15.000 Euro Kosten im Monat - und kein Einzelfall

In diesem Flüchtlingszelt hat nie jemand gewohnt - es wird dennoch beheizt

Die Beleuchtung in Fröttmaning ist nachts teilweise eingeschaltet - dieses Foto schickte uns unser Leser Simon.

Seit einem Jahr steht die Flüchtlingsunterkunft in Fröttmaning leer. Sie wird dennoch beheizt, wie einem unserer User aufgefallen ist. Es entstehen enorme Kosten - auch bei anderen Hallen.

München - Bereits im April 2016 wurde direkt an der U-Bahn-Station Fröttmaning eine Notunterkunft für Flüchtlinge gebaut. Nachts brenne dort das Licht, ab und an werde sogar geheizt. Doch bewohnt war die Unterkunft in Fröttmaning nie, wie unser Leser Simon unserer Onlineredaktion meldete. 

Wir haben recherchiert, was es mit dem Leerstand der Flüchtlingsunterkunft auf sich hat:

Acht „Leichtbauhallen“ hat die Stadt München gebaut

Insgesamt acht sogenannte „Leichtbauhallen“ hat die Stadt München Ende 2015/Anfang 2016 gebaut, um die große Anzahl ankommender Flüchtlinge unterzubringen. Die Hallen sollten als erste Notunterkunft dienen und insgesamt fast 1.300 Asylsuchenden einen Platz bieten. Doch zumindest die Halle in Fröttmaning wurde nie in Betrieb genommen. Der Grund: Die Flüchtlingszahlen gingen rapide zurück.

Laut einer Pressemitteilung der Bayrischen Staatskanzlei, die im April 2016 veröffentlicht wurde, sind im Januar 2016 fast 75.000 Asylsuchende nach Bayern gekommen. Bereits im Februar waren es noch etwas mehr als die Hälfte, im März nur noch rund 6.000 Menschen. Seit April 2016 habe der Freistaat, laut der Mitteilung, nahezu keine Flüchtlinge mehr zugewiesen bekommen. Im Februar 2017 ist die Zahl der ankommenden Flüchtlinge weiter gesunken

Wie die Sprecherin des Sozialreferates Edith Petry unserer Onlineredaktion mitteilte, wurden sieben der acht Leichtbauhallen auch für die Unterbringung der angekommenen Asylsuchenden eingesetzt. Die konkrete Nutzungsdauer schwankte laut der Aussage des Referates zwischen fünf und zehn Monaten, endete aber bei allen bereits im vergangenen Jahr. 

Da der Landeshauptstadt München jedoch seit April 2016 nahezu keine Flüchtlinge mehr zugewiesen wurden, konnten „die Bewohnerinnen und Bewohner aus weniger geeigneten Objekten wie Leichtbauhallen in höherwertige Unterkünfte verlegt werden“, so Petry. Die Unterkunft in Fröttmaning, die erst im April 2016 fertiggestellt wurde, wurde laut dem Sozialreferat „aufgrund des zurückgegangenen Flüchtlingszugangs nicht mehr in Betrieb genommen.“

Heißt: Von den ursprünglich aufgestellten acht Leichtbauhallen wird keine mehr von Flüchtlingen bewohnt. In einer - nämlich jener in Fröttmaning - lebte sogar nie ein einziger Mensch.

Eine Leichtbauhalle wurde bereits wieder abgetragen

Im August 2016 wurde die erste der acht Leichtbauhallen geschlossen und wieder abgebaut. Die leere Fläche wurde danach für das Projekt „Leben für alle“ zur Verfügung gestellt. Wie die Sprecherin des Sozialreferates Petry unserer Onlineredaktion mitteilte, handelt es sich dabei um „ein Sonderprogramm, das die Landeshauptstadt München zusätzlich zum Wohnungsbauprogramm ‘Wohnen in München VI‘ ins Leben gerufen hat. Danach werden Wohnungen gebaut, die zur Hälfte für anerkannte Flüchtlinge und zur Hälfte mit einkommenschwächeren Haushalten belegt werden.“

Bis Ende November 2016 wurden auch die übrigen Leichtbauhallen geschlossen, nicht aber abgebaut. Denn im Dezember 2016 beschloss der Stadtrat, die frei gewordenen Unterkünfte nicht vorzeitig abzutragen, sondern bis zum Laufzeitende als Notfallreserve stehen zu lassen. Bei dem Bau der Hallen war die Nutzungsdauer auf maximal 24 Monate festgelegt worden. Sechs der Unterkünfte werden nun bis Ende 2017 stehen, die letzte im März 2018 abgebaut werden. 

