Single-Coach Verena Lauer

So bringt sie einsame Menschen zusammen

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Der klare Blick ist wichtig: Verena Lauer muss ihre Kunden gut kennenlernen, um ihnen helfen zu können.

Verena Lauer ist Single-Coach. Sie bringt Münchner und Münchnerinnen zusammen. Die tz wollte von ihr wissen: Was macht ein Single-Coach? Was bringt ein Coaching?

Ist München der perfekte Arbeitsplatz für einen Single-Coach?

Verena Lauer: In München gibt es viele Singles, oft kümmern sich die Menschen um ihre äußere Fassade. Botox im Gesicht, aber innen sieht’s weniger gut aus. Die Leute krebsen umeinander rum, jeder hat Angst, dem anderen zu sagen, wenn er ihn mag. Frauen und Männer wollen gut aussehen – dabei geht es um etwas anderes. Eigentlich müssten die Leute mir die Bude einrennen.

Eigentlich?

Lauer: Wer zu einem Single-Coaching geht, wird oft schief angeschaut. Viele denken, sie hätten so etwas nicht nötig. Dabei gibt es heute für alle Bereiche professionelle Hilfe: Fitness, Ernährung, Finanzen – alles anerkannt. Aber bei dem, das den Leuten am wichtigsten ist – der Liebe – lassen sie niemanden ran.

Was genau macht ein Single-Coach?

Lauer: Flirt-Coaching kennt jeder: Wie spreche ich Frauen an? Aber wie geht es nach dem Ansprechen weiter? Wie gewinne ich den anderen, wie werde ich mit ihm glücklich? Das kläre ich in einem Single-Coaching.

Warum ein Coaching bei Ihnen?

Lauer: Ich habe eine sehr gute Ausbildung, die über drei Jahre ging. Man muss selbst aufgeräumt sein, mit einer guten Methode arbeiten. Ein reines Flirt-Coaching geht in der Regel nicht so tief.

Sie aber schon?

Lauer: Auf jeden Fall. Ich muss den Menschen betrachten, der mir gegenübersitzt.

Den perfekten Aufreißerspruch gibt es also nicht?

Lauer: Nein. Coaching ist individuell, jeder Mensch tickt anders. Oft liegt im Beziehungsmuster etwas im Argen. Dann kannst du tolle Sprüche draufpacken, so viele du willst. Es wird nicht klappen.

Wie lange dauert ein Coaching?

Lauer: Mindestens drei Monate. Wenn man nachhaltig etwas verändern möchte.

In welchem Alter kommen die Menschen?

Lauer: Meist über 40. Schade, aber nachvollziehbar. Ich dachte, dass meine Zielgruppe die Generation um die 30 sein wird. Der Schmerz scheint da aber noch nicht groß genug.

Was kostet ein Coaching?

Lauer: Sechs Monate kosten 2500 Euro, drei 1500.

Und das Ziel eines Coachings ist?

Lauer: Den Weg freimachen für eine Partnerschaft. Alles mitgeben, was man dafür braucht: Sicherheit, Selbstbewusstsein, Verständnis, Leichtigkeit. Und vor allem: das Herz öffnen.

Wie vielen Menschen haben Sie schon geholfen?

Lauer: Bis jetzt stehen vier Hochzeiten zu Buche, einige Partnerschaften. Ich bereite den Weg, gehen muss ihn jeder selber.

Es gibt viele Ratgeber-Bücher. Da spart man doch viel Geld und Zeit.

Verena Lauer bei einem Gruppen-Coaching.

Lauer: Das sind oft schlechte Ratgeber. Ein Beispiel: Ein Mann setzt sich zu einer Frau, ihre Körper berühren sich. Daheim schaut sie gleich in den Ratgeber: Was tue ich gegen aufdringliche Männer? Da steht dann: Klopf ihm auf die Finger! Dabei ist die Situation doch eine andere: Die Frau empfindet das Verhalten als aufdringlich. Sie hätte das aber auch positiv sehen können. Schließlich zeigt jemand Interesse an ihr!

Sind Sie stolz auf Ihre Arbeit?

