Serien-Vergewaltiger gesteht

Sex-Monster schlug schon vor 15 Jahren zu

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Ibil B. (37) im Bürohaus. Dieses Foto entstand Sekunden vor der Vergewaltigung.

München - Er hat innerhalb von zwei Tagen zwei Frauen verfolgt und bedroht, die eine auch vergwaltigt. Nun hat das Sex-Monster weitere schockierende Einzelheiten preisgegeben.

Er war die tickende Zeitbombe. Ein wirklich gefährlicher Jäger. Einer von diesem völlig unberechenbaren Täter-Typus, dem Frauen in ihren schlimmsten Albträumen begegnen: Zwei Tage nach der Festnahme des Serienvergewaltigers Ibil B. (37) auf der Herrentoilette im U/S-Bahnhof Marienplatz (tz berichtete) gab Kriminaldirektor Frank Hellwig am Sonntag weitere Details bekannt. Es sind schockierende Einzelheiten, die zeigen, dass die Münchner Kripo mit ihrer Einschätzung der hohen Gefährlichkeit dieses Mannes goldrichtig lag.

Am Morgen des 1. August vergewaltigte B. im Bürohaus Landshuter Allee 10 eine Frau.

Ibil B. ist türkischer Abstammung, wuchs von Geburt an in Deutschland auf. Bis vor einigen Jahren lebte er in Trudering, zuletzt soll er allein in der Maxvorstadt gewohnt haben. Seine Ehe scheiterte. Er ist arbeitslos, lebt von Hartz IV und hielt sich zeitweise mit Handwerksarbeiten über Wasser. Wenn er unter Druck gerät, stottert er stark. Vor zwei Jahren war er wegen Depressionen in ärztlicher Behandlung. Die Polizei kennt ihn schon länger wegen kleiner Schummeleien und Urkundendelikte. „Niemals jedoch trat er bislang wegen Gewalt- oder Sexualdelikten in Erscheinung“,  so Hellwig. Was erstaunlich ist. Denn bereits während seiner ersten Vernehmung überraschte er die Beamten des Kommissariates 15 für Sexualdelikte mit der Eröffnung: „Ich habe bereits vor ungefähr 15 Jahren schon mal kurz hintereinander drei Frauen verfolgt.“
An das Jahr erinnert er sich nicht mehr: „Ich war ungefähr 20 oder 22 Jahre alt.“ Schon damals suchte er sich seine Opfer in der U-Bahn aus. Und schon damals weckten  blonde, junge Frauen in kurzen Röcken seinen Jagdtrieb. Der erste Fall soll nach seinen Angaben in Milbertshofen geschehen sein. Das zweite Opfer wurde eine Frau im Olympiadorf, die Ibil B. von der U-Bahn bis in den Aufzug ihres Wohnhauses verfolgte, wo er blitzartig angriff. Selbst als die Frau aus dem Aufzug floh, lief er ihr noch nach - bis zufällig der Ehemann auftauchte. „An den dritten Fall kann sich der Täter angeblich nicht erinnern“, so Hellwig, der selbst nicht so recht glauben will, „dass diese drei Taten in den folgenden 15 Jahren das Ende der Fahnenstange gewesen sein sollen.“ Die Ermittlungen gehen jedenfalls weiter (siehe unten).

Befragt nach seinem Motiv gab der Täter zu Protokoll: „Es ist plötzlich über mich gekommen. Ich wollte eine Frau vergewaltigen.“ Am Mittwoch um 9.50 Uhr war es dann so weit. Im Berufsverkehr entdeckte er eine junge blonde Frau (30), die er vom U-Bahnhof Maillingerstraße bis in ein Bürohaus in der Landshuter Allee verfolgte und im Aufzug vergewaltigte. 38 Stunden später fand er sein nächstes Opfer (24) ebenfalls in der U-Bahn - diesmal in Neuperlach. In der Carl-Wery-Straße riss er sie nachts um 23 Uhr im strömenden Regen auf dem Gehsteig zu Boden. Er floh, als Passanten kamen.

In seiner Gier nahm Ibil B. die Überwachungskameras im Bürohaus und im U-Bahnhof scheinbar gar nicht wahr. Die Fotos wurden zunächst nur im Intranet der Polizei („IntraPol“) gezeigt. Sie waren so gut, dass Zivilbeamte den Täter am Freitag um 14.30 Uhr sofort erkannten, als er am Kaufhaus Beck am Marienplatz die Treppe hinunterging. Ibil B. gestand sofort, sitzt in U-Haft. Befragt nach seinem persönlichen Eindruck in diesem Grusel-Fall, antwortete  Frank Hellwig trocken: „Wir treffen bei unserer Arbeit oft auf gruselige Menschen...“

Zeugen gesucht

Nach der Festnahme des Serien-Vergewaltigers Ibil B. (37) kommt auf das ermittelnde Kommissariat  K 15 für Sexualdelikte jede Menge Arbeit zu. Möglichst lückenlos wollen die Ermittler prüfen, ob Ibil B. zu den bereits bekannten fünf Vergewaltigungen bzw. Vergewaltigungs-Versuchen und sexuellen Nötigungen noch für weitere Überfälle auf Frauen verantwortlich  ist. „Das wird eine Mammut-Arbeit, bei der wir alle polizeilichen Archive nach passenden Fällen abgleichen müssen. Zur Stunde wissen wir noch nicht, wie viel Material eigentlich noch da ist, weil wir Ermittlungsakten nicht unbegrenzt verwahren dürfen“, so Kriminaldirektor Franz Hellwig. Willkommen sind daher auch Hinweise von Frauen, die möglicherweise bereits Anfang oder Mitte der 90er-Jahre und später von diesem Täter verfolgt beziehungsweise angegriffen wurden. Unter der Rufnummer 089/2910-0 ist das Kommissariat 15 erreichbar.

Dorita Plange

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