Showdown im Kampf um die Schwabinger 7

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Ein Plakat der Bürgerinitiative „Rettet die Münchner Freiheit“, die für Freitagabend zu einer Demo aufgerufen hat.

München - Der Kampf um den Erhalt der Schwabinger 7 spitzt sich zu. Nach tz-Informationen hat der Investor am 16. Mai den Abriss der Gebäude auf dem Grundstück rund um die Schwabinger 7 beantragt. Damit darf er Mitte Juni die Kultkneipe niederreißen.

Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) will das per Denkmalschutz verhindern. Der Schwabinger hat gestern beim Generalkonservator Professor Egon Greipl Antrag auf Schutz für das Gebäude gestellt. „Es handelt sich bei diesem Gebäude um einen der letzten Flachbauten mit Barackencharakter aus der unmittelbaren Nachkriegszeit. Für die Münchner Bau- und Nachkriegsgeschichte erscheint mir der Erhalt eines solchen Objektes von besonderer Bedeutung“, so der Minister.

Auch in der Nachbarschaft regt sich Widerstand gegen den Neubau, der im Internet schon unter „monaco-schwabing“ vermarktet wird. Eine 135-Quadratmeter-Wohnung soll über 880.000 Euro kosten! Die Eigentümer zweier Nachbarhäuser haben Anwälte eingeschaltet, die den Bau stoppen sollen: „Der kürzlich eingereichte Bauantrag und der Bauvorbescheid von 2006 unterscheiden sich wesentlich. Der jetzt beantragte Bau ist viel massiver, die vorgeschriebenen Abstandsflächen werden nicht eingehalten“, so Anwalt Benno Ziegler zur tz. Ohne Zustimmung der Nachbarn könne der Investor nicht bauen, der Bauvorbescheid von 2006 sei somit nicht mehr bindend.

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Gestern wurde in der LeopoldstraЯe und an der Münchner Freiheit für den Erhalt Schwabings als Kultur-, Kneipen- und Wohnviertel für Nicht-Millionäre demonstriert. Dabei gab es Buh-Rufe für OB Christian Ude, der sich gegen den Erhalt der Schwabiger 7 ausgesprochen hatte.

Bei der Kundgebung mit rund 400 Teilnehmern waren sich die Parteien nicht einig, ob man die Schwabinger 7 noch retten kann. Stadträtin Sabine Nallinger machte den Fans der Kult-Kneipe wenig Hoffnung: „Der Genehmigungsprozess ist sehr weit fortgeschritten.“ Dennoch sei es gut, wenn die Menschen gegen Luxusbauten auf die Straße gingen. Nallinger schlug einen städtischen Fonds vor, aus dem künftig Kultbauten wie die Schwabinger 7 erhalten werden könnten. Auch Schwabings Bezirksausschussvorsitzender Werner Lederer-Piloty (SPD) gab der Schwabinger 7 nicht viel Chancen: „Ich halte es für unrealistisch, den Neubau an der Feilitzschstraße zu verhindern – Vorbescheid hin oder her.“ Die Bemühungen von CSU und Grünen, das Kultviertel zu retten, nannte er „blanken Populismus“.

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CSU-Stadtrat Norbert Brannekämper entgegnete: „Wir können die Feilitzschstraße retten, wenn wir schnell einen Bebauungsplan mit Veränderungssperre aufstellen.“ Er wolle das im Stadtrat beantragen. Da sich der Bauantrag vom Vorbescheid unterscheide, sei die Stadt nicht unbedingt schadenersatzpflichtig, wenn der Investor nicht wie geplant bauen könne. Brannekämper: „Das Planungsreferat hat die Flinte zu schnell ins Korn geworfen.“

Am Sonntag wird wieder gegen Luxusbauten demonstriert, dieses Mal am Hans-Mielich-Platz in Untergiesing: Um 13 Uhr beginnt ein Straßenfest, dass sich gegen den Abriss historischer Kutscherhäuser in der Birkenau wendet.

J. Welte

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