Lauer: Natürlich. Irgendwann heißt es nicht mehr: Wie, du lässt dich coachen? Sondern: Wie, du lässt dich NICHT coachen?

Jeder braucht also ein Coaching?

Lauer: Zum Überleben braucht man es nicht. Aber es lebt und liebt sich deutlich einfacher.

Ein Beispiel?

Lauer: Eine Kundin wurde von heute auf morgen verlassen. Danach war sie Männern gegenüber misstrauisch. Da ist es wichtig, dass sie ihren eigenen Beitrag erkennt. Welche Anzeichen hat sie ignoriert? Was hat sie ihm nicht gegeben? Sie musste raus aus der Opferrolle, also haben wir das Verständnis dafür aufgebaut, inwieweit Männer anders ticken und wie sie selbst damit umgehen kann.

Raus aus der Opferrolle – sie schonen ihre Kunden nicht.

Lauer: Es ist viel effektiver, Negatives auszuräumen, als immer wieder neue Motivation obendrauf zu packen.

Wer mag schon mit seinen Problemen konfrontiert werden?

Lauer: Wenn man sie nicht los wird, dann begleiten sie einen das ganze Leben. Viele tragen noch mit 40 Probleme aus der Kindheit mit sich herum. Was soll daran gut sein? Ich befreie Menschen von Ballast, den sie mit sich herumschleppen.

Angenommen, es liegt an anderen Dingen: Ein Kunde sieht verlottert aus und stinkt. Sagen Sie ihm das?

Lauer: Würde ich machen. Aber das kommt nicht vor. Meistens sind die Kunden attraktiv und erfolgreich.

Was ist Ihnen bei einem Mann wichtig?

Lauer: Ich glaube an Liebe auf den ersten Blick! Dann sollte er Single sein und Interesse an einer Beziehung haben. Im Bett muss es passen. Und ganz wichtig: viele Gemeinsamkeiten!

Analysieren Sie pausenlos menschliche Beziehungen?

Lauer: Nein. Das ist nur ein Beruf. Ein Handwerker hämmert auch nicht jedes Mal drauf los, sobald er ein Haus betritt.

Als Ehrengast auf der Hochzeit

Als Bettina Götze (39) ihren späteren Ehemann kennen gelernt hat, konnte sie ihn nicht ausstehen. Heute, 13 Jahre später, lebt sie mit ihm und den gemeinsamen Kindern in einem Reihenhaus mit Garten. Sie ist glücklich. „Das habe ich Verena zu verdanken“, sagt Bettina.

Single-Coach Verena Lauer hat die beiden verkuppelt. Dafür gesorgt, dass sie ausgingen. Es war es ihre Idee, dass Rainer seiner Bettina ein Wellness-Wochenende am Tegernsee zum Geburstag schenkte. „Da hat es gefunkt“, sagt Bettina.

Bettina Götze (r.) mit ihrem Gatten Rainer und Lauer.

Warum sie damals einen Singlecoach gebraucht hat? „Ich kam frisch aus einer Beziehung. Der Ex-Partner passte nicht zu mir. Ich wollte Kinder, er nicht. Von Männern wollte ich nix mehr wissen. Ich dachte: Die sind alle gleich.“ Verena hörte zu, gab ihr Impulse zum Nachdenken. Erst machte Verena ihr klar, dass sich der Partner niemals verbiegen lasse. „Wenn es keine Gemeinsamkeiten gibt – lieber gleich bleiben lassen“, sagt Bettina heute. Dann sollte sie grundlegende Fragen beantworten: Was braucht sie für ihr Leben? Was soll der Partner mitbringen, was nicht?

Sie meldete sich für ein Gruppen-Coaching an. Einige Freunde guckten sie schief an, fragten: „Sowas hast du nötig?“ Bettina war das egal: „Ich wusste, dass mir das etwas bringt.“ Single-Coach Verena haucht Bettina wieder Selbstbewusstsein ein. Sie lässt sich auf Rainer ein. Sie merkt, dass er ähnlich tickt, Kinder und Familie möchte. Ende 2006 heiraten die beiden. Ehrengast auf der Hochzeitsparty: Single-Coach Verena Lauer.

T. Scharnagl

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