Serienräuber sprengt Auto - Anklage wegen Mordversuchs

+
Der Angeklagte Wolfgang M. wird am Montag (17.10.2011) in den Verhandlungssaal im Landgericht in München (Oberbayern) gebracht und verbirgt dabei sein Gesicht hinter seinen Händen, die in Skihandschuhen stecken.

München - Im Rollstuhl wird der Angeklagte in den Saal geschoben, erst nach dem Abzug der Fotografen zieht er seine schwarze Jacke vom Kopf. Enthüllt wird ein zerstörtes Gesicht, Nase und Ohren verstümmelt, die bleiche Haut straff über die Knochen gezogen.

Lesen Sie dazu auch:

Bankräuber sprengt sich in die Luft

Ein ehemaliger Mitarbeiter der British Telecom muss sich seit Montag vor dem Münchner Schwurgericht gegen die Anklage verteidigen, 18 Raubüberfälle verübt und sich auf der Flucht vor der Polizei mit seinem Autor in die Luft gesprengt zu haben. Dabei trugen sieben Beamte Verletzungen davon. Am schwersten traf die Explosion den Angeklagten Wolfgang M. allerdings selbst. Der 50-Jährige war wochenlang im Koma, 29 Prozent seiner Körperoberfläche, vor allem im Gesicht, an den Schultern und an den Oberarmen, waren verbrannt. Zahlreiche Operationen waren erforderlich, der Angeklagte wird wohl ein Pflegefall bleiben.

Der gelernte Außenhandelskaufmann hatte laut Anklage Ende 2007 Job und Wohnung in München aufgegeben und war in Süditalien untergetaucht. Von Juni 2008 bis August 2010 soll der 50-Jährige zu Raubzügen in Oberbayern und Schwaben mit seinem VW-Bus eingereist sein und Tankstellen und Optikergeschäfte, im letzten Fall eine Bank, überfallen haben. Er war stets maskiert und bedrohte die Angestellten mit einer Spielzeugpistole. Vor seinem Verschwinden mit dem Geld fesselte er die Opfer der Überfälle mit Kabelbinder. Insgesamt erbeutete er knapp 40 000 Euro. Der Angeklagte hat diese Raubserie eingeräumt.

Nach dem letzten Überfall auf ein Geldinstitut im Raum Augsburg fiel der 50-Jährige bei einer Ringfahndung auf und wurde auf der Bundesstraße 300 gestellt. In dieser Lage entschloss er sich, sich der Festnahme durch Selbstmord zu entziehen. Der Angeklagte öffnete das Ventil einer Propangasflasche, die er im Kleinbus hatte und rief einem Beamten am Seitenfenster zu: “Gehen Sie weg“. Nach vergeblichen Versuchen gelang es ihm, das Gas zu entzünden. Bei der heftigen Explosion wurden sieben Polizisten durch die Flammen sowie umherfliegende Glasscherben verletzt. Vier Beamte löschten den Brand und bargen den schwerverletzten Räuber aus dem Fahrzeug.

Der 50-Jährige sagte vor Gericht, er habe nur sich selbst umbringen wollen. Dass Menschen außerhalb des Wagens zu Schaden kommen könnten, habe er nicht geahnt. Die Anklage geht dagegen davon aus, dass der 50-Jährige den möglichen Tod der unmittelbar bei seinem Fahrzeug stehenden Polizisten in Kauf genommen habe: “Er wusste, dass die von ihm gezündete Explosion für ihn nicht beherrschbar war.“ Gegen den Angeklagten wird voraussichtlich an neun Tagen verhandelt.

dpa

Auch interessant

Meistgelesen

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion