So verlängern Sie Ihr Leben

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Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen werden empfohlen

München - Die neuesten Zahlen zu den Todesursachen in der Landeshauptstadt sind da. Dass jeder Mensch auch selbst dazu beitragen kann, ein paar Jahre länger zu leben, zeigen die Tipps von vier Münchner Experten.

Wenn die Schatten länger werden, die Dunkelheit den Tag vertreibt und die Nacht noch schwärzer scheint, dann wird es November.

In diesem Monat wenden sich die Menschen seit Jahrhunderten den finsteren Seiten zu – die Natur stirbt, früher bedeckte bereits Schnee die Felder, die Sommerzeit geht zu Ende. Wenn am Sonntag die Uhren von 3 auf 2 Uhr zurückgedreht werden, bricht die Nacht noch früher ein.

An Allerheiligen am Sonntag gedenken die Katholiken der Heiligen, an Allerseelen am Dienstag erinnern sie sich ihrer verstorbenen Lieben. Viele Familien besuchen den Friedhof und stellen Grablichter auf. Am 14. November steht der weltliche Volkstrauertag in den Kalendern. Und die evangelischen Christen feiern am 21. den Totensonntag. Das Kirchenjahr neigt sich schon im November dem Ende – dem Sterbemonat.

Rund 11 000 Münchner schlossen im vergangenen Jahr für immer die Augen. Die Zahl der Toten steigt seit drei Jahren wieder leicht, das kann mit der alternden Bevölkerung zusammenhängen. Dabei sterben die Münchner im November gar nicht besonders häufig. Die Statistik des vergangenen Jahres führt der Februar mit 1193 Todesfällen an – ungewöhnlich für den kürzesten aller Monate. Allerdings war es seinerzeit bitterkalt mit viel Schnee, das macht die Menschen kränker. Genau wie die Hitze: Im Juli verschieden 1128 Münchner. Der November lag mit 915 Todesfällen dagegen genau im Jahresmittel. Das häufigste Todesalter bei Frauen lag bei 89 Jahren, bei den Männern betrug es 82 Jahre. Als Todesursachen dominieren seit Jahren die Herz-Kreislauf-Erkrankungen, vor allem Durchblutungsstörungen der Gefäße und Infarkte. Das trifft besonders Menschen ab einem Alter von 75 Jahren, die häufigste Ursache in allen jüngeren Altersgruppen sind Neubildungen, wie Krebs und Tumore medizinisch heißen. Das zeigt die tz-Auswertung der Daten des Statistischen Landesamts.

Doch der Tod ist nach dem Verständnis vieler Religionen nicht das Ende. So wie darauf im katholischen Glauben die Auferstehung und das ewige Leben folgen, so schließen sich an den November Advent und Weihnachten an – die Zeit des Lichts aus der schwärzesten Nacht.

