.

Doch das Verfahren ist noch kompliziert, viele Kunden durchblicken das neue Zahlungssystem nur schwer.

Und genau diese Unwissenheit haben Betrüger für sich entdeckt: Sie erschleichen sich die Daten und plündern die Konten. Der Polizeiinspektion München ist bereits ein Fall bekannt, der sich Ende Januar ereignet und sich wie folgt zugetragen hat:

E-Mail von Unbekannt zum Thema SEPA-Umstellung

Martin L. (Name geändert) erhielt eine E-Mail von einem bislang unbekannten Täter. In der Nachricht stand alles Wichtige zur SEPA-Umstellung - und das war so gut getarnt, dass er glaubte, sie komme von einem Berliner Bankhaus. In der E-Mail gab es außerdem einen Link, der Martin L. zu einem angeblichen Formular der Bank führte. Er solle das Formular ausfüllen, weil das für die SEPA-Umstellung seines Kontos notwendig sei.

Gutgläubig schrieb Martin L. seine persönlichen Kontaktdaten, Kontonummer, Bankleitzahl und den Namen seines Geldinstituts ins Formular - aber auch seine PIN-Nummer. Dann schickte er die Daten online zurück an das angebliche Berliner Bankhaus.

Im selben Moment hatten die unbekannten Täter die Zugangsdaten für das Onlinebanking von Martin L. in den Händen.

TAN-Generator sollte angepasst werden, um SEPA-Umstellung zu bestätigen

Doch das wusste der Mann zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Kurze Zeit später erhielt er einen Anruf von einer unbekannten Frau. Sie gab sich als Mitarbeiterin von Martin L.s Bank aus und sagte ihm, dass sein Konto nun auf SEPA umgstellt sei. Alles, was er nun noch machen müsse: seinen TAN-Generator anpassen. Mit diesem Gerät werden die Transaktionsnummern über einen Code für Überweisungen im Internet erstellt.

Die Frau forderte Martin L. am Telefon auf, seine EC-Karte in den TAN-Generator zu schieben und einen so genannten Start-Code einzutippen. Danach bekam er einen Bestätigungs-Code übermittelt, den er der Frau mitteilten sollte. So sollte angeblich die SEPA-Umstellung bestätigt werden.

Doch der Startcode war in Wahrheit der Zugang zu einem spanischen Konto. Und so stellte Martin L. der unbekannten Frau auch gleich eine TAN bereit, mit der diese sofort Geld vom Konto des Geschädigten ins Ausland überwies.

Erst einige Tage später stellte Martin L. fest: Es waren 24.900 Euro, die nach Spanien transferiert worden waren.

Die Polizei München weist deswegen darauf hin:

Banken und Sparkassen fragen keine persönlichen Informationen oder Kartendaten ihrer Kunden am Telefon oder per E-Mail ab.

Eine SEPA-Umstellung des TAN-Generators und des eigenen Kontos ist grundsätzlich nicht notwendig. Das passiert automatisch.

Wer dennoch eine entsprechende E-Mail oder einen Anruf erhält, sollte am besten sofort Kontakt mit seinem Geldinstitut oder Bankberater aufnehmen.

Patricia Kämpf

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