Kriminalbeamter Josef Wilfling entlockte dem Serientäter Geständnis und wird jetzt zum Film-Star

So fing ich den Frauenmörder David

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Horst David tötete sieben Frauen.

München - Mordfälle hat er schon viele aufgeklärt, etwa das Verbrechen an Modezar Rudolph Moshammer.

Sein größter Erfolg aber war für den Chef der Münchner Mordkommission, Josef Wilfling, die Aufklärung der sieben Frauenmorde des Horst David. Fast 20 Jahre lang hatte David es geschafft, die Ermittler an der Nase herumzuführen. Drei seiner scheußlichen Taten waren sogar nicht einmal als Tötungsdelikt erkannt worden. Wilfling gelang es, diesem mit allen Wassern gewaschenen Serientäter ein Geständnis nach dem anderen zu entlocken. In der Doku-Sendung „Der Mann, dem die Frauen vertrauten“ spielt der Kriminaloberrat seine Rolle als Ermittler nach. Die tz sprach mit ihm.

Serienmörder Horst David - seine Opfer, seine Briefe, sein Film

Serienmörder Horst David - seine Opfer, seine Briefe, sein Film © dpa
Sein Gesicht wirkt unauffällig: Horst David , der Mann, dem die Frauen vertrauten, wurde 1995 zu lebenslanger Haft verurteilt. Aus Briefen, die er im Gefängnis schrieb, entstand unter anderem das Dokudrama "Der Mann, dem die Frauen vertrauten". © dpa
Barbara Ernst (59, l.), getötet am 10. April 1981 und Maria Bergmann (67), ermordet am 27. Oktober 1992. © dpa
Kunigunde Thoss (84) starb am 10. Januar 1992. © dpa
Die Fotos zeigen vier Opfer (im Uhrzeigersinn): die Prostituierte Waltraud Frank (24), ermordet am 22. August 1975, Fatima Grossart (23), getötet am 24. August 1975, Mathilde Steindl (85), ermordet am 7. September 1993, Marta Lorenz (67), getötet am 26. Oktober 1983. © dpa
Ulrich Tukur als Horst David beim Morden: Szenenausschnitt aus der NDR-Produktion über den Würger von Regensburg . © NDR/diwa-film GmbH München
Schlüpft für das Dokudrama in die Rolle Frauen-Killers: David Tukur © dpa

Herr Wilfling, Sie haben schon viele Verdächtige vernommen, die später wegen eines Kapitalverbrechens verurteilt wurden. Fällt Horst David aus dem Rahmen?

Ja, Horst David war zweifellos etwas Besonderes. Wir sind nach Regensburg gefahren, um ihn als Zeugen zu vernehmen. Wir hatten seinen Fingerabdruck in der Wohnung der ermordeten Prostituierten Traudl Frank gefunden. Er stand schon einmal unter Mordverdacht, da klingelten bei uns die Alarmglocken.

Wie verhielt er sich bei der Vernehmung?

Wir sind schon gewarnt worden, dass er lügen wird. Und so kam es auch. Er war sehr höflich, behauptete aber felsenfest, nicht in München und schon gar nicht bei einer Prostituierten gewesen zu sein. Damit hat er sich den Rückweg abgeschnitten. Wir haben ihn dann mit dem Fingerabdruck konfrontiert. Da sagte er plötzlich: Okay, ich habe gelogen!

Sprudelte es dann gleich aus ihm heraus?

Wir konfrontierten ihn mit dem Mord an der Prostituierten Fatima Grossart, die zwei Tage nach Traudl Frank ebenfalls durch Gewalt gegen den Hals getötet worden war. Er leugnete zunächst. Wir sagten ihm, es sei schon ein unglaublicher Zufall, dass ein Mann zu zwei Prostituierten geht, die dann ermordet aufgefunden werden. Da hat er gemerkt: Das Spiel ist aus. Er hat dann plötzlich drei Mordgeständnisse abgelegt, für mich kam das wie aus heiterem Himmel. Das ist für einen Ermittler wie Weihnachten.

Wie kam es zu dem plötzlichen Sinneswandel?

