Er sitzt im Knast, weil sie vor Gericht gelogen hat!

+
Helmut W. wurde aus dem Gefängnis in den Zeugenstand geführt, Anna M. bekam ein schlechtes Gewissen und nahm ihre Aussage zurück

München - Ingenieur Helmut W. sitzt wegen angeblicher Vergewaltigung in der JVA Landsberg. Jene Frau, die ihn damals in den Knast gebracht hat, behauptet jetzt: „Ich habe die ganze Geschichte erfunden."

Das Urteil ist rechtskräftig: Zu viereinhalb Jahren Gefängnis wegen Vergewaltigung hatte das Landgericht den 60-jährigen BMW-Ingenieur Helmut W. verurteilt. Er sitzt in der JVA Landsberg. Jene Frau, die ihn damals in den Knast gebracht hat, behauptet jetzt: „Ich habe die ganze Geschichte erfunden. Es hat nie eine Vergewaltigung gegeben!“

Als 14-jähriges Mädchen war Anna M. im Jahr 1998 aus Armenien nach Deutschland gekommen. Helmut W. und dessen Ehefrau kümmerten sich um sie, brachten ihr die deutsche Sprache bei. „Er war wie ein Vater zu mir“, sagt sie heute. So ab dem Jahr 2000 habe sich eine Liebesbeziehung zu ihm entwickelt, erklärte sie. Wenn seine Ehefrau nicht im Haus war, hatten die beiden wilden Sex miteinander.

Bis 2008 ging das so, dann geriet die Affäre in die Krise: „Ich bin selbstbewusster geworden. Ich hatte das Gefühl, ich habe im Leben was verpasst.“ Das Problem für sie: Mit ihm in einer Dreiecksbeziehung konnte sie nicht leben, ohne ihn aber auch nicht. Sie ging zur Polizei, zeigte ihn zunächst wegen Waffenbesitzes an. Sie sagt: „Ich war auf ihn wütend.“ Dann belastete sie ihn schwer: Am 9. Juli 1998, also zehn Jahre vor ihrer Anzeige, habe er sie vergewaltigt. Das Datum wisse sie ganz genau. Die Ermittler glaubten ihr, schließlich schilderte sie viele sexuelle Details. Heute sagt sie, das seien Details von dem einvernehmlichen Sex gewesen, den sie über die vielen Jahre gehabt hatten.

Die Justiz-Maschinerie geriet ins Rollen. Sie wurde öfter vernommen, blieb aber bei ihrer Aussage. Warum? Ihre Therapeutin habe ihr gesagt: „Du darfst nicht an dir zweifeln, du musst das durchziehen!“ Das Gericht glaubte ihr. Helmut W., der immer seine Unschuld beteuerte, wurde verurteilt. Der Bundesgerichtshof bestätigte das Urteil: viereinhalb Jahre Knast!

Doch dann packte Anna M. das schlechte Gewissen. Sie ging zu Rechtsanwalt Hartmut Girshausen, der sie darüber aufklärte, dass ihr nun selbst das Gefängnis drohe. Das ist ihr egal. Sie ging zur Polizei, um ihre belastende Aussage zurückzunehmen. „Auch wenn man mir nicht glaubt“, sagt sie. „Dann bin ich zumindest in meinem Gewissen erleichtert.“ Die Staatsanwaltschaft reagierte wie erwartet mit einer Anklage. Aber nicht wegen falscher Verdächtigung, sondern wegen „Strafvereitelung“, weil sie einen rechtskräftig Verurteilten aus dem Knast holen wolle.

Anwalt Hermann Borchert, Verteidiger von Hartmut W., folgt dem Prozess gespannt. Er will ein Wiederaufnahmeverfahren für seinen Mandanten erreichen. Vorerst bleibt er aber hinter Gittern.

Eberhard Unfried

Auch interessant

Meistgelesen

S-Bahn: Feuerwehreinsatz auf der Linie der S1
S-Bahn: Feuerwehreinsatz auf der Linie der S1
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
Münchens größte Werkstadt: Das neue Viertel hinterm Ostbahnhof 
Münchens größte Werkstadt: Das neue Viertel hinterm Ostbahnhof 

Kommentare