Große Studie

Ü 75 in München: So leben unsere Senioren

+
Die Rentner Michael (69) und Christine Niedermeier (67) treffen sich regelmäßig mit ehemaligen Kollegen im Augustiner-Biergarten.

München - Eine Studie der Stadt hat das Leben der Generation 75+ in München unter die Lupe genommen. Die tz verrät die Lieblingsviertel der Senioren, wie viele sie sind, wie sie wohnen und wie alt sie im Schnitt werden.

Sie gehen aus, sie sind rüstig und fit und sie ziehen sogar noch um: So jung sind Münchens Alte! Das Statistische Amt der Stadt hat einer Studie die Münchner im Alter von über 75 Jahren unter die Lupe genommen. Die tz bringt die wichtigsten Ergebnisse: So leben unsere Senioren!

  • Ihre Anzahl: Stark steigend! Vor zehn Jahren waren noch rund 89.500 Münchner über 75, jetzt sind es schon 116.500. Diese Tendenz wird sich in den nächsten Jahren noch verstärken: Das Planungsreferat erwartet bis 2030 mehr als 140.000 Betagte. Aber das sind im Vergleich mit anderen Städten wenige: Bei uns sind 7,7 Prozent der Bevölkerung über 75, in Berlin und Köln mehr als 8 Prozent, in Hamburg fast 9 Prozent und bundesweit sogar fast 10 Prozent. Altes München, junges München!
  • Die Nationalität: 90 Prozent sind Deutsche. Die übrigen 10.000 stammen aus 107 Staaten. Mehr als die Hälfte der ausländischen Senioren stammt aus den fünf Ländern Türkei, Griechenland, Kroatien, Österreich und Italien.
  • Das Geschlecht, die Familien: Alter ist weiblich – auf zwei Männer kommen drei Frauen. Denn die Lebenserwartung der Damen liegt bei 84 Jahren, die Herren dürfen nur auf 79,6 Jahre hoffen. Darum ist auch jede zweite deutsche Seniorin verwitwet, rund 30 Prozent sind verheiratet, die übrigen ledig oder geschieden. Unter den Männern sind dagegen 70 Prozent verheiratet und 16 Prozent verwitwet.
  • Der Haushalt: Rüstig, rüstig – sage und schreibe 95 Prozent aller Senioren leben noch daheim! Die Frauen meist allein, die Männer mit der Gattin. Und sie sind verwurzelt: Die meisten leben zwischen 40 und 60 Jahren in der Stadt. 5216 Hochbetagte leben sogar schon seit – obacht – mehr als 80 Jahren in München! Die ausländischen Mitbürger kommen auf kürzere Wohndauern, da viele erst als Gastarbeiter kamen und an der Isar eine Heimat fanden.
  • Ihre Armut, ihre Viertel: Altersarmut ist in der Statistik spürbar – jeder 20. Senior bekommt Stütze und viele über 75-Jährige leben nicht gerade in den reichsten Vierteln. 4700 Senioren wohnen in Neuperlach, 3999 in Hasenbergl-Lerchenau, 3223 in Obergiesing, 3129 in Mitter­sendling, 3031 im Viertel St. Ulrich in Laim und 2954 in Aubing-Süd. Der Rest verteilt sich. Ausnahme: Die wurlige Altstadt und Innenstadt gehören eindeutig nicht zu den bevorzugten Gegenden.
  • Die Umzüge: Einen alten Baum verpflanzt man nicht – das gilt in München nur bedingt. Denn die Senioren sind durchaus beweglich: 5300 von ihnen zogen allein im vergangenen Jahr um. Auch raus aus der Stadt: Rund 1400 Frauen zogen weg und 800 Männer, aber insgesamt nur 1000 zogen zu.
  • Zum Schluss: Die häufigsten Namen des Jahrgangs 1939 sind Helga, Maria, Erika und Helmut, Johann, Peter. Fast jeder zweite Senior – 40.000 – hat ein Auto.

David Costanzo

Dahoam in München

Wir sind im Augustiner-Biergarten an der Arnulfstraße – hier treffen wir die Rentner Michael (69) und Christine Niedermeier (67). Er war Systembetreuer, sie ist ehemalige Bankangestellte. "München ist für uns einfach Heimat", sagen die beiden, die zusammen mit ehemaligen Arbeitskollegen das schöne Wetter genießen. Die Niedermeiers sind beide gebürtige Münchner, haben immer in der Stadt gelebt. "Anderswo hätte ich Heimweh", sagt Christine, die in Neuhausen aufgewachsen ist. Seit 37 Jahren wohnt das Rentnerpärchen schon in Trudering, im Osten der Stadt. In ihrem eigenen Häuschen fühlen sie sich pudelwohl. Gern sitzen sie gemeinsam im Garten und genießen die Sonne. Allerdings unternehmen die Münchner auch viel: "In Trudering gibt es immer was zu feiern." Und nicht nur in Trudering, sondern eigentlich in der ganzen Stadt: wie eben zum Beispiel am Donnerstag, beim Stammtisch mit den alten Arbeitskollegen und einem kühlen Bier. Überhaupt sind die beiden Rentner noch sehr aktiv. Christine Niedermeier engagiert sich zum Beispiel auch ehrenamtlich. München: Diese Stadt hat einfach ein ganz besonderes Lebensgefühl, da sind sich die Eheleute und ihre Freunde einig. "Es ist nirgendwo sonst auf der Welt so gemütlich wie bei uns." Ein Leben in einer anderen Stadt können sie sich deshalb nicht vorstellen. Und: München sei seniorenfreundlich – man kommt auch als älterer Mensch gut zurecht.

Nico Horn

auch interessant

Meistgelesen

Stadt vs. Region: Wo sich das Landleben noch lohnt
Stadt vs. Region: Wo sich das Landleben noch lohnt
Zuhälter-Schorsch: Muss er jetzt für immer hinter Gitter?
Zuhälter-Schorsch: Muss er jetzt für immer hinter Gitter?
So soll der Express zum Flughafen doch vor 2037 gelingen
So soll der Express zum Flughafen doch vor 2037 gelingen

Kommentare