Er stand nicht unter Druck. Die lockere Atmosphäre war der Grund dafür, dass er sich geöffnet hat. Er gestand dann einen Mord nach dem anderen. Bis zu Nummer sieben. Dann hatte er einen Anwalt, seither schwieg er.

Hat er möglicherweise weitere Verbrechen begangen?

Ich bin überzeugt, dass es noch mehr Morde waren. Bei den Prostituiertenmorden in München war er schon in Übung, das zeigt seine Kaltblütigkeit. Er ist nach dem ersten Mord seelenruhig tanzen gegangen, dann beging er den nächsten. Das waren nicht die Taten eines Anfängers.

David hat auch drei Morde gestanden, die nicht als solche erkannt worden waren. Gibt es Mängel?

Ja, der Gerichtsmediziner Professor Wolfgang Eisenmenger vertritt die Meinung, dass jeder zweite Mord unentdeckt bleibt. Es wird Zeit, dass etwas geändert wird in Sachen Leichenschau. Aber die Toten haben keine Lobby.

War Horst David auf Sie böse, dass Sie ihm die Geständnisse entlockt haben?

Nein, er hat sich bedankt für die faire Behandlung durch die Mordkommission. Ich habe ihn keine Verachtung spüren lassen, das hat er sehr geschätzt.

Der Mord an der Prostituierten Fatima Grossart war 1975 ihrem Ehemann zur Last gelegt worden. Er saß 14 Monate unschuldig in U-Haft, ehe er freigesprochen wurde. Wird das im Film thematisiert?

Ja. Hintergrund war ein Zuhälterkrieg, der nach den Olympischen Spielen in München tobte. Vor diesem Hintergrund geriet der Ehemann des Opfers in Verdacht. Gott sei Dank ist er nicht verurteilt worden.

Warum haben Sie sich entschlossen, in dem Film über Horst David mitzuspielen?

Nicht, weil ich mich profilieren möchte. Horst David hat seine Autobiografie geschrieben. Darin hat er die Dinge nicht so dargestellt, wie sie wirklich sind. Das kann man nicht einfach so stehen lassen. Deshalb habe ich mich entschlossen, ein paar klärende Worte zu sagen.

Sie spielen in dem Doku-Film mit Ulrich Tukur zusammen, der den Mörder Horst David darstellt. Was ist er für ein Mensch?

Er ist ein grandioser Schauspieler, der mich sehr beeindruckt hat. Die Zusammenarbeit war wunderbar!

Er brach bei den Dreharbeiten in Tränen aus, was Sie anfangs irritiert haben soll …

Oh ja, da habe ich zum ersten Mal gesehen, was echte Schauspielkunst ist. Ich habe gesehen, wie Ulrich Tukur zehnmal dieselbe Mordszene spielen musste. Er ist von Mal zu Mal sicherer geworden. Ich selbst will kein Schauspieler sein, das wäre mir zu anstrengend.

Welche Botschaft sehen Sie in dem Film?

Jeder noch frei herumlaufende Mörder soll wissen, dass er sich nie sicher sein kann, doch erwischt zu werden.

Interview: Eberhard Unfried

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Zum Film: Ulrich Tukur als Killer

Der Grund, einen Doku-Film über den Serienmörder Horst David zu drehen, war nicht die Vielzahl seiner Verbrechen, betonen die Filmemacher Danuta Harrich-Zandberg und ihr Mann Walter Harrich. Vielmehr war es das so harmlos erscheinende Gesicht dieses scheinbaren Biedermanns, dessen Nachbarn in Regensburg es bis heute kaum glauben können, dass dieser freundliche, hilfsbereite Herr David ein eiskalter Killer ist. In dem Film schlüpft Ulrich Tukur („Das Leben der Anderen“) in die Rolle dieses Scheusals. Tukur, der schon häufig Schwerverbrecher darstellte, sieht David auch verblüffend ähnlich. Die Rolle des Mordermittlers spielt kein anderer als Josef Wilfling selbst, der Chef der Münchner Mordkommission. Der Film „Der Mann, dem die Frauen vertrauten – Der Serienmörder Horst David“ wird kommenden Freitag um 21.45 Uhr im Ersten ausgestrahlt.

Quelle: tz

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