Mit Sitzfleisch zum Kult-Handy

Münchner kampieren fürs neue iPhone

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Warten aufs Kultgerät: Christoph und Florian Soyer, Balasz Gal und Ralph Barth (v. l.) kampieren vor dem Apple-Store.

München - Es ist der Wahnsinn vor dem iPhone-Sturm: Am Freitag startet der Verkauf des iPhone 5. Hartgesottene Apple-Fans kampieren bereits seit Mittwoch vor dem Apple-Store.

Immer wenn Apple ein neues Produkt auf den Markt bringt, scheiden sich die Geister. Die einen halten den Hype um Apple für absolut gerechtfertigt, die anderen werten die teils bedingungslose Loyalität mancher Kunden als völlig verrückt. Sei’s drum. Denn ob iPhone, iPad oder iPod, alle Geräte mit dem obligatorischen „i“ stoßen bei eingefleischten Apple-Fans auf eine Begeisterung, von der die meisten Unternehmen nicht einmal zu träumen wagen. Und die Zahl der AppleJünger steigt unaufhörlich.

Einen Eindruck davon, wie sehr der Apple-Hype schon fast religiöse Züge annimmt, konnte man sich am Donnerstag in der Münchner Fußgängerzone verschaffen. Vor dem Apple-Store am Marienplatz (Rosenstraße) sitzt eine stetig wachsende Zahl junger Leute aneinandergereiht auf Campingstühlen – wie Vögel auf der Stange. Der Grund ist so einfach wie für die meisten Menschen wohl völlig unverständlich: Am Freitagmorgen um 8 Uhr, statt zu den regulären Öffnungszeiten um 9 Uhr, startet der Verkauf des iPhone 5. Und manch einer, wie Ralph Barth, wartet bereits seit vorgestern.

Eine Erfolgsgeschichte: Die bisherigen iPhone-Modelle

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Der 21-Jährige harrt seit Mittwochmorgen, 7 Uhr, vor dem Apple-Store aus und war damit der erste vor Ort. Im Gepäck hat er eine weiße Decke mit dem Logo der Firma „Phone Klinik“, die sich auf die Reparatur von Apple-Produkten spezialisiert hat und bei der er beschäftigt ist. „Aus Werbungsgründen“, wie er sagt. Ralph Barth musste sich aber nicht nur mit Schlafentzug und skeptischen Blicken der Passanten auseinandersetzen, sondern auch mit der Münchner Polizei, die in der kalten Nacht zu Donnerstag wenig Verständnis für sein ungewöhnliches Camping aufbrachte: „Da habe ich gesagt: ,Ey, ich sitze doch schon den ganzen Tag hier, und niemanden hat es gestört.‘“ Nach einer kurzen Diskussion hätten die Beamten dann eingelenkt, vorausgesetzt er halte seinen Platz sauber und konsumiere keinen Alkohol.

Eine durchaus sinnvolle Auflage. Denn: „Das iPhone zu bekommen ist eigentlich Nebensache“, sagt etwa Florian Soyer. Der 20-Jährige sitzt seit Donnerstag, 14.30 Uhr, in der Schlange und wird begleitet von seinem Cousin Christoph, der nur zum Spaß mitgekommen ist: „Vielen geht es vor allem um das Event an sich“, sagt er, „schließlich ist das iPhone ja nur ein Telefon.“ Die Reaktionen auf seinen Campingplan – nur wegen eines Telefons – könnten unterschiedlicher nicht sein: „Meine Freundin fand das noch lustig, aber meine Eltern haben mich erstmal gefragt, ob ich einen Vogel habe“, sagt er und lacht.

Zum Verkaufsstart-„Event“ gehört auch, dass jeder Kunde mit Handschlag begrüßt wird und unter jubelnden Gleichgesinnten sein iPhone erhält. Wieviele der Handys – das 679 Euro kostet – auf Lager sind, weiß keiner so genau. Auch das motiviert natürlich zum Camping. „Es war von 500 die Rede, aber ich glaube, dass es über tausend sind“, schätzt Balazs Gal. Der Münchner mit ungarischen Wurzeln kampiert seit Donnerstag, 10 Uhr morgens. Auf seinem Blog „Techfokus.de“ informiert er über die Geschehnisse vor Ort. Balazs Gal ist zum sechsten Mal auf einem solchen Event, war bereits bei Verkaufsstarts von iPhone-Vorgängern und iPads zugegen. „Ich komme jedes Jahr früher, weil es jedes Jahr früher losgeht“ sagt er. Denn die Fangemeinde wächst und das Event damit auch.

B. Krischke

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