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So extrem änderte sich das Klima

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Niedrig-Wasser in der Isar - wie hier im Sommer 2006: Solche Bilder werden sich in Zukunft häufen
Niedrig-Wasser in der Isar - wie hier im Sommer 2006: Solche Bilder werden sich in Zukunft häufen © Kurzendörfer

Alle reden vom Klimawandel. Dass es überall trockener und wärmer wird. Aber ganz so einfach ist es nicht.

Ein neuer Klimatrend-Atlas zeigt, dass die Erderwärmung das Wetter in Europa in den vergangenen 100 Jahren ganz unterschiedlich beeinflusst hat. Eines aber hat sich überall geändert: Das Wetter ist immer extremer geworden, Bayern ist davon besonders betroffen.

Aus Temperaturmessungen an 126 Wetterstationen und Niederschlagsmessungen an 521 Stationen hat der Frankfurter Meteorologe Christian-Dietrich Schönwiese seine Berechnungen erstellt. Besonders überraschend ist die Bilanz der Niederschläge: In der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts trennte eine klare Linie von den Pyrenäen über die Alpen bis nach Moskau den Kontinent. Südlich davon sei es trockener geworden, nördlich dafür feuchter. „Die Erderwärmung führt zu einer Verschiebung der Klimazonen polaufwärts“, sagt der Professor. „Die subtropische Wüsten-Zone hat sich genau bis zu dieser Linie nach oben geschoben.“ Das heißt: Im Mittelmeerraum regnete es 40 Prozent weniger als früher. Folge: Dürren, Waldbrände und weniger Regenwasser für die Landwirtschaft und Industrie. Nördlich der Linie steigt dagegen die Überschwemmungsgefahr, es regnet zum Beispiel in Skandinavien 40 Prozent mehr. Schönwiese: „Dieser Trend wird sich fortsetzen und verstärken.“

Selbst innerhalb Deutschlands stehen manche mehr im Regen als andere. Allen voran der Südwesten, dann folgt gleich Bayern. „Deutschland lag in der Vergangenheit immer häufiger unter dem Einfluss von Atlantik-Luftströmungen mit feuchter, warmer Meeresluft. Und die regnet sich an den Bergen im Süden ab“, sagt Schönwiese. Die milde Luft ist auch der Grund, warum es zwar immer nasser wird, aber kaum Schnee fällt. „Eine Schneedecke in München kam immer seltener vor.“

Abgesehen vom äußersten Nordwesten und Südosten, ist die Temperatur in Europa in den vergangenen 100 Jahren insgesamt um bis zu zwei Grad gestiegen. Mit dramatischen Folgen, so Schönwiese: „Schon heute wird mehr Energie für die Kühlung als für die Wärmeerzeugung benötigt, und der Trend wird sich fortsetzen.“

Gerade wir Bayern mussten schwitzen, weil die ausgleichende Nord- und Ostsee so weit weg sind. Selbstverständlich, so Schönwiese, werde es auch in Zukunft immer wieder Ausreißer geben, etwa solch nasse, kühle Sommer wie 2007. „Aber extrem heiße Sommer und milde, nasse Winter werden hier immer häufiger auftreten.“

Dieser Trend ist nicht nur anstrengend für den menschlichen Körper, er ist auch teuer: Der Klimawandel kostet einer Studie des Instituts für Wirtschaftsforschung zufolge in den kommenden 50 Jahren bis zu 800 Milliarden Euro. „Ökonomische Schäden werden in allen Bundesländern zunehmen“, sagt Schönwiese. Dazu gehörten Überflutungsschäden, Wasserknappheit und zunehmende Waldbrandgefahr. In extremen Hitzeperioden werde aufgrund des Niedrigwassers in einigen Flüssen nicht genug Wasser vorhanden sein, um Kraftwerke ausreichend mit Kühlwasser zu versorgen.

Bei einem Symposium zu Klimawandel und Gesundheit forderte kürzlich der Bayreuther Forscher Carl Beierkuhnlein: „Wir brauchen Kaltluftschneisen in den Städten!“ Ist das nicht übertrieben? „Nein“, sagt Prof. Schönwiese und gibt seinem Kollegen Recht. „Der Klimawandel wird durch die Städte verstärkt. Um auch in Zukunft genug kalte Luft in die Innenstädte zu bekommen, kann es auch sein, dass man Hochhäuser abreißen muss.“

Quelle: tz

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