Skifahrer im absoluten Tempo-Rausch

+
Immer wieder kommt es auf Skipisten zu schweren Unfällen.

Eiseskälte, knüppelharte Pisten, Kunstschnee – Skifahren ist derzeit immer noch verdammt schön, aber auch verdammt gefährlich.

Jetzt schlägt sogar die Polizei Alarm. Die Zahl der Unfälle insgesamt stagniert. Doch „die Zusammenstöße nehmen seit Jahren zu“, warnt Peter Wiesent, Alpinbeauftragter der bayerischen Polizei. Die Folge sind immer häufiger schwere oder gar tödliche Verletzungen. Allein in die Nothilfe im Klinikum Garmisch-Partenkirchen werden täglich 100 bis 120 Wintersportler eingeliefert!

„Insbesondere die Rasant-Verletzungen nehmen zu“, erklärt Dr. Peter Gutsfeld (50), Leiter der Unfallchirurgie. Sprich: Immer mehr Brettl-Fans sind im Tempo-Rausch und fahrlässig schnell unterwegs. Dank stark verbessertem Material und flotten Carving-Skiern. Zudem tummeln sich relativ viele Sportler in immer weniger schneesicheren Gebieten. Auch gilt laut Alpin-Experte Wiesent: „Früher wedelte man einen Hang mehr oder weniger in Fall-Linie runter. Mit Carving-Ski oder Snowboards werden die Pisten häufiger gequert.“ Mit manchmal fatalen Konsequenzen.

Drei tödliche und 31 teils schwere Skiunfälle verzeichneten die Alpinen Einsatzgruppen der Polizei 2008 in Bayerns unfallträchtigster Region, im Allgäu. Von Oberstdorf bis Berchtesgaden, von der Schramme bis zum kapitalen Crash: Unsere Ordnungshüter werden nach Pisten-Unfällen generell immer häufiger gerufen, aus Versicherungs- und Schadenersatz-Gründen.

Zurück nach Garmisch. Dort ist der Rettungshubschrauber an den Nachmittagen fast pausenlos im Einsatz. Rund 10 Prozent der verunglückten Sportler haben Kopfverletzungen, meist leichte Schädel-Hirn-Traumata, also Gehirnerschütterungen. Snowboarder brechen sich überdurchschnittlich häufig den Unterarm, beim Sturz auf den eisigem Untergrund. „Signifikant“ ist laut Chirurgie-Chef Dr. Gutsfeld aber der Anstieg der Speed-Verletzungen wie Wirbelbrüche, Frakturen an robusten Knochen wie Oberschenkel oder Becken sowie Brüche des Schienbein-Kopfs. „Dazu muss bei hoher Geschwindigkeit großer Druck auf den Schienbein-Kopf ausgeübt werden“, so Dr. Gutsfeld. Bisweilen reicht auch ein Sturz in eine Unebenheit, der Aufprall in einer Mulde. Und der Knochen ist durch.

Hinzu kommen „immer mehr Rodel-Verletzungen“. Mit Schlitten, Rennrodel oder Zipfelbob – vor allem Erwachsene lassen’s gewaltig krachen. Das Ergebnis: überwiegend Stauchungen und schmerzhafte Brüche. Immerhin noch eine gute Nachricht zum Schluss: Die Zahl der schweren Kopfverletzungen, besonders bei jungen Wintersportlern, nimmt ab. Denn Kinder und Teenager tragen mittlerweile fast ausnahmslos einen Helm. „Da ist die Jugend eindeutig ein Vorbild“, wissen Experten. Seit dem Ski-Drama um Thüringens Ministerpräsident Althaus vertrauen aber auch immer mehr ältere Skifahrer auf den Kopfschutz. Die Branche spricht von einem Verkaufs-Boom – ein lebensrettender Trend.

Leben retten wollen auch die Ärzte im Garmischer Klinikum. Zur Winter-Hochsaison in Doppel-Besetzung mit 16 Chirurgen. Davon stehen allein sechs Chirurgen im OP. „Heuer hatten wir zum Glück noch keinen Todesfall“, heißt es in der Nothilfe. Dr. Gutsfeld und seine Kollegen hoffen, dass das so bleibt.

C. Detsch

Quelle: tz

Auch interessant

Meistgelesen

Junge Frauen lassen sich nachts heimlich bei Kaufland einsperren - und filmen sich
Junge Frauen lassen sich nachts heimlich bei Kaufland einsperren - und filmen sich
Spur des Schreckens: Jugendliche ziehen nachts durch Stadt und legen Brände - Feuerwehr verhindert Schlimmeres
Spur des Schreckens: Jugendliche ziehen nachts durch Stadt und legen Brände - Feuerwehr verhindert Schlimmeres
Zwei mal landeten Autos in U-Bahn-Abgang: Jetzt reagiert die Stadt
Zwei mal landeten Autos in U-Bahn-Abgang: Jetzt reagiert die Stadt
Bombendrohung gegen Gericht in München: 40 Beamte im Einsatz - Polizei gibt später Entwarnung
Bombendrohung gegen Gericht in München: 40 Beamte im Einsatz - Polizei gibt später Entwarnung

Kommentare