Alten- und Service-Zentren

So baut die Stadt die Hilfe für Senioren aus

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Alle 32 Alten- und Service-Zentren (ASZ) sollen bald präventive Hausbesuche anbieten – 2,7 Millionen Euro Mehrausgaben geplant. 

München - Fast jeder fünfte Münchner ist 65 Jahre oder älter: 270 000 Menschen im Rentenalter leben hier – 17,3 Prozent der Bevölkerung. Bis zum Jahr 2035 dürfte ihre Zahl auf 330 700 steigen, wie die Stadt prognostiziert. Altwerden und Altsein in dieser Stadt kann viele Probleme mit sich bringen: wenn die Rente nicht reicht oder man einsam ist, wenn ein Aufzug fehlt oder man das Schreiben vom Amt nicht versteht. Um den Menschen noch besser zu helfen, will die Stadt nun ihre Alten- und Service-Zentren (ASZ) ausbauen.

Seit 1979 gibt es das ASZ-Konzept, das laut Bürgermeisterin Christine Strobl (SPD) „bundesweit einmalig“ ist. 32 Einrichtungen, getragen von den Wohlfahrtsverbänden, verteilen sich über die Stadtteile. Senioren, aber auch Jüngere erhalten Beratung, treffen sich zum Kaffee, es gibt Vortragsabende, Gymnastikgruppen, Ausflüge oder eine Wartung für den Rollator, oft auch einen Mittagstisch – die ASZ richten sich jeweils nach den Bedürfnissen vor Ort. Vergangenes Jahr kamen rund 86 000 regelmäßige Besucher. Doch noch immer, stellte die Stadt fest, scheuen sich viele Senioren hinzugehen.

Darum wurden seit 2015 bisher 13 Einrichtungen zu „ASZplus“ erweitert. Dort gibt es zusätzlich eine aufsuchende Beratung: Sozialpädagogen besuchen die Senioren zu Hause, sprechen mit ihnen über ihr Leben, geben ihnen Informationen, stellen fest, ob sie Hilfe benötigen, und vermitteln diese. Dazu braucht es natürlich das Einverständnis der Besuchten. Etwa die Hälfte der Hausbesuche werde von den Senioren selbst angefordert, die Hälfte von Angehörigen oder Bekannten initiiert, berichtet Bernd Zieglmeier, der das ASZ Fürstenried leitet. Das Ziel: Senioren präventiv so zu stärken, dass sie möglichst lange selbstständig in ihrer Wohnung leben können.

Birgit Schmidt-Deckert vom ASZ Maxvorstadt.

Weil das Modell offenbar gut ankommt, will die Stadt nun auch die übrigen 19 Einrichtungen zu ASZplus ausbauen – so kündigten es Bürgermeisterin Christine Strobl und Sozialreferentin Dorothee Schiwy (beide SPD) gestern an. Der Stadtrat soll kommende Woche darüber beraten. Bisher verfügt jedes ASZ über 2,5 Stellen, künftig sollen es vier sein, plus Hauswirtschafter und Verwaltung. Von neun Millionen will die Stadt die Förderung auf elf Millionen Euro jährlich aufstocken – eine freiwillige Leistung. Gesucht werden nun insgesamt 27 Sozialpädagogen.

Die Angebote der ASZ sind unterschiedlich – so wie die Klientel. In Fürstenried lebten überdurchschnittlich viele Hochbetagte, sagt Zieglmeier. Viele hätten früher gut verdient und legten nun Wert auf ihren politischen Stammtisch im ASZ. Maxvorstadt dagegen sei die Hochburg der Alleinstehenden, berichtet ASZ-Leiterin Birgit Schmidt-Deckert: Mehr als zwei von drei Rentnern lebten hier allein, stadtweit sind es 54 Prozent. Viele litten unter Vereinsamung, gingen ungern aus dem Haus. Oft reiche die Rente – Durchschnitt: Frauen 750, Männer 1000 Euro monatlich – nicht für die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Viele lebten in zu großen Wohnungen – doch ein Umzug sei zu teuer, sagt Schiwy. Manche benötigten auch nur Hilfe, um eine Glühbirne auszutauschen: „Die Lebenslagen sind völlig heterogen“, sagt Zieglmeier.

Bernd Zieglmeier vom ASZ Fürstenried. 

Bei den Hausbesuchen wurden im vergangenen Jahr 1500 Beratungsgespräche geführt. Durch den Ausbau hoffe man nun, mehr als 1000 weitere Menschen zu erreichen, so Zieglmeier. „Wir möchten, dass sie wissen: Wenn ich mal in Not bin, kann ich da anrufen, dann kommt jemand“, sagt Schmidt-Deckert. Oft gehe es auch nur um das Gefühl, dass mal jemand zuhöre und wertschätze, was man geleistet habe. Darum, neue Sicherheit zu bekommen. Und wieder Vertrauen zu fassen. Viele Leute sagten auch, „das klappt schon alles“, dabei bräuchten sie dringend Unterstützung.

Rund 700 000 Euro jährlich sollen in weitere Angebote fließen: mehr Begleitdienste und ein leichterer Zugang zu Hauswirtschaftshilfen, mehr Schulungen für Ehrenamtliche und die Vernetzung der ASZ mit anderen Einrichtungen. Zudem sollen die Pflege-Beratungsstellen weiterentwickelt und „Post-Paten“ eingesetzt werden, die Senioren beim Schriftverkehr helfen. Auch die Bezirkssozialarbeit in den Sozialbürgerhäusern soll neu aufgestellt werden, um die Älteren spezifischer unterstützen zu können.

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