Stadtrat will für erneuten Ansieg gewappnet sein

Von Seiten des Sozialreferates hieß es zu dieser Entscheidung: „Für den Fall einer erneut signifikant steigenden Flüchtlingszuweisung hat der Stadtrat beschlossen, die frei gewordenen Leichtbauhallen nicht vorzeitig abzubauen, sondern bis zum Laufzeitende als Notfallreserve vorzuhalten.“ Weiter teilte Petry mit: „Hintergrund war auch, dass die Landeshauptstadt München für die Regierung von Oberbayern mindestens 300 Notfallplätze bereithalten muss, die innerhalb von 48 Stunden aktivierbar sein müssen.“

In dem Protokoll des Stadtratbeschlusses heißt es auch, dass die Planung und Realisierung neuer Unterkünfte bis zu sechs Monate dauern würden.

„Um zumindest bis Mitte 2017 für einen etwaigen erhöhten Flüchtlingszugang gewappnet zu sein, ist eine Stand-by-Verwendung von vorhandenen Leichtbauhallen erforderlich“, so die Erklärung in dem Protokoll.

Hallen müssen teilweise geheizt werden

Obwohl die Flüchtlingsunterkunft in Fröttmaning nicht bewohnt ist, ist die Beleuchtung dort nachts teilweise eingeschaltet. Wie unserem Leser Simon auffiel, werde die Halle teilweise sogar beheizt.

Das bestätigt das Sozialreferat und erklärt in einer schriftlichen Stellungnahme: „In den Leichtbauhallen ist in der kalten Jahreszeit eine Mindesttemperatur von 12° Celsius erforderlich, damit anstehende Feuchtigkeit / Bodenfeuchte nicht zu Schäden der Holzböden / Innentrennwände / der Innenausstattung führt. Bei Schneefall wird im Winter dadurch außerdem eine mögliche Schneelast auf dem Dach verhindert.“ Der Sicherheitsdienst, der alle Standorte überwacht, schalte nachts teilweise das Licht ein, so die Auskunft des Sozialreferates weiter. 

Diese Flüchtlingsunterkunft in Fröttmaning steht seit ihrem Bau leer - dieses Foto schickte uns unser Leser Simon.

15.000 Euro pro Monat kostet der Leerstand

Derzeit betreibt die Stadt München also sieben Leichtbauhallen im Stand-By-Modus. Die Unterkunft in Fröttmaning steht schon seit April 2016 leer, die übrigen Unterkünfte wurden im selben Jahr für einige Monate genutzt und stehen nun ebenfalls leer.

Über die Kosten, die durch diesen Stand-By-Modus anfallen, erklärt die Stadt: „Die Leerstandskosten für den als Notreserve vorgehaltenen Leichtbauhallenstandort belaufen sich auf ca. 15.000 Euro monatlich. In diesen Kosten sind Miete und notwendigste Betriebskosten sowie Sicherheitsdienst enthalten.“ Gemeint sind die Kosten pro Halle.

Laut dem Beschluss des Stadtrates rechnet sich dieser Stand-By-Modus jedoch. Denn auch der Abbau solcher Leichtbauhallenstandorte sind nicht günstig. Allein die Lagerkosten nach dem Abbau belaufen sich pro Halle auf 10.000 Euro monatlich.

Ein Ab- und Wiederaufbau solcher Standorte, in denen etwa 200 Personen untergebracht werden können, datiert die Stadt in ihrem Beschluss mit 1,2 Millionen Euro. Nach genauer Kalkulation hat sich die Stadt deswegen für die Erhaltung der Halle bis zu ihrem Laufzeitende entschieden.

Die Kosten für den Weiterbetrieb der leeren Leichtbauhallen sind also stattlich - aber derzeit nach Ansicht der Stadt alternativlos, um für einen eventuellen neuen Flüchtlingsstrom gewappnet zu sein.

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