Wie sicher sind unsere Sparbücher?

+
Angst ums Ersparte: Die Finanzkrise beschäftigt viele Münchner Kleinanleger

München - Wie gefährlich ist der Polit-Poker um Milliarden für die Kleinanleger? Ein Experte erklärt die Zusammenhänge. Zudem erfahren Sie hier, wo die meisten Münchner ihre Ersparnisse anlegen.

Sorge ums Sparbuch, Bibbern ums Festgeldkonto: Die europäische Finanzkrise verunsichert zunehmend auch die kleinen Geldanleger. Wie gefährlich ist der Polit-Poker um Milliarden für sie? In der tz erklärt Professor Dr. Günther Picker die Zusammenhänge. Der 66-jährige Rechtsanwalt ist geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Bayerischen Bankenverbands. Diese Interessenvertretung zählt 85 Mitglieder mit insgesamt 30 000 Mitarbeitern.

Müssen sich die Münchner Sorgen um ihre Geldanlagen machen?

Professor Dr. Günther Picker: Unsere Kunden können ganz beruhigt sein, sie sind von der Finanzkrise überhaupt nicht direkt betroffen. Und das gilt für alle – egal, bei welcher Bank oder Sparkasse sie ihr Geld angelegt haben.

Aber angeblich droht doch manchen Banken wegen der europäischen Finanzkrise der Kollaps.

Picker: Die Banken sind nicht das entscheidende Problem in der Finanzkrise, sondern einzelne Staaten. Schwitzen müssen die Politiker und nicht die privaten Anleger. In Deutschland kann sich der kleine Mann beruhigt zurücklehnen.

Das Gegenteil ist aber der Fall, viele Kunden sind verunsichert. Sie fürchten, dass im Falle einer Bankenpleite auch ihr Geld futsch wäre.

Picker: Diese Gefahr besteht nicht. Ihr Geld ist durch ein Einlagensicherungssystem geschützt. Es gibt zwei Schutzmechanismen: die ­Institutssicherung bei Sparkassen und Genossenschaftsbanken sowie die Einlagen­sicherung bei den privaten Bank.

Wie funktionieren diese beiden Schutzsysteme?

Picker: Eine Sparkasse oder eine Genossenschaftsbank kann gar nicht pleite gehen. Wenn sie zahlungsunfähig wäre, würde sie zwangsfusioniert. Das bedeutet: Die Kunden würden einem gesunden Institut übergeben. Bei den privaten Banken sind die Einlagen ebenso geschützt. Ein Fonds, in den alle Banken freiwillig eingezahlt haben, garantiert jedem einzelnen Geldanleger Schutz. Die Höhe der Ab­sicherung wird nach dem so genannten haftenden Eigenkapital einer Bank bemessen. Der Kunde ist bis zu einer Summe von 30 Prozent dieses haftenden Eigenkapitals geschützt.

Können Sie uns ein Beispiel vorrechnen?

Picker: Angenommen, das Eigenkapital beträgt zehn Millionen Euro – ungefähr das Mindeste, was eine Bank auf der hohen Kante haben muss: Dann garantiert der Fonds jedem Kunden Schutz für Geldanlagen bis zu drei Millionen Euro. Und wer hat schon so viel Geld auf der Bank liegen?

Hat dieser Fonds denn auch genügend Geld, um im Notfall alle Anleger entschädigen zu können?

Picker: Ja, der Fall der Lehman-Pleite hat dies bewiesen, alle Anleger wurden entschädigt. (Anmerkung der Redaktion: Die Lehman Brothers Inc. war eine amerikanische Investmentbank mit Hauptsitz in New York, die im September 2008 im Zuge der Finanzkrise Insolvenz anmelden musste.)

Wirtschaftskrise: Diese Banken hat es am meisten getroffen

Wirtschaftskrise: Diese Banken hat es am meisten getroffen

Anders als die Geldanleger reagieren viele Banken gelassen auf die Krise. Müssen sie nicht fürchten, dass sie das Geld, das sie an manche Staaten verliehen haben, nie mehr zurückbekommen?

Picker: Ein Staat kann es gar nicht riskieren, pleite zu gehen. Deshalb wird er mit seinen Gläubigern und der Politik Vereinbarungen treffen – in der Regel läuft es auf eine Streckung der Kredite hinaus. Meistens bekommen die Banken dann zum Ausgleich höhere Zinsen.

Warum geraten so viele Staaten in wirtschaftliche Schieflage?

Picker: Es wird immer stärker offenbar, dass viele Staaten über ihre Verhältnisse gelebt haben. Wenn ein Normalbürger so schlecht wirtschaften würde, käme er in Teufelsküche. Eine Faustregel besagt: Die Verschuldung soll 60 Prozent des Vermögenswerts nicht übersteigen. Bei manchen Ländern liegt der Wert aber jenseits von 120 Prozent. In Griechenland zum Beispiel ist von 130 Milliarden Euro Schulden die Rede.

Was können Staaten wie Griechenland tun, um von diesen horrenden Summen herunter zu kommen? Reicht da ein drastisches Sparkpaket überhaupt aus?

Picker: Grundsätzlich gilt: Wie jeder verschuldete Privatmann auch muss ein verschuldeter Staat erst einmal Vermögen verkaufen. Griechenland hat Immobilienwerte von mehr als 80 Milliarden Euro. Da ist noch viel Handlungsspielraum.

Interview: Andreas Beez

Auch das genossenschaftliche Pendant, die Münchner Bank, hat eine große Kundenkartei. 600 Banker kümmern sich in 34 Filialbereichen mit 45 Standorten um mehr als 110 000 Kunden. Die Sparda-Bank zählt in Oberbayern über 283 000 Kunden, die das Serviceangebot in 44 Filialen nutzen, 18 davon in der Landeshauptstadt. Für die Sparda-Bank arbeiten 666 Menschen.

In den Landkreisen München, Starnberg und Ebersberg ist die Kreissparkasse stark vertreten. Sie kommt auf 102 Geschäftsstellen mit insgesamt 1800 Mitarbeitern. Etwa 180 000 Oberbayern besitzen ein Girokonto bei der Kreissparkasse, weitere Kunden in anderen Geschäftsbereichen kommen noch dazu.

Natürlich sitzen in München auch viele international aufgestellte Großbanken – allen voran die Deutsche Bank. Sie betreibt 24 Filialen in der Stadt und 23 weitere im Ballungsraum. Diese Anlaufstellen nutzen 282 000 Münchner, in der Region meldet die Deutsche Bank 518 000 Kunden. 816 Menschen arbeiten im Geschäftsbereich Süd, 315 davon in der Stadt.

In München ­verwurzelt ist auch die HypoVereinsbank. Die Fusion zwischen Hypo- und Vereinsbank galt als schwere Geburt. Inzwischen gehört das Institut zur italienischen Unicredit-Gruppe. Die HypoVereinsbank unterhält deutschlandweit 780 000 Geschäftsstellen mit 20 000 Beschäftigten. Kunden-Zahlen und nähere Angaben über das Geschäft in Müchen lagen gestern nicht vor. Auch die Postbank, die zu den deutschen Finanz-Riesen gehört, machte keine regionalen Angaben.

A. Beez

Auch interessant

Meistgelesen

Sperrung auf S4- und S6-Strecke aufgehoben
Sperrung auf S4- und S6-Strecke aufgehoben
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
Münchens größte Werkstadt: Das neue Viertel hinterm Ostbahnhof 
Münchens größte Werkstadt: Das neue Viertel hinterm Ostbahnhof 

Kommentare