Sexsucht: Wer darunter leidet, was dagegen hilft

München - Nach dem kuriosen Fall von DJ Dieter, der in München Opfer einer Nymphomanin wurde, nehmen wir die Krankheit genauer unter die Lupe. Wer leidet eigentlich an Sexsucht und was hilft dagegen?

Rüpel-Rapper Bushido, Hollywood-Star Lindsay Lohan, Supergolfer Tiger Woods … Unter Promis ist Sexsucht fast alltäglich. Jetzt machte der Fall einer 47-jährigen Münchnerin Schlagzeilen, weil sie DJ Dieter S. (43) mehrfach zum Sex gezwungen hat (tz berichtete exklusiv). Auch sie soll sexsüchtig gewesen sein. Die tz beantwortet die meistgestellten Fragen zum Thema.

Was ist Sexsucht?

In der Medizin wird Sexsucht unter Hypersexualität geführt. Darunter fallen auch die veralteten Begriffe Donjuanismus oder Nymphomanie. Kennzeichnend für Sexsucht ist ein gesteigertes sexuelles Verlangen. Psychologen sehen in der Sexsucht eine Störung der Impulskontrolle. Im Fall der Sexsucht zum unbezwingbaren Verlangen und Praktizieren von Sex. Kennzeichnend ist auch, dass beim Betroffenen nur eine sehr kurze Entlastung beziehungsweise Befriedigung eintritt. Nach dem Sex wird der Süchtige von Gefühlen der Scham, Schuld und Leere überfallen, die zur erwähnten Anspannung führen, welche abreagiert werden muss. Ein Teufelskreis.

Bei wie viel Mal Sex am Tag bin ich sexsüchtig?

Entscheidend ist nicht, wie oft jemand am Tag Sex hat oder gerne hätte. Wesentlich ist die Kontrollierbarkeit bzw. die Unkontrollierbarkeit des Wunsches und des Verhaltens. Also: Kann ich meinem Verlangen, jetzt sofort Sex haben zu müssen, widerstehen, oder muss ich unbedingt nachgeben? Beherrscht die Befriedigung meiner Sexualwünsche meinen Alltag so sehr, dass ich andere Aktivitäten (Sport, Freunde treffen usw.) und Pflichten (Job, Rechnungen bezahlen usw.) aus dem Blick verliere? Praktiziere ich Sex unter allen Umständen, auch wenn ich mich dabei selbst gefährde (Aids, SM-Praktiken, Verschuldung usw.)? Zudem muss der Betroffene unter seinem sexuellen Verlangen und Verhalten leiden. Mancher Pop-Star oder Fußball-Profi mit übermäßigem Sexualverkehr würde somit nicht mehr als sexsüchtig gelten.

Wie entsteht Sexsucht?

Für exzessives und selbstgefährdendes Sexualverhalten scheint es verschiedene Ursachen zu geben, darunter genetische wie familiäre. Bei vielen Patienten liegt ein traumatisches Ereignis (etwa sexueller Missbrauch) in der Kindheit vor. Auffallend ist, dass die „Droge Sex“ nicht zur Abhängigkeit führt, sondern die Sucht nach Sex lediglich ein Ausdruck einer tiefer liegenden Störung ist. Dies spricht auch gegen das oftmals vorgebrachte Argument des „Sex-Überangebots“ durch das Internet.

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Wie viele Sexsüchtige gibt es in Deutschland?

Laut Focus leben bei uns eine halbe Million Sexsüchtige. Die Schätzung stammt aus dem Jahr 2005 und konnte wissenschaftlich bis dato nicht bestätigt werden. Ein Grund liegt darin, dass die neuen sogenannten Verhaltenssüchte wie Internetsucht, Computerspielsucht, Handysucht, Sportsucht, Kaufsucht oder eben Sexsucht als eigenständige Störungen von der Weltgesundheitsorganisation noch nicht anerkannt sind und somit statistisch von den Krankenkassen nicht erfasst werden.

Wer und was hilft?

Sollten Sie bezüglich Ihres Sexualverhaltens Zweifel haben, wenden Sie sich zunächst an Ihren Hausarzt oder an eine psychotherapeutische Ambulanz. Wie bei allen Suchttherapien steht zunächst eine „Entgiftung“ im Vordergrund, bei der Sexsucht heißt das: Enthaltsamkeit. Parallel kommen Techniken zum Einsatz, die den Selbstwert des Patienten stabilisieren und steigern.

Stefan Alsbach

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