David Costanzo

Vom Leben und Sterben in München

Die häufigsten Todesursachen für Männer und Frauen sowie in den Altersgruppen

Todesursache Gesamt Geschlecht Alter Anteil an allen Fällen
Männer Frauen 0-1 1-15 15-30 30-45 45-60 60-75 75-85 Über 85
Krankheiten des Kreislaufsystems 4071 1702 2369 2 1 6 17 167 703 1153 2022 39%
- Hypertonie (Bluthochdruck) 382 107 275 - - - - 4 34 74 270
- Ischämische Herzkrankheiten (z. B. Infarkt) 1468 774 694 - - - 5 78 294 442 649
- Zerebrovaskuläre Krankheiten (z. B. Schlaganfall) 676 269 407 - - 1 4 33 118 193 327
Neubildungen (Krebs) 2938 1484 1454 - 6 6 71 377 1163 825 490 28%
Darunter: Bösartige Neubildungen 2863 1455 1408 - 4 6 70 372 1145 800 466
- der Verdauungsorgane (z. B. Darmkrebs) 877 449 428 - - - 13 90 346 263 165
- der Atmungsorgane (z. B. Lungenkrebs) 557 358 199 - - 1 9 73 291 152 31
- der Haut (z. B. Hautkrebs) 63 38 25 - - 1 - 12 23 16 11
- der Brustdrüse (Brustkrebs) 266 3 263 - - - 13 62 90 55 46
- der Genital- und Harnorgane 461 247 214 - - - 8 40 159 152 102
- des lymphatischen oder blutbildenden Gewebes (z. B. Leukämie) 235 118 117 - - 1 8 18 75 82 51
Krankheiten des Atmungssystems 793 415 378 - 1 - 2 31 182 285 292 7%
- Pneumonie (Lungenentzündung) 265 134 131 - 1 - - 2 39 83 140
- Chronische Krankheiten der unteren Atemwege (z. B. Asthma) 392 207 185 - - - 1 25 114 156 96
Krankheiten des Verdauungssystems 582 290 292 - - - 16 83 169 150 164 6%
- Krankheiten der Leber (z. B. Zirrhose) 221 135 86 - - - 12 63 106 27 13
Psychische und Verhaltensstörungen 423 194 229 - - 8 40 35 64 73 203 4%
- Psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol 93 70 23 - - 1 8 25 49 9 1
Äußere Ursachen 418 244 174 1 1 47 47 80 99 67 76 4%
- Transportmittelunfälle 49 29 20 1 - 11 6 10 7 10 4
- Stürze 112 49 63 - 1 2 2 7 19 32 49
- Ertrinken und Untergehen 3 1 2 - - - 1 2 - - -
- Exposition gegenüber Rauch und Feuer (z. B. Rauchvergiftung) 1 1 - - - - 1 - - - -
- Unbeabsichtigte Vergiftungen (z. B. Medikamenten-Überdosierung) 7 2 5 - - - 3 1 2 1 -
- Vorsätzliche Selbstbeschädigung 205 139 66 - - 30 29 55 56 22 13
- Tätlicher Angriff 6 2 4 - - 3 1 - 2 - -
Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten 303 135 168 - - 1 6 24 72 97 103 3%
- Diabetes mellitus 253 115 138 - - 1 2 13 60 85 92
Krankheiten des Nervensystems (z. B. Meningitis) 302 159 143 - 4 4 15 25 63 99 92 3%
Krankheiten des Urogenitalsystems (z. B. der Niere) 264 107 157 - - 1 - 4 36 92 131 3%
Infektiöse und parasitäre Krankheiten 216 106 110 1 - 1 8 26 43 63 74 2%
- Tuberkulose 5 3 2 - - - - 1 3 - 1
- Virushepatitis 38 18 20 - - - 3 9 9 9 8
- HIV-Krankheit 16 12 4 - - 1 3 7 5 - -
Symptome, abnorme klinische und Laborbefunde 82 38 44 2 - 2 7 16 19 9 27 1%
- Plötzlicher Kindstod 2 1 1 2 - - - - - - -
Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems (z. B. Osteoporose) 49 15 34 - - - 1 2 11 15 20
Krankheiten des ungeborenen Kindes (z. B. Infektionen) 28 17 11 28 - - - - - - -
Krankheiten des Blutes u. d. blutbild. Organe (z. B. Anämien) 27 13 14 - - - - 2 4 5 16
Angeborene Fehlbildungen (z. B. Down-Syndrom) 26 10 16 13 4 3 2 4 - - -
Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett (z. B. Komplikationen) 1 - 1 - - 1 - - - - -
Krankheiten der Haut und der Unterhaut (z. B. Infektionen) 1 - 1 - - - - - - - 1
Gesamt 10524 4929 5595 47 17 80 232 876 2628 2933 3711 100%

Anmerkung: Die Darstellung orientiert sich an der Internationalen Klassifikation der Krankheiten mit Hauptkategorien und beispielhaften Untergruppen. Quelle: Landesamt für Statistik, tz-Berechnungen

Die besten Tipps für ein längeres Leben

Wenn einer durch einen Unfall ums Leben kommt, ist das besonders tragisch. Viel häufiger jedoch sterben die Münchner an Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder an Krebs. Die Ursachen sind meist hausgemacht. Wie lange wir leben, können wir auch selbst beeinflussen, wenn wir auf Körper und Psyche achten.

Eigentlich kennen wir das Rezept für ein gesundes Leben: nicht rauchen, wenig Alkohol, Sport, gesunde Ernährung. Wenn die Umsetzung doch nicht gar so schwer wäre … Gerade deshalb werden Ärzte nicht müde, Beweise zu präsentieren. Etwa diese: Neun weitere Jahre könne etwa ein 40-Jähriger gewinnen, der mit dem Rauchen aufhört, drei Jahre ein 60-Jähriger. Wer zwischen 35 und 40 Jahren keine überflüssigen Pfunde auf den Hüften hat, soll drei Jahre länger leben. Ebenfalls drei Jahre gewinnt der, der sich regelmäßig zum Spazierengehen aufrafft. Damit keiner sagen kann, er wisse ja nicht, was er genau tun könne: In der tz verraten Experten die wirksamsten Methoden, um länger zu leben.

