"Ich hatte Todesangst"

So verjagte Oma Magdalena (88) den falschen Strom-Mann

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Mit letzter Kraft stemmte sich Magdalena C. gegen die Tür und verscheuchte damit den falschen Stromableser.

München - Selten hatte Magdalena C. (88) so große Angst wie am vergangenen Freitag, als ein unbekannter Mann gewaltsam in ihre Wohnung in Haar eindringen wollte. Ein fieser Trickdieb! Hier erzählt sie ihre unglaubliche Geschichte:

Ich weiß nicht, woher ich die Kraft genommen habe“, sagt Magdalena C. und starrt ungläubig auf ihre Wohnungstür. 88 Jahre ist die Rentnerin inzwischen, sie hat in ihrem Leben viele Schicksalsschläge wegstecken müssen. Aber selten hatte sie so große Angst wie am vergangenen Freitag, als ein unbekannter Mann gewaltsam in ihre Wohnung in Haar eindringen wollte. Ein fieser Trickdieb! Doch Magdalena C. verjagt ihn – und erzählt jetzt in der tz ihre unglaubliche Geschichte:

"Ich hatte Todesangst"

Die gebürtige Rumänin kehrt gegen 14 Uhr nach einem Friseurbesuch in ihre Wohnung zurück. Am Eingang bemerkt sie einen Mann, der die Klingelschilder studiert. Als die Rentnerin dann die Türe aufschließt, geht er einfach hinter ihr her. Angeblich, weil er im Haus einen Stromzähler ablesen muss. „Das war schon komisch. Bei mir hat sich jedenfalls keiner angemeldet. Da wird normalerweise vorher angerufen“, erinnert sich die zierliche Frau. Nichtsahnend macht sich Magdalena C. also auf den Weg in ihre Wohnung im dritten Stock.

Kaum hat sie den Schlüssel umgedreht, steht der Mann plötzlich hinter ihr. „Es ging alles so schnell. Er hat mich in die Wohnung gedrückt.“ Den Unbekannten in ihre vier Wände lassen? Das kam für die 88-Jährige nicht in Frage. „Mit all meiner Kraft habe ich die Türe zugedrückt und um Hilfe geschrien. Aber gehört hat mich niemand. Ich hatte Todesangst!“ Erst als Magdalena C. mit der Polizei droht, gibt der Trickbetrüger auf und macht sich aus dem Staub.

Erst als die Gefahr vorüber ist, begreift die Rentnerin, welch großes Glück sie hatte. „Er hatte eine Tüte dabei. Wer weiß, vielleicht hätte er mich geknebelt oder sogar umgebracht?“, spekuliert die Rentnerin. „Ich frage mich, was ich noch alles mitmachen muss.“ Die Witwe hat bereits einiges einstecken müssen in ihrem Leben. Von 1945 bis 1948 musste sie in einem russischen Arbeitslager schuften. Ihren Mann, ihre Geschwister, ja sogar ihre Tochter hat sie schon verloren. „Ich habe niemanden“, sagt sie.

Polizei sucht nach dem Täter

Noch immer sitzt der Schock über den Vorfall tief. „Ich habe keinem etwas Schlechtes getan. Täglich bete ich zu Gott, damit er mich beschützt. Am Freitag hatte ich mehrere Schutzengel.“

Magdalena C. hat Anzeige erstattet. Die Polizei nimmt unter der Telefonnummer 089/29 10 0 Hinweise auf den Täter entgegen. Der Mann ist etwa 1,75 Meter groß, zirka 50 Jahre alt, von kräftiger Gestalt und trägt kurzes, blondes Haar. Die Kripo warnt besonders ältere Menschen davor, vermeintliche Heizungsmonteure und Stromableser in ihre Wohnungen zu lassen.

Johannes Heininger

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