Bundesliga-Legende stirbt mit 69 Jahren

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U-Bahn-Schläger: Ja-Wort in Stadelheim

So funktioniert Serkans Knast-Hochzeit

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Der türkische Gewalttäter Serkan A.

Jung gefreit hat nie gereut: Ob der U-Bahnschläger Serkan A. (21) diese schöne Lebensweisheit kannte, bevor er und seine Verlobte Natascha W. sich jetzt wie geplant dazu entschlossen, den Bund fürs Leben zu schließen?

Sicher ist jedenfalls, dass der Türke, derzeit Häftling in Stadelheim, sich durch die Eheschließung mit der gleichaltrigen Deutschen eine bessere Ausgangsposition im juristischen Kampf gegen einen Abschiebungsbescheid verspricht. Das bestätigt sein Anwalt Florian Wurtinger: „Eine deutsche Kernfamilie, und dazu gehört ja auch das gemeinsame Kind, zu dem Serkan A. Kontakt hat, bietet einen massiveren Schutz.“

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Serkan A.: Er will im Gefängnis heiraten

Eine Märchenhochzeit wird es für Natascha, Mutter der neun Monate alten Samira, nicht werden. Die standesamtliche Trauung findet im Knast statt, in einem karg möblierten, fensterlosen Besucherraum. „Für die Frau ist das doch eine Zumutung“, findet Jochen Menzel, stellvertretender Leiter der Justizvollzugsanstalt. Trotzdem wird zu Hochzeitszwecken prinzipiell keine „Ausführung“ gestattet.

Menzel schätzt, dass es bei derzeit 1200 Häftlingen jährlich sechs bis zehn solcher Zeremonien gibt: „Etwa zwei Drittel der Männer sind Ausländer.“ Dass der Grund solcher Verbindungen nicht immer die reine Liebe ist, können sich die Justizbeamten denken und sind „nicht sehr glücklich“ über Hochzeiten hinter Gittern. Andererseits, so Menzel, „wollen und können wir Eheschließungen auch nicht verhindern.“

Also wird beim KVR ein Standesbeamter bestellt, die Brautleute dürfen auch zwei Trauzeugen benennen. Wie steht’s mit weiteren Besuchern – denn der Aufsichtsbeamte wird ja wohl nicht dazu zählen? Menzel: „Hinsichtlich der Gäste sind wir sparsam _ die ganz große Feier wird das nicht.“ Nach den Ja-Worten dürfen die Frischvermählten noch eine halbe Stunde im Besucherzimmer verweilen. Sekt zum Anstoßen gibt’s aber auf keinen Fall. „Kaffee und Kuchen“ könnte sich Menzel vorstellen. Und die Gefängnisleitung würde auch für Blumenschmuck sorgen: „Wir haben ja eine große Gärtnerei, und ein bisschen würdig wollen wir das Ganze schon gestalten.“

Die Hochzeitsreise muss nach derzeitigem Stand um zwölf Jahre verschoben werden; So lange muss A. nach dem Gerichtsurteil wegen versuchten Mordes einsitzen. Sein Anwalt hat Revision eingelegt. So lange das Urteil nicht rechtskräftig und Serkan nicht verheiratet ist, befasst sich das KVR nicht mit dem Thema Ausweisung.

bw

"Ich verstehe die Freundin nicht": Serkans Opfer über dessen Hochzeitspläne

Herr N., wie es aussieht, wird ihr Peiniger Serkan A. bald im Knast heiraten. Seine Verlobte bekommt eine Sonderbesuchserlaubnis. Gönnen Sie ihm das?

Bruno N.:Ich habe keine Rachegedanken – deswegen habe ich auch nichts dagegen. Wenn sein Urteil vom BGH bestätigt wird – und davon gehe ich aus – steht ihm ein schweres Schicksal bevor. Auch wenn er und Spiridon das Ganze noch nicht ernst nehmen, wie ihr Stinkefingerzeig nach der Urteilsverkündung gezeigt hat: Sie werden noch spüren, was sie angestellt haben.

Die Ehe könnte Serkan A. Halt im Knast geben.

Bruno N.:Bei zwölf Jahren Haft hilft es ihm nicht viel, wenn ihn seine Frau ab und zu besuchen darf. Und dass es für sie ein Vergnügen wird, wage ich zu bezweifeln. Auf Dauer wird sie damit nicht zufrieden sein. Ich verstehe nicht, warum sie das macht.

Serkans Anwalt gibt zu, dass die Heirat auch dazu dienen soll, die drohende Abschiebung abzuwenden …

Bruno N.:Ich bleibe bei meiner Meinung: Es wäre für beide Täter besser, wenn sie nach der Entlassung wieder in ihre Heimat zurückkehren, weil sie dort leichter wieder Fuß fassen. Bei Spiridon alleine deshalb, weil er unsere Sprache ja noch immer nicht spricht.

Sie hatten sich gefreut, nach dem Prozess wieder ein normales Leben führen zu können. Wie ist Ihnen das gelungen?

Bruno N.:Sehr schwer: Der Schwindel plagt mich immer noch, aber eine Ärztin sagte mir, das könne auf Dauer bleiben. Also arrangiere ich mich. Ein wenig besser ist es geworden: Mittlerweile kann ich 50 Buchseiten am Stück lesen, bis der Kopf nicht mehr mitmacht. Die Hoffnung, dass mich die Bilder vom Überfall nicht mehr verfolgen, habe ich aufgegeben. Vor kurzem habe ich sie im österreichischen Fernsehen wieder gesehen.

Interview: Nina Bautz

Quelle: tz

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