Neuer Vertrag: Viele fürchten Abzocke, doch sie können sparen!

So verwirren die Stadtwerke ihre Stromkunden

So funktioniert die Tabelle: Der Jahrespreis setzt sich aus mehreren Fixkosten und dem Verbrauch zusammen. Tarifwechsler sparen im Schnitt gut 30 Euro. Achtung: Wer bei „Allgemeinen Preisen“ derzeit per Bankeinzug zahlt, bekommt 6,08 Euro Gutschrift. Darum spart er beim Wechsel nur gut 24 Euro.

München - Bei der Verbraucherzentrale rufen vermehrt Bürger an. Verunsicherte Münchner melden sich bei der tz. Nachbarn diskutieren im Hausflur.

Sie alle haben Post von den Stadtwerken (SWM) bekommen – und verstehen den Brief nicht. Die SWM verwirren München. Dabei ist das Schreiben sogar bares Geld wert!

Aber der Reihe nach. Vergangene Woche hat der Energieversorger eine Erhöhung der Strompreise um 13 Prozent angekündigt – jetzt hat er zehntausende Stromkunden angeschrieben. Der Betreff ist nichtssagend: „Zeit, noch bewusster mit Energie umzugehen.“ Anbei ein Vertrag, Allgemeine Vertragsbedingungen und große Preistabellen. Was soll das?

„Aus dem Brief wird man nicht klug“, sagt etwa Sieglinde R. (70) der tz. Viele Nachbarn hätten die Post für Werbung gehalten und weggeworfen. „Ein Verwirrspiel“, findet auch Leser Theodor W. (67). Und Ursula J. (69) beschleicht gar das Gefühl: „Wenn einer das so groß aufzieht, dann steckt meistens doch Beschiss dahinter.“

Diesmal ist das Gegenteil der Fall! Die tz hat bei der SWM und der Verbraucherzentrale nachgefragt und erklärt den Brief: Den Vertrag haben alle Kunden erhalten, die im Stromtarif Allgemeine Preise stecken. Das ist der teure Basis-Satz, zu dem die SWM als Grundversorger vom Gesetzgeber verpflichtet sind.

Doch die SWM haben mittlerweile günstigere Tarife – etwa den M-Strom privat Kompakt. In den merkwürdigen Schreiben bieten sie den Kunden den Wechsel in diesen billigeren Tarif zum Jahresende an. Dann kostet die Kilowattstunde 1,2 Cent weniger. Die Durchschnittsfamilie spart im Jahr rund 30 Euro – immerhin gut fünf Prozent!

Einzige Vorraussetzung laut SWM: Bankeinzug – aber den nutzen viele Kunden jetzt auch schon. Bürger ohne Konto können eine Erklärung abgeben, am Kassenautomaten der SWM-Zentrale zu zahlen.

Und wo steckt der Haken? Den gibt es nicht. Die Kündigungsfrist ist genau so kurz wie im Basis-Tarif. Das hat sich die tz von der Verbraucherzentrale Bayern bestätigen lassen. „Nichts spricht gegen den Tarif“, sagt Juristin Daniela Czekalla.

Warum erklären die SWM das dann nicht so in ihren Briefen? Nur zwei Zeilen beziehen sich im Anschreiben darauf. Der Vertrag wirkt vor allem auf ältere Kunden abschreckend, die Preistabelle jongliert nicht nur mit zweierlei Fixkosten und Verbrauchsgebühren, sondern wechselt auch zwischen Monats- und Jahresangaben.

„Vielleicht wollen die SWM gar nicht, dass man in den günstigeren Tarif wechselt?“, munkelt tz-Leser Theodor W.

„Diese Vermutung ist falsch“, sagt SWM-Sprecher Christian Miehling. Man habe den Kunden Einsparmöglichkeiten aufzeigen wollen. Allein aufgrund des Briefes hätten bereits zehntausende Kunden den Tarif gewechselt. Übrigens: Wer seinen Zählerstand jetzt mitteilt, bekommt den neuen Preis ab sofort.

David Costanzo

Quelle: tz

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