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Shanti: Aus dem Käfig in den Knast

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Der Esoterik-Musiker hatte gestanden, Jungen sexuell missbraucht zu haben. © dpa

München - Der Esoterik-Musiker Oliver Shanti ist wegen Kindesmissbrauchs zu sechs Jahren und zehn Monaten Gefängnis verurteilt worden. Den Prozess erlebte er in einer Art Käfig.

Mit diesem Urteil blieb das Münchner Landgericht unter dem Antrag von Oberstaatsanwältin Christine Schäfer, die achteinhalb Jahre gefordert hatte.

„Er war ein Feudalherr. Für ihn waren die Kinder nichts anderes als Leibeigene!“, sagte Christine Schäfer in ihrem flammenden Plädoyer gegen den Esoterik-Musiker und Sekten-Guru. 77 Fälle des sexuellen

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Missbrauchs von Kindern hält sie für nachgewiesen. Der 61-jährige Shanti, der bürgerlich Ulrich Sch. heißt, habe mindestens fünf Kinder über Jahre hinweg sexuell schwer misshandelt. Shanti, der Mitte der 70er Jahre Chef einer esoterischen Kommune in Viechtach war, leitete bis zu seiner Flucht im August 2002 auf seiner Finca in Portugal eine Art Sekten-Dorf. Seine Anhänger betrachteten ihn als einen Heiligen.

„Diese Vertauensstellung haben Sie ausgenutzt“, so Schäfer zum Angeklagten. „Sie haben religiöse Motive nur vorgetäuscht.“ In Wirklichkeit sei es ihm nur darum gegangen, die Kinder sexuell zu missbrauchen. „Der Angeklagte hat sie angelernt und behandelt wie sein Eigentum. Sie mussten ihm zur Verfügung stehen zu jeder Tag- und Nachtzeit.“

Wenn seine Opfer nicht spurten, wurden sie bestraft und gedemütigt, etwa durch das Abschneiden der Haare, so Oberstaatsanwältin Schäfer. Auf diese Weise habe er die Kinder gefügig gemacht, gefügig für sexuelle Handlungen. Bewiesen seien 77 Fälle, aber das sei „nur die Spitze des Eisbergs“. Aber auch die Eltern, die ihm ihre Kinder bedenkenlos anvertraut hatten, „haben Schuld auf sich geladen“, so die Anklägerin. „Sie haben die Augen zugemacht.“

Guru Shanti: Prozess im Glaskasten

Zu Prozess-Beginn hatte Shanti behauptet, er sehe sich „einem Meer von Lügen“ ausgesetzt. Dieses Lügenmeer habe es gegeben, so Schäfer, „aber auf Seiten des Angeklagten“. Er habe erst ein Teilgeständnis abgelegt, „als weiteres Leugnen sinnlos war.“ Shanti verfolgte den Prozess in einem Glaskasten, einer Art Käfig, und trug einen Schutzanzug, weil er an einem hochansteckenden Lymphdrüsenkrebs leidet. Eine Sicherungsverwahrung sei wegen dieser schweren Krankheit des 61-Jährigen nicht nötig. Schäfer: „Ich glaube nicht, dass er noch mal in der Lage ist, so ein Netz zu schaffen.“

Eberhard Unfried

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