Notarzt und Polizei auf Flughafen-S-Bahn im Einsatz - Strecke total gesperrt

Notarzt und Polizei auf Flughafen-S-Bahn im Einsatz - Strecke total gesperrt

München verliert ein bisschen Herz

Servus! Münchens Bürgermeisterin Christine Strobl geht nach 30 Jahren in den Ruhestand

+
Sie packt es: Bürgermeisterin Christine Strobl geht in den Ruhestand.

Ihre E-Mail-Adresse gibt es schon nicht mehr. „Es ist interessant zu sehen, wie sich ein politisches Leben nach all der Zeit auflöst“, sagt Christine Strobl und lacht. Kommenden Donnerstag endet die Ära der Bürgermeisterin im Münchner Rathaus. Die Stadt verliert ein bisschen Herz.

Strobl war seit 1990 im Stadtrat, seit 2006 ist sie Bürgermeisterin. Bei der Kommunalwahl war sie aus persönlichen Gründen nicht mehr angetreten. Im Gespräch mit unserer Zeitung teilt die 59-Jährige ihre schönsten Erinnerungen und verrät, worüber sie sich oft ärgern musste.

Frau Strobl, am 4. Mai wird der neue Stadtrat tagen, neue Bürgermeister werden gewählt. Mit welchen Gefühlen werden Sie die Veranstaltung verfolgen?

Ich weiß noch gar nicht, ob ich mir das im Live-Stream anschaue. Es wird aber sicher mit einem weinenden und einem lachenden Auge sein. Mich wird wohl eine gewisse Melancholie überfallen.

Sie sind seit 1990 im Stadtrat, seit 2006 Bürgermeisterin. Was empfinden Sie, wenn Sie auf die Zeit zurückblicken?

Große Dankbarkeit. Es war eine sehr erfüllte Zeit mit vielen Erlebnissen. Ich hatte das Glück, viele Menschen kennenlernen zu dürfen. Es war aber auch sehr arbeitsreich und manchmal auch sehr anstrengend. Aber es ist einfach eine tolle Position, die man inne hat.

Die Stadt durchlebt gerade schwere Zeiten. Wie geht es Ihnen in der Corona-Krise, was möchten Sie den Münchnern mit auf den Weg geben?

Ich persönlich mache mir schon sehr viele Gedanken, wie es weitergeht – sowohl was den gesellschaftlichen und sozialen Zusammenhalt als auch die finanzielle Situation der Stadt betrifft. Aber ich glaube, die Münchner haben eine positive Einstellung. Zusammen mit einer soliden Stadtpolitik kann das dazu beitragen, dass wir auch diese Krise überstehen.

Sie haben selbst bereits eine Krise überstanden, sie waren an Krebs erkrankt. Was haben Sie aus dieser Zeit gelernt, lebt man danach anders?

Ja, man versucht es zumindest. Man versucht, sich nicht über jede Kleinigkeit aufzuregen, eine Portion Gelassenheit an den Tag zu legen. Und man versucht, das Leben mehr zu genießen, sofern es eben geht.

Was ist Ihre Lieblingserinnerung als Politikerin?

Eine einzelne per se gibt es nicht. Beeindruckend war aber beispielsweise der Besuch von Michail Gorbatschow in München. Aber es gab auch viele schöne Momente im Tierpark. Die Fußball-WM gehört auch dazu, weil man ein bisschen näher dran war an dem Geschehen. Was mir immer am meisten gefallen hat, war das Zusammentreffen mit engagierten Münchnern. Was da an Engagement vorhanden ist, ist unglaublich. Es gibt sehr viele Menschen in der Stadt, die nicht ständig in der Zeitung stehen, aber alles im Hintergrund am Laufen halten. Da habe ich ganz tolle Leute kennengelernt, die ich sonst nie getroffen hätte.

Welche Zeit werden Sie nicht vermissen, was hat Ihnen am meisten Ärger bereitet?

(lacht) Auch da gibt es mehrere Sachen. Zum Beispiel Sitzungen, die sich in die Länge ziehen, nicht weil es inhaltlich so spannend ist, sondern weil alles noch mal von jedem gesagt werden muss. Da bin ich manchmal ungeduldig geworden. Das war vielleicht nicht immer gerecht von mir. Und geärgert habe ich mich auch, weil einige Menschen ihre kleinen Probleme als essenziell darstellen, wenn Belanglosigkeiten hoch stilisiert werden. Menschen, die wirklich existenzielle Probleme haben, sind eher zurückhaltend.

Worauf sind Sie besonders stolz?

Eigentlich wirklich darauf, dass viele Leute es bedauern, dass ich aufhöre (lacht). Dann kann ich nicht so viel falsch gemacht haben. Aber darüber hinaus sind es viele Dinge, die im Sozial- und Bildungsbereich vorangetrieben wurden. Auch von meiner Person.

Sie kennen beide: Mit wem war die Zusammenarbeit besser? Dieter Reiter oder Christian Ude?

(lacht schelmisch) Natürlich hat jeder seine Persönlichkeit. Aber ich habe mit beiden gut zusammengearbeitet. Mehr verrate ich dann in 20 Jahren in meinen Memoiren.

Im Rathaus laufen Verhandlungen für ein grün-rotes Bündnis. Sie haben auch schon mit der CSU zusammengearbeitet. Wo sind die Unterschiede, was ist besser für die Stadt?

Das ist schwer zu beantworten. Es kommt auch auf die Situation an. Ich habe 24 Jahre mit den Grünen zusammengearbeitet. Das war sehr vertraut, auch was die Personen anbelangt. Das ist ziemlich gut gelaufen. Aber ich muss auch sagen, dass die Zusammenarbeit mit der CSU gut war. Parteien ändern sich. Die CSU 2014 war nicht mehr die CSU von 1990.

Ihr letzter Tag im Rathaus, was werden Sie machen?

Ich werde noch eine Auszeichnung vom Landessportverband erhalten. Dann werde ich meine Schlüssel und mein Diensthandy abgeben. Und vielleicht mit meinen Mitarbeitern noch ein Gläschen trinken. Dann fahre ich nach Hause.

Wie gestalten Sie künftig Ihren Alltag ohne Politik?

Um ehrlich zu sein: Das weiß ich noch nicht. Ich werde vielleicht mehr Sport machen und mich ein bisschen mehr den Dingen widmen, für die man jetzt kaum Zeit hatte. Ansonsten lasse ich mir das alles offen.

Auch interessant

Meistgelesen

Ehestreit in München eskaliert: Frau wegen versuchter Tötung in Untersuchungshaft
Ehestreit in München eskaliert: Frau wegen versuchter Tötung in Untersuchungshaft
München: Wegen falschem Mundschutz-Tragen: Rassismus-Skandal in der U-Bahn - „Blöder Asiate!“
München: Wegen falschem Mundschutz-Tragen: Rassismus-Skandal in der U-Bahn - „Blöder Asiate!“
Söder nimmt Stellung zu Corona-Impfpflicht - und macht Biergarten-Fans große Hoffnung
Söder nimmt Stellung zu Corona-Impfpflicht - und macht Biergarten-Fans große Hoffnung
Radl-Drama: Polizei fahndet mit neuen Fotos - Familie denkt über zusätzliche Belohnung nach
Radl-Drama: Polizei fahndet mit neuen Fotos - Familie denkt über zusätzliche Belohnung nach

Kommentare