Studie überprüfte Orte in der Stadt

WLAN, Handys, Sendemasten: So verstrahlt ist München

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Christian Bornkessel von der TU Ilmenau misst Strahlen mitten in der Münchner Innenstadt.

München - Immer mehr technische Geräte wie Smartwatches, Handys oder Tablets senden Funkwellen aus. Eine aktuelle Studie hat nun ermittelt, wie verstrahlt unsere Stadt mittlerweile ist.

Handys, Smartwatches oder Tablets: Wir benutzen immer mehr Geräte, die strahlen. Dazu kommen Funkwellen von WLAN-Hotspots, Handymasten und Rundfunksendern. 

Viele Münchner sind besorgt: Wie verstrahlt ist unsere Stadt mittlerweile? Damit haben sich jetzt Wissenschaftler der TU Ilmenau im Auftrag des Informationszentrums Mobilfunk befasst. Ein Verein, hinter dem die deutschen Mobilfunknetzbetreiber stehen. 

Bis jetzt sei immer nur gemessen worden, welche Strahlung von Handymasten ausginge, sagt Dagmar Wiebusch vom Informationszentrum. Doch die Technik werde immer mobiler - deswegen befasst sich die Studie nun mit wichtigen Orten in der Stadt. 

Die ermittelte Studienleiter Christian Bornkessel zusammen mit dem Referat für Gesundheit und Umwelt. Eine Berufsschule ist genauso dabei wie die U-Bahn oder der Hauptbahnhof. 

Die gute Nachricht zuerst: An allen Orten lagen die gemessenen Strahlen deutlich unter den geltenden Grenzwerten. Was wo am meisten strahlt, ist sehr unterschiedlich: In einer Wohnung in der Bavariastraße war es zum Beispiel ein Schnurlos-Telefon, in einem Appartement am Olympiaturm der Rundfunksender. 

Spitzenreiter in Sachen Strahlung ist ein Café am Marienplatz. Dort stellten die Forscher mit 0,4580 Prozent vom Grenzwert den höchsten Wert fest. 

Der Übeltäter: Eine zehn Meter entfernte Mobilfunkantenne. Grundsätzlich gelte aber: Je besser die Ausstattung mit Handymasten, desto weniger strahle das eigene Smartphone. Und das sei die Haupt-Gefahrenquelle bei Strahlen, sagt Studienleiter Christian Bornkessel  (siehe unten). 

Bei einer normalen Nutzung des Smartphones müssten sich die Münchner aber keine Sorgen machen, sagt Matthias Otto von der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendmedizin. „Es besteht kein erhöhtes Risiko etwa für Hirntumore - das wird nur für Extrem-Telefonierer diskutiert.“ 

So verstrahlt ist München

Der Grenzwert liegt bei 100 Prozent. Die angegebenen Werte entsprechen dem Anteil, wie nahe die Strahlung an den Grenzwert geht. Wird eine eigene Handynutzung am Ohr am jeweiligen Messort dazugerechnet, muss der Wert um 8,50 Prozent erhöht werden.

Messort Belastung*
Wohnung
Bavariastraße EG (Ludwigsvorstadt) 0,0025
Fürstenbergstraße 3. OG (Nähe Olympiaturm) 0,0716
Connollystraße EG (Olympiadorf) 0,0005
Schule
Städtische Berufsschule für Informationstechnik an der Riesstraße 34, Klassenzimmer A (Normalzustand) 0,0034
Städtische Berufsschule für Informationstechnik Klassenzimmer A (Schüler wurden zu aktiver Handynutzung aufgefordert) 0,0132
Arbeitsplatz
Bürgerinfo am Marienplatz Großraumbüro 0,0015
Gasteig Einzelbüro 0,0013
Olympiadorf Lesesaal Universität 0,0024
Feuerwehrwache 6 Großraumbüro 0,0026
Verkehr
Bahnhofsplatz Hauptbahnhof München 0,0513
U-Bahn, Fahrt mit U3 0,0034
Bahnsteig Sendlinger Tor (Gleis 2) 0,0040
Gastronomie
Marienplatz Café Außenterrasse 0,4580
Leopoldstraße Mensa Innenraum 0,0105
Olympiadorf Außenterrasse 0,2397
Öffentliche Plätze
Marienplatz 0,0197
Viktualienmarkt 0,0012
Englischer Garten (Chinesischer Turm) 0,0019
Gasteig Bibliothek 0,0021

* Immission setzt sich zusammen aus Strahlung von Handys, Schnurlos-Telefonen, WLAN, Handymasten, Rundfunk

So schützen Sie sich

Von einer Gefahr für die Münchner durch Strahlen ist derzeit nicht auszugehen, sagt Christian Bornkessel von der TU Ilmenau. Die in der Studie ermittelten Werte seien sehr weit vom Grenzwert entfernt. „Nichtsdestotrotz gibt es Leute, die eine Strahlenbelastung für sich selbst minimieren wollen.“ 

Dafür sei es erst einmal wichtig, aufs eigene Smartphone zu achten. Denn das ist die Hauptquelle für Funkwellen. Wenn der gemessene Strahlen-Wert bei einer U-Bahnfahrt in München bei 0,0034 Prozent des Grenzwertes liegt, erhöht er sich mit dem Handy am Ohr um etwa 8,50 Prozentpunkte. 

Außerdem sei eine gute Versorgung durch Mobilfunkmasten positiv, sagt Bornkessel. Dann müsse sich das Handy etwa fürs Telefonieren weniger anstrengen und strahle weniger. 

Es sei außerdem sinnvoll, das Smartphone etwa durch ein Headset beim Telefonieren nicht direkt ans Ohr zu halten. „Jeder Millimeter Abstand vom Gerät reduziert die Strahlung, die in den Kopf geht.“

Wie hoch eben diese „SAR“-Strahlungs-Werte für die Smartphone-Modelle sind, können Käufer im Internet vergleichen. Schnurlos-Telefone gibt es mit einem Modus, der die Sendeleistung bei Nicht-Telefonieren runterregelt (ECO-DECT-Modus) Wer beim WLAN auf Nummer sicher gehen will, kann den Router über Nacht ausschalten. 

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