Skurriles Schild auf dem Viktualienmarkt

"Zwei Minuten Kühlhaus für drei Euro!" Das steckt dahinter

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Schwammerlverkäuferin Renate Zollner zeigt das Schild mit dem skurrilen Angebot.

München - Trüffelöl, Essig-Frucht-Gelee oder frische Schnecken - auf dem Viktualienmarkt wird für so manch skurrile Delikatesse geworben, die Passanten zum Staunen bringt. Nun aber hat sich unter die kulinarischen Angebote ein ganz besonderes Schmankerl gemischt.

"Zwei Minuten Kühlhaus drei Euro, fünf Minuten fünf Euro und für 15 Euro gibt's die Zehnerkarte." Ein Werbeschild mit diesem skurrilen Angebot prangt an einem Schwammerl- und Beerenstand auf dem Viktualienmarkt. "Das Kühlhaus gibt's wirklich", sagt Renate Zollner, die den Stand führt.

Aber dürfen hier wirklich Kunden rein? Zollner schüttelt lächelnd den Kopf. "Das geht leider nicht", sagt die Oberpfälzerin. "Ich will keine fremden Leute in meinem Keller." Schließlich ist der Stand ein paar Meter entfernt, die Mitarbeiter müssten sich um die Kundschaft kümmern und könnten nicht mal eben im Eiskeller verschwinden. Trotzdem hat das witzige Angebot eine Wirkung: "Bei den Temperaturen ist doch jeder ein bisschen gereizt und viele laufen mit grimmiger Miene über den Markt", sagt Zollner. "Wenn die Leute dann das Schild sehen, bleiben sie stehen und schmunzeln. Das freut mich." 

Über Facebook kam die 52-Jährige auf die witzige Aufschrift für das Schild: "Ich habe das dort gesehen und dachte, das ist auch etwas für meinen Stand", sagt die 52-Jährige. Dass sie neben Schwammerln und Beeren nun auch einen Aufenthalt im Kühlhaus anbietet, findet sie nicht merkwürdig. "Die Idee für die Aufschrift kam von einer Person aus Norddeutschland und weil in München die Temperaturen genauso hoch sind, dachte ich mir, das könnte ich auch anbieten", erklärt Zollner. 

Die Kundschaft zeigt sich interessiert

Tagsüber ist das Kühlhaus leer, verschwitzte Passanten hätten darin genug Platz.

Der Eiskeller befindet sich nicht direkt am Stand, der neben dem Liesl-Karlstadt-Brunnen aufgebaut ist. Der Weg zum Kühlhaus führt ein paar Meter die Straße entlang, vorbei an einem Fischgeschäft, wo Zollner noch schnell eine Ladung frischer Pfifferlinge abliefert. Dann öffnet sie die schwere Tür eines unscheinbaren Hauses. Schon im Gang hinab in die "Katakomben", wie Zollner sie nennt, ist es deutlich kühler als oben auf dem Markt. Unten sieht es aus wie im Keller eines Mehrfamilienhauses aus den Fünfziger Jahren. Viele Marktstand-Betreiber lagern hier ihre Ware. Im hintersten Eck befindet sich das Kühlhaus von Renate Zollner. Überraschend: Es ist komplett leer. 

"Tagsüber ist hier nie was drinnen", erklärt die 52-Jährige. "Wir lagern hier nur über Nacht die Ware." Tatsächlich würden circa sieben Personen in den Eiskeller passen, dessen Temperatur etwa der eines Kühlschranks gleicht. Das Ganze ist aber auch hygienischen Gründen nicht erlaubt, schließlich lagern hier normalerweise Schwammerl und Waldbeeren.

Natürlich erkundigen sich auch einige Kunden nach dem skurrilen Angebot. "Zwei ältere Damen haben neulich gefragt, ob sie das Angebot in Anspruch nehmen dürften", erzählt Zollner. Und ein Stammkunde meinte, er nehme gleich zwei Zehnerkarten. Bei den derzeitigen Temperaturen wäre das Angebot sicher eine Konkurrenz für Eisdielen und Freibäder. Wer trotzdem nicht auf den Gang ins Kühlhaus verzichten möchte, kann sich daheim ja für fünf Minuten in seinen Kühlschrank setzen. Das hat sicher dieselbe Wirkung.

sb

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