Essen: Lebensmittel mit einer geringen Energiedichte, also viel Wasser, verhindern Übergewicht und verringern damit das Risiko für Diabetes, Herz-Kreislauferkrankungen und sogar Brustkrebs. Siegfried Schlett, Autor des Buches Die 100 wichtigsten Lebensmittel, kennt Lebensmittel, die gezielt vorbeugen: etwa den Hering mit seinen Omega-3-Fettsäuren (gut für Blutkreislauf, Hirn). Die schwefelhaltigen Verbindungen im Broccoli können Brustkrebs und Tumorentwicklung vorbeugen. Die Faserstoffe im Kohl wirken positiv auf den Darm. Granatapfel schützt als Antioxidant vor Prostatakrebs, Preiselbeeren wegen ihrer speziellen Zucker vor Infektionen im Nieren- und Darmbereich. Das Lypocin in Tomaten senkt den Blutdruck und schützt vor Prostatakrebs. Shiitake-Pilze stärken das Immunsystem, das Gewürz Kurkuma entlastet die Leber und hemmt Tumorzellen. Rote Beete-Saft ist gut für den Magen-Darmtrakt und fördert die Blutbildung.

Vorsorgeuntersuchungen: Wird eine Erkrankung früh genug erkannt, kann der Tod oft hinausgezögert werden. Bernd Dörflinger, Chefarzt der Diagnoseklinik München, empfiehlt deshalb den Basischeck, bei dem unter anderem Herz und Lunge abgehört, Reflexe abgeklopft, ein Ultraschall und ein Belastungs-EKG durchgeführt werden. Ebenfalls wichtig: die Darmspiegelung und das Ganzkörper-MRT, das besonders gut Tumore in Weichteilen und Organen darstellen kann, aber auch Kopf- oder Halsgefäße. Brustkrebs kann mit der MR-Mammographie oder der Röntgen-Mammographie erkannt werden.

Sport: Martin Halle, Chef der Poliklinik für Rehabilitative und Präventive Sportmedizin der TU, empfiehlt Ausdauersportarten. Halle: „Regelmäßige, längere, nicht zu intensive Ausdauerbelastungen regen den Stoffwechsel an, senken den Blutdruck sowie den Cholesterin- und Blutzuckerspiegel und stärken das Immunsystem.“ Radfahren, Nordic Walking, Schwimmen, Skilanglauf und Training auf dem Crosstrainer im Fitnessstudio – diese Sportarten können tatsächlich Diabetes, Herz-Kreislauferkrankungen und drei Krebsarten (Darm-, Brust- und Prostatakrebs) vorbeugen. „Gegen Leukämie, Knochentumore und andere Krebsarten kann Sport leider nicht direkt helfen“, so Halle. Dennoch ist jeglicher Sport lebensverlängernd; allein, weil er Übergewicht reduziert – und laut Studien sogar das Demenz-Risiko um 40 Prozent senken kann.

Psyche: Körperliche Erkrankungen haben weitaus öfter psychische Ursachen, als wir annehmen. Ein hoher Blutdruck etwa ist oft psychisch bedingt. Rainer Schors, Arzt für Psychosomatik, nennt die vier großen „S“ der Seelenpflege: Zum einen die Selbstbeobachtung, bei der Warnsignale ernst genommen werden: Ist meine Stimmung schlechter? Bin ich oft schlapp, habe ich Schlafprobleme, Appetitlosigkeit, ständig Kopfweh oder innere Unruhe? Zum zweiten die Selbstfürsorge: Das A und O sei, sich Zeit für sich selbst zu nehmen, um zu erkennen, was einem gut tut. Ruhepausen, Entspannungsübungen, Spaziergänge und Sonne tanken würden jeder Seele guttun. Drittens: Unterstützung. Was einen belastet, muss raus. Die Suche nach Hilfe bei einer psychologischen Beratungsstelle oder einem Therapeuten fällt schwer – lohnt sich aber.

nba

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