Gefangene Rumänin (18) kein Einzelfall

So brutal ist das Geschäft mit Zwangsprostituierten

München - Das brutale Geschäft mit der Zwangsprostitution ist auch in München ein brisantes Thema. Die tz sprach mit Bernhard Feiner, dem Leiter des Kommissariat für Menschenhandel, Prostitution und Zuhälterei.

Eine Chinesin, die 17 Monate in einem Haus eingesperrt war, eine 17-jährige Nigerianerin, die jahrelang als Sex-Sklavin gehalten wurde. Und jetzt ein junge Rumänin, die tagelang in einem Keller-Verlies eingesperrt war, weil sie sich weigerte, als Prostituierte zu arbeiten. Das brutale Geschäft mit der Zwangsprostitution ist auch in München ein brisantes Thema. Die tz sprach mit Bernhard Feiner, dem Leiter des Kommissariat für Menschenhandel, Prostitution und Zuhälterei.

Ist das Schicksal der jungen Rumänin ein Einzelfall?

Bernhard Feiner: Leider nicht. Derzeit laufen etwa 20 Ermittlungsverfahren wegen Menschenhandels. Allerdings ist die Dunkelziffer bei der Zwangsprostitution extrem hoch. Diese Frauen arbeiten in Privatwohnungen oder auf der Straße. Im Schnitt arbeiten in München schätzungsweise 2800 Frauen als Prostituierte, die breite Masse hat sich vorher bei uns im Kommissariat angemeldet. Aber hier gibt es Mädchen, die nicht freiwillig als Prostituierte arbeiten.

Woher kommen die Zwangsprostituierten?

Feiner: An der Spitze steht derzeit Rumänien, gefolgt von Bulgarien und Ungarn. Aber auch aus Afrika werden Frauen hierher gebracht. Die Menschenhändler versprechen ihnen hier in München ein besseres Leben, beispielsweise als Au-Pair-Mädchen. Die Frauen, die in ihren wirtschaftlich armen Ländern ohne Perspektive sind, fassen schließlich Vertrauen und kommen hierher.

Und dann?

Feiner: Wartet keine Au-Pair-Stelle auf sie, sondern die Zwangsprostitution. Diese Frauen werden massiv unter Druck gesetzt. Die Täter drohen ihnen, dass beispielsweise der Tochter in der Heimat der Arm abgetrennt wird, wenn sie nicht tun, was sie wollen. Oft wird ihnen auch der Pass abgenommen und ihnen gesagt, sie seien illegal hier und ohne Rechte.

Wer sind die Täter?

Feiner: Es sind meist Landsleute mit organisierten Strukturen, die zu den Frauen erst ein Vertrauenverhältnis aufbauen und dann ihre totale Hilflosigkeit ausnutzen.

tz

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