So kämpft München gegen die Wohnungsnot

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Gestern und heute: So lesen Sie die Karte! München boomt – und mit der Stadt die ganze Region: Das veranschaulicht die Karte deutlich. Schwarz eingezeichnet ist die Bebauung im Jahr 1950. Die roten Flächen sind allein in den folgenden fünf Jahrzehnten dazugekommen. Die Siedlungsfläche hat sich vervielfacht! Freie Flächen sind nur innerhalb der Stadt ­extrem rar – hier gelb eingefärbt. Außerhalb ist noch mehr Luft. KARTE VERGRÖSSERN

München - In den kommenden 20 Jahren sollen in München fast 150.000 Einwohner hinzukommen. Wo sollen die alle wohnen? Es gibt gleich mehrere Maßnahmen.

Die Stadt des nicht enden wollenden Wohlstands und Wachstums stößt an ihre Grenzen. Lebten im Jahr 1950 noch 830 000 Menschen in München, sind es heute mit 1,4 Millionen schon fast doppelt so viele. In den kommenden 20 Jahren sollen noch einmal fast 150 000 Menschen dazukommen. Wo sollen die denn alle wohnen?

Das ist eine Frage des Platzes, aber vor allem des Preises – und damit die Überlebensfrage des Münchners, wie wir ihn kennen. Wenn immer mehr Mieter um dieselbe Wohnung konkurrieren, kann der Vermieter immer mehr verlangen. Und wenn in Zukunft immer mehr Zugereiste um den Wohnsitz in der Stadt wettbieten, steigen die Preise, bis die Alteingesessenen sich München nicht mehr leisten können. Das ist keine Frage von Luxussanierungen à la Schwabinger 7 – sondern schlicht die Frage nach genügend Apartments. „Wir kämpfen um jeden Quadratmeter Wohnen“, sagt die Sprecherin des Planungsreferats der Stadt, Katja Strohhäker. Am Mittwoch legt Stadtbaurätin Elisabeth Merk dem Stadtrat den Bericht über die Region vor: „Verdichtung und Wiedernutzung von Brachflächen müssen stärker auf die Tagesordnung“, heißt es darin. Vielleicht trauert man deshalb im Rathaus der Kult-Kneipe kaum nach, sondern freut sich klammheimlich über die geplanten 35 neuen Wohnungen.

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Es wird noch mehr brauchen: In den kommenden Jahren muss die Stadt 94 000 Wohnungen schaffen, rechnete Merk 2009 dem Stadtrat vor. Doch schon ab dem Jahr 2015 drohe ein Engpass bei den Siedlungsflächen – besonders für Sozialwohnungen, warnte die Stadtbaurätin. Der soziale Frieden und die Wirtschaftskraft seien in Gefahr. München steht auf dem Spiel.

Darum hat die Stadt das größte kommunale Wohnprogramm der Republik angeschoben. OB Christian Ude (SPD) verweist gern auf die 625 Millionen Euro, die man in den letzten fünf Jahren investierte. Aber: 7000 neue Wohnungen wollte die Stadt pro Jahr erreichen – nur 4000 bis 5000 sind es im Schnitt geworden, auch weil Investoren fehlten. Ab Herbst verhandelt der Stadtrat über eine Neuauflage: Ude hat trotz knapper Kasse mehr Geld in Aussicht gestellt. Schon jetzt will das Planungsreferat alles tun: Bebauungspläne gingen als Express-Verfahren durch. Die städtischen Wohnungsgesellschaften würden gefördert und zunehmend Gewerbegebiete überprüft, ob man nicht vielleicht doch ein paar Quadratmeter Wohnraum unterbringen kann. Darüber hinaus laufen weitere Programme:

Verdichtung: Stadt und Opposition haben sich schon dafür ausgesprochen, München enger zu bebauen. In Siedlungen aus den 60er- und 70er-Jahren könne man oft zwei, drei Stockwerke aufsatteln, auch bei Wohnhochhäusern gibt Stadtbaurätin Merk kein Denkverbot mehr: „Wir müssen Tabus brechen.“

Zweckentfremdung: Noch vor dem Neubau will man bestehende Wohnungen erhalten und vor Abriss oder Nutzung als Büro, also der Zweckentfremdung, bewahren. In den letzten fünf Jahren hat das Wohnungsamt immerhin 1012 Wohnung gerettet – und damit Investitionen von 100 Millionen Euro gespart.

Neubaugebiete: Zumindest die letzten freien Gebiete sollen zügig bebaut werden. Das größte Projekt bleibt Freiham für bis zu 20 000 Münchner. Baubeginn soll 2014 sein. Noch davor sollen 4200 Wohnungen auf Funk-, Prinz-Eugen- und Luitpold-Kaserne entstehen.

Planung mit Umlandgemeinden: Städteplanung ist der Kern der Kommunalpolitik, wachsam verteidigen die Gemeinden ihre Eigenständigkeit – bis hin zur Kleinstaaterei. Mit dem Planungsverband will man das in der Region München überwinden. „Wir führen viele Gespräche mit Bürgermeistern“, sagt Sprecherin Strohhäker. Denn das Umland hat noch mehr Luft als die Stadt.

David Costanzo

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