Als Altmetall weiterverkauft

Serien-Straftäter raubte 50 Grabplatten

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Grabschänder Oliver S. legte am Mittwoch vor Gericht eine Lebensbeichte ab.

München - Ganz schön makaber: Oliver S. hatte auf dem Friedhof Heimstetten aus einer Urnenwand alle 50 schweren Messingplatten, auf denen die Namen der Toten eingraviert waren, gestohlen und als Altmetall verkauft!

„Es ist unmöglich, die Toten auf diese Weise zu beleidigen!“ Diese knallharten Worte musste sich der Serien-Straftäter Oliver S. (39) von seinem eigenen Anwalt Karl-Heinz Seidl anhören. Oliver S. hatte auf dem Friedhof Heimstetten aus einer Urnenwand alle 50 schweren Messingplatten, auf denen die Namen der Toten eingraviert waren, gestohlen und als Altmetall verkauft!

Urnen waren kurzzeitig für jeden zugänglich

Der 39-jährige Mechaniker aus dem Kreis Ebersberg, der in den vergangenen 20 Jahren mehr Zeit im Knast als in Freiheit verbracht hat, muss sich jetzt vor dem Landgericht München II verantworten. Neben Wohnungseinbrüchen, Autoaufbrüchen und Hehlerei muss sich der Angeklagte wegen Diebstahls im besonders schweren Fall und wegen Störung der Totenruhe verantworten. In der Nacht zum 7. Mai 2010 schraubte er auf dem Friedhof Heimstetten nacheinander die 12-Kilo-Messingplatten auf den Urnengräbern ab und schleppte diese zu seinem Auto. „Durch die Entfernung der Abdeckplatten waren 50 Urnen kurzeitig für jedermann frei zugänglich“, heißt es in der Anklage.

Mit einem Spezialkleber pappte er immer zwei Platten mit der Namensseite aufeinander, so dass man nichts mehr lesen konnte. Dem Täter fielen außerdem 21 ungravierte Urnenplatten in die Hände. Knapp 1600 Euro zahlte ihm dafür ein Rohstoffhändler, der nicht nach der Herkunft der Platten fragte.

Lebensbeichte vor Gericht abgelegt

Nach weiteren Straftaten wurde Oliver S. in seinem Heimat-Landkreis der Boden zu heiß. Er setzte sich über Frankreich nach Mallorca ab. Im September 2013 kam er zurück. Nachdem er in Mühlheim einen Wohnwagen in Brand gesteckt hatte, wurde er verhaftet und nach München gebracht.

Mittwoch legte Oliver S. vor Gericht einen Lebensbeichte ab. Nachdem er mehrfach wegen seines Verhaltens aus der Schule geflogen sei, habe ihn sein Vater in eine Klosterschule im Kreis Fürstenfeldbruck gesteckt. „Das war der Anfang meines kaputten Lebens“, so der Angeklagte. „Ich musste oft in den Bunker.“ Nach der Haft lernte er eine Frau kennen mit der er ein gemeinsames Kind hat. Trotzdem beging er weiter Straftaten: Rein in den Knast, raus, wieder rein.

Der Prozess wird fortgesetzt.

E. Unfried

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