Die große tz-Serie über 1968

Sex, Spaß und Rebellion – eine Stadt in Bewegung

Am Abend des Ostermontag 1968 liegen zwei junge Männer tot auf der Barerstraße in der Maxvorstadt.

Um sie herum toben Straßenkämpfe zwischen Studenten und der Polizei. Ort der Handlung: das Gebäude und die Druckerei des Axel-Springer-Verlags, in dem die Bild-Zeitung erscheint. Knapp 3.000 Protestierer wollen die Auslieferung des Boulevard-Blattes verhindern.

Wenige Tage zuvor, am Gründonnerstag 1968, hatte sich ein junger Münchner Hilfsarbeiter, Josef Bachmann (23), in den D-Zug nach West-Berlin gesetzt und dort auf dem Kurfürstendamm den linken Studentenführer Rudi Dutschke auf offener Straße niedergeschossen.

"Blut-Ostern 1968"

In den Großstädten der Bundesrepublik erheben sich Tausende von Studenten und Jugendlichen zum Protest gegen die Bild-Zeitung, deren hetzerische Schlagzeilen und polemische Berichterstattung gegen die Studentenbewegung sie für den Mordanschlag verantwortlich machen.

In München kommt es zum „Blut-Ostern 1968“: Der Student Rüdiger Schreck (27) und der Presse-Fotograf Klaus Frings (32) werden unter bis heute nicht geklärten Umständen bei der Demonstration vor dem Springer-Verlag in der Schelling- und Barerstraße tödlich verletzt.

Ein Jahr der Rebellion

München erlebt in diesen Wochen und Monaten ein Jahr der Demos, der Rebellion, der Revolte – aber auch ein Jahr der Umwälzung.

Der „Neue Deutsche Film“, von München ausgehend, bricht mit allen bisherigen cineastischen Traditionen. Ein junger Theater-Revoluzzer, Rainer Werner Fassbinder, sorgt auf der Bühne seines „action-theaters“ für frischen Wind. Das Musical „Haare/Hair“ im Theater an der Brienner Straße provoziert mit vollständig nackten Darstellern. Und nicht nur dort wird es sehr freizügig.

Sex-Symbol Uschi Obermayer

Sex-Aufklärer Oswalt Kolle dreht Nackt-Filme für ein Millionen-Publikum, in Münchner Wohngemeinschaften und Kommunen wird – dank der frei erhältlichen Anti-Baby-Pille – die sexuelle Revolution ausgerufen, Werner Enke und Uschi Glas parodieren im Kult-Film „Zur Sache Schätzchen“ die Spießergesellschaft.

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Der Schwabinger Poster-King Wolfgang Roucka bringt großflächige Billig-Plakate mit Che Guevara und jeder Menge nackter Frauen unters Volk, die Münchner Kommunardin Uschi Obermaier wird zum Sex-Symbol der 68er-Bewegung, und ihr Kommune-1-Kollege Fritz Teufel erhält in fast allen Münchner Wirtshäusern Lokalverbot. 1968 ist das Jahr der politischen Rebellion und der sexuellen Befreiung. München demonstriert, rockt, swingt und strippt.

München 1968 – eine Stadt in Bewegung

Die tz stellt diese bewegte und bewegende Zeit in einer großen Serie vor – mit prominenten Zeitgenossen als Autoren und Interview-Partnern wie Oberbürgermeister Christian Ude, Senta Berger, Uschi Glas, Peter Gauweiler, Elmar Wepper, Franz Xaver Bogner, Rennfahrer-Prinz Poldi von Bayern oder den SDS-Revoluzzern Christian Semler und Heinz Koderer. Ab Montag zwei Wochen lang in Ihrer tz:

Die 68er in München oder: München 1968 – eine Stadt in Bewegung.

Rudolf Schröck

Quelle: tz

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