Münchner Autor im Kreuzfeuer

Shitstorm wegen Todesanzeige

München - Shitstorm wegen einer Todesanzeige: Mit einer PR-Aktion für seinen neuen Krimi erntete der Münchner Krimi-Autor Markus Ridder Wut im Netz. Nun hat sich auch der Deutsche Werberat eingeschaltet.

Wem der Postbote einen schwarz umrandeten Umschlag in die Hand drückt, auf dem noch dazu ein großes schwarzes Kreuz abgedruckt ist, dem wird in der Regel mulmig. Werden in solchen Kuverts doch üblicherweise Todesanzeigen verschickt. So auch in jenem Umschlag, den kürzlich zahlreiche Blogger bekamen, die auf ihren Seiten über Krimis schreiben. Wer das Kuvert öffnete, entdeckte darin auch die Todesanzeige von "Mona". Geboren am 16. Februar 1971. Gestorben am 24. August dieses Jahres. Weiter war zu lesen: "In Liebe und Dankbarkeit nehmen wir Abschied, von einer Frau, die gebrannt hat, für alles, was sie tat. Die eine leidenschaftliche Fotografin war, eine aufregende Gesprächspartnerin und eine phantastische Liebhaberin. Sie wurde das Opfer teuflischer Träume."

Krimi-Bloggerin Petra Weber aus Köln, die diese Todesanzeige öffnete, fuhr nach eigener Aussage der Schreck in die Glieder. Wer ist Mona? Kenne ich die? Wer schickt mir diese Anzeige?

Aber ruhig Blut: Bei dieser Todesanzeige handelte es sich nur um eine Werbeaktion. Ganz unten war nämlich zu lesen: "Die Spekulationen darüber, dass Mona gar nicht tot sei, sehen wir als Ausdruck tiefer Liebe, möchten uns aber nicht weiter daran beteiligen. Das Buch, das Zeugnis von ihrem Leidensweg ablegt, erscheint am 25. September. Journalisten und Blogger erfahren schon jetzt mehr unter www.sandmansreturn.de"

Aha! Sieht man aber erst auf den zweiten Blick. Jedenfalls schlug diese Todesanzeige bei der Krimi-Bloggerin voll ein - allerdings nicht im gewollt positiven Sinn. Sie reagierte "sprachlos" auf die echt wirkende Todesanzeige und trat im Netz einen Shitstorm gegen den Absender los. Die Werbeaktion bezeichnete sie als "Eingriff in die Persönlichkeitsrechte" und "Körperverletzung". Umgehend zettelte sie in der Krimi-Szene einen Shitstorm an. Bekannte Szene-Blogger bekunden öffentlich, dass sie den Autor boykottieren. Einer bezeichnet die Todesanzeige als "ABSOLUT geschmacklos und ABSOLUT widerwärtig". Damit nicht genug. Petra Weber schaltete auch noch den Deutschen Werberat ein. Diese Institution zur Selbstkontrolle der Werbebranche, die sich ansonsten hauptsächlich mit Nackedei-Werbung befasst, prüft aktuell die Todesanzeige.

Hinter dieser komplett nach hinten losgegangenen Werbeaktion steckt der Münchner Krimi-Autor Markus Ridder. Der wollte damit eigentlich nur sein neues Buch "Die Rückkehr des Sandmanns" vor Verkaufsstart in der Szene bekannt machen. Er ging bislang davon aus, dass Krimi-Blogger, die sich aus Neigung mit Gewaltverbrechen beschäftigen, diese Aktion eigentlich ganz originell finden müssten. "Die sind es doch gewohnt, dass Menschen zersägt und Leichen in Salzsäure aufgelöst werden. Die erwarten doch sowas", berichtet er unserer Onlineredaktion.

Außerdem sei er ja nicht der erste Krimi-Autor mit einer makabren PR-Idee für sein Buch gewesen: "Blogger berichten von Graberde, die aus Briefumschlägen rieselt, von blutgetränkten Glaceehandschuhen, Drohbriefen und Voodoo-Puppen." Als er Freunden von seiner Idee erzählt, zeigen die sich begeistert: "Coole Idee", bekommt er zu hören. Und so freute er sich wie ein "Lausbub vor einem gelungenen Streich", als er die selbst erstellte Todesanzeige in die Trauer-Kuverts steckte. Welche Reaktion hatte er bei den Adressaten erwartet? "Klar wird es einen kurzen Schreck geben, wenn die Blogger die Briefe bekommen. Aber sobald sie sie öffnen, werden sie sich doch einfach nur fragen: Wer steckt hinter dieser coolen Werbeaktion?"

Es kam bekanntlich anders. Mittlerweile sieht auch Markus Ridder ein, dass er mit der Traueranzeige vielleicht etwas über das Ziel hinausgeschossen sein könnte. "Das würde ich in dieser Form sicherlich nicht mehr machen", resümiert er. Aber er weist auch darauf hin, dass sich einige Blogger durchaus erheitert zeigten: "Die Aktion hat bei vielen genau das ausgelöst, was sie sollte: Einen großen, schmutzigen Lacher! Mittlerweile beschweren sich auch nur noch Blogger bei mir, weil sie den Brief nicht erhalten haben."

Steht hinter der Todesanzeige: Das Buch "Die Rückkehr des Sandmanns" von Markus Ridder.

Und wer ist eigentlich diese Mona, von der in der Traueranzeige die Rede war? Sie spielt eine nicht unwichtige Rolle in "Die Rückkehr des Sandmanns". In diesem Krimi geht es um die Münchnerin Sybille genannt Sybs. Sie träumt regelmäßig von zwei Frauen, die ihr ähnlich sehen - eine davon ist Mona. Irgendwann erscheinen ihr diese Träume ein wenig zu realistisch und sie bekommt den Eindruck, dass es gar nicht ihre Träume sind und sie in Wirklichkeit Zugang zum Bewusstsein anderer Frauen hat. Dann werden die Träume auch bedrohlicher. Eine der Frauen aus ihren Träume gerät in große Gefahr. Schließlich stellt  Sybs Nachforschungen an und findet heraus, dass eine der Frauen wohl wirklich das Opfer eines Verbrechens wurde. Sie beschließt, ihr zu helfen und gerät dabei selbst in größte Gefahr.

Immerhin: Nach dem PR-Desaster fallen die Rezensionen der Kunden, die das Buch beim Online-Versandhändler Amazon bestellt haben, ausnahmslos gut bis sehr gut aus. Markus Ridder kann mit dem Etikett "Schmuddelkind" auch ganz gut leben, das ihm einige Blogger verpasst haben. "Wenn es dem Buch hilft, nehme ich auch gerne das Bad-Boy-Image an. Als Thriller-Autor kämpfe ich für mein Buch bis zur letzten Patrone."

fro

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