Tierischer Gerichtsprozess

Sie bekommt Alimente für die Hunde

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Die Klägerin im Streit um den Unterhalt posiert mit ihren Hunden.

München - Ein skurriler Fall vor dem Oberlandesgericht: Eine Frau bekommt von ihrem Ex-Mann Unterhalt für die gemeinsamen Hunde. Darauf einigte sich das Ex-Paar in einem Vergleich.

Cora, Wotan und Lady ahnen nicht, dass zwei Gerichte sich ihretwegen den Kopf zerbrechen mussten. Ihr Frauchen hatte ihren früheren Partner auf Zahlung von Alimenten für die Mischlingshunde verklagt. Vor dem Oberlandesgericht erzielte sie Mittwoch einen Teilerfolg: 1500 Euro muss ihr Ex an Unterhaltskosten zahlen!

Rechtsanwältin Liubov Zelinskij-Zunik und der Maschinenbauer Markus P. hatten zwei Jahre lang Tisch und Bett geteilt. Die Tierfreunde schafften gemeinsam die Mischlinge Wotan und Cora an. Im April 2011 wurde Cora Mama: Cesar und Lady tollten nun ebenfalls durch die gemeinsame Wohnung. Wenige Monate später hatten sich Herrchen und Frauchen allerdings nicht mehr lieb – sie trennten sich. Die Fachanwältin für Medizinrecht zur tz: „Ich habe dann einen anderen Mann kennengelernt. Mein Ex hat ihn sogar verprügelt. Er wurde deshalb zu acht Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.“

Das Tischtuch war damit endgültig zerrissen. Liubov Zelinskij-Zunik nahm die Hunde zu sich, Markus P. durfte sie nicht mehr sehen. „Ich kann die Tiere mit in meine Kanzlei nehmen, wo sie brav unterm Tisch liegen“, sagt sie. Ihr Ex habe seiner Arbeit wegen dagegen den ganzen Tag keine Zeit für die Hunde.

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Den kleinen Cesar hat sie inzwischen Bekannten gegeben, die anderen drei sorgen für Leben in ihrer Kanzlei. Doch die Hunde brauchen Futter, auch die Tierarztkosten schlagen zu Buche. Fast 7000 Euro forderte sie von Markus P. an Kostenbeteiligung, doch der wollte nicht zahlen. Grund: „Ich darf die Hunde nicht einmal Gassi führen.“ Vor dem Landgericht blitzte die Anwältin mit ihrer Klage ab. Die Begründung damals: Eine mündliche Vereinbarung zwischen Klägerin und dem Beklagten sei nicht nachzuweisen.

Der 13. Zivilsenat beim OLG sieht das jetzt anders. Dieses Urteil sei „durchaus diskussionswürdig“, so der Vorsitzende Wolfgang Wagner. Im Prinzip stehe der Klägerin Geld zu. Sein Vorschlag: Markus P. soll 1000 Euro zahlen. „Diese Geschichte gehört vergleichsweise erledigt“, betont der Richter.

„Ich bin zu einem Vergleich bereit“, so die Klägerin, die jedoch 2000 Euro fordert. „Auf gar keinen Fall“, blockiert ihr Ex, der sich zunächst gegen jeden Vergleich sperrt. „Ist das wirklich Ihr Ernst?“, fragt Richter Wagner und setzt nach: „Für Sie besteht ein hohes Kostenrisiko!“ Nach einer Bedenkpause stimmt Markus P. einem Kompromiss zu: Er zahlt 15 Monate lang je 100 Euro und kommt für ein Drittel der Prozesskosten auf. Ob er die Tiere ausführen darf, muss er mit seiner Ex-Partnerin selbst regeln.

Eberhard Unfried

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