160-Jahre-Feier des bayerischen Kulturguts im Donisl

Skurriler Weißwurst-Streit: Münchner laden Waidler aus

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Die Niederbayern wollten zusammen mit ihren Münchner Metzger-Kollegen und der Hacker-Pschorr-Brauerei eine Feier im Donisl veranstalten.

München - Am 22. Februar feiert die Weißwurst einer Legende nach ihren 160. Geburtstag. Eine niederbayerische Metzger-Innung wollte zu diesem Anlass mit ihren Münchner Kollegen im Donisl eine Feier auf die Beine stellen. Doch die Städter waren wenig begeistert.

Es ist ein Streit, der die bayerische Seele zutiefst aufrüttelt. Die bayerischste aller Würste, gehört sie den Münchnern alleine - oder darf etwa auch der Niederbayer bei der Weißwurst ein Wörtchen mitreden? Der überhebliche Städter gegen den hinterwäldlerischen Sturkopf: Mitten in München tobt sie - die heilige Schlacht um die Wurscht!

Der Auslöser: Der 160. Geburtstag der Weißwurst am 22. Februar. Zu dem Jubiläum hatte die niederbayerische Metzger-Innung „Arber Land“ angeregt, im Traditionslokal „Donisl“ zusammen mit der Münchner Metzgerinnung und der Donisl-Brauerei Hacker-Pschorr eine Veranstaltung rund ums „Kulturgut Weißwurst“ zu veranstalten.

Die Niederbayern, sehr engagiert in Sachen Weißwurst, hätten ihre Bayerische Weißwurstkönigin geschickt und wollten den 22. Februar zusammen mit den Münchnern zum „Tag der Weißwurst“ ausrufen. Ein Fest im Donisl sollte es werden, weil dort vor 60 Jahren schon der Weißwurst-Kongress zum 100. Geburtstag der bayerischen Nationalwurst abgehalten wurde. 

Die Idee der Niederbayern: eine Wiederbelebung des Kongresses zum 160. Geburtstag. Doch vom Donisl sei ihnen mitgeteilt worden, „dass eine Durchmischung der Regionen“ beim Thema Weißwurst nicht erwünscht sei, sagt Obermeister Stefan Einsle (38). 

Ganz nach dem Motto „Wir Münchner machen, was wir wollen - und brauchen euch Waidler nicht.“ Ein alter Zwist, bezweifelt doch so mancher Münchner, dass Niederbayern auf der richtigen Seite des „Weißwurstäquators“ liegt. 

Am jetzigen Weißwurst-Verdruss mit den Niederbayern wollen weder der Donisl-Wirt noch die Brauerei oder die Metzger-Innung schuld sein. Es sei viel gesprochen worden, Genaues wisse man nicht mehr. Er habe jedoch nicht gesagt, dass er die Niederbayern nicht dabeihaben wolle, sagt Donisl-Wirt Karlheinz Reindl (52). 

Von einer „Reihe von Missverständnissen“ spricht  eine Hacker-Pschorr-Sprecherin. Worte des Bedauerns auch von Andreas Gaßner (49), Obermeister der Münchner Metzger-Innung: „Wo der Pfennig geschlagen wird, ist er nichts wert.“ Denn eine Feier zu 160 Jahren Weißwurst wird es in München heute  gar nicht geben. Nun soll an einem runden Tisch über einen Frühjahrs-Termin nachgedacht werden - mit den Niederbayern. 

Der Weißwurst-Äquator

Eine höchst heikle Frage: Wo verläuft er eigentlich, der sagenumwobene Weißwurst-Äquator? Für so manchen Münchner ist schon nach einem Radius von 100 Kilometern rund um die Stadt Schluss mit lustig. Viele Bayern ziehen die Linie entlang der Donau, liberale Geister gehen bis zum Main. 

Bei der Donaulinie bereits nicht mehr dabei wären viele Orte Niederbayerns. Zum Beispiel die Stadt Zwiesel, die ein eigenes Weißwurstäquator-Denkmal geschaffen hat. Das steht seit dem Jahr 2013 auf dem 49. Breitengrad - dem „wahren Weißwurstäquator“, wie die Stadt sagt. 

Die Geschichte der Weißwurst

Viele Gäste sprechen ihn auch heute noch auf den Geburtsort der Weißwurst an, sagt Wirt Karl-Heinz Wildmoser junior. Derzeit wird das Hugendubel-Haus, in dem sich sein „Café am Marienplatz zum ewigen Licht“ befindet, umgebaut. Ungefähr an der Stelle seines Cafés befand sich einst das Lokal „Zum ewigen Licht“.

Hier soll am 22. Februar 1857 der Wirt Sepp Moser die Weißwurst erfunden haben. Die Geschichte: Der Moser Sepp wollte seinen Gästen eigentlich Kalbsbratwürstl anbieten. Doch er hatte keine Schafsdärme mehr zum Einfüllen des Bräts - und benutzte Schweinsdärme, die größer im Durchmesser sind. Deswegen traute er sich nicht, die Würste zu braten, sondern brühte sie. Die Geburt der Weißwurst!

Eine schöne Geschichte - doch ob die Münchner wirklich die Weißwurst-Erfinder sind, ist strittig. Schon im 14. Jahrhundert gab es in Frankreich ein Rezept für eine Boudin Blanc - eine Kalbsfleisch-Wurst. Laut Stadtarchiv könnte die Weißwurst außerdem die Weiterentwicklung der Maibock-Wurst sein - zu ihr gibt es schon einen Stich von 1814.

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