Das planen „Münchens Erste Häuser“

So wollen Hirmer und Co. mehr Menschen in die Innenstadt locken

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Aktionen sollen mehr Menschen zum Einkaufsbummel in die City locken.

München - „Münchens Erste Häuser“, die traditionsreichen Unternehmen in der Innenstadt, wollen geschlossen gegen die Konkurrenz aus Online-Handel und Filialisten vorgehen. 

Sie nennen sich „Münchens Erste Häuser“ und stehen für traditionsreiche Unternehmen im Herzen der Stadt: Bettenrid, Hirmer, Kaut-Bullinger, Kustermann und das Sporthaus Schuster. Das Credo des Quintetts, das sich in dieser Form im September 2015 gegründet hatte: Gemeinsam sind wir stärker, um für die massiven Veränderungen im Einzelhandel gewappnet zu sein!

Mittlerweile sind 64 Prozent der Läden in der Münchner Innenstadt in der Hand von Filialisten. Die „Ersten Häuser“ hingegen sind seit mehreren Generationen inhabergeführt, beschäftigen zusammen etwa 1200 Mitarbeiter und haben pro Jahr gut sieben Millionen Kunden – also mehr Gäste als das Oktoberfest. Übersetzt bedeuten diese Zahlen auch, dass in den Traditionsläden ein Fachverkäufer pro 45 Quadratmeter Verkaufsfläche zur Verfügung steht. In den Ketten ist es ein Verkäufer pro 400 Quadratmeter – und meist ist das Personal nicht so gut ausgebildet respektive adäquat vergütet.

Mit den Alleinstellungsmerkmalen Service und Produktqualität sowie einer gemeinsamen Marketing-Strategie wollen die Traditionshäuser punkten – damit es sie auch in den nächsten Generationen noch gibt. Schließlich muss man nicht nur mit Filialisten konkurrieren, sondern sich auch dem Umstand stellen, dass immer mehr Menschen online einkaufen. Die Frequenz in den Einkaufsmeilen hat in den vergangenen Jahren abgenommen, das belegen Statistiken. Flori Schuster, Geschäftsführer des gleichnamigen Sporthauses, erklärte: „Zusammenrücken wird in diesen Zeiten des raschen Wandels immer wichtiger.“ Online-Shops haben zwar alle Münchner Traditionshäuser, aber Kern des Geschäfts ist immer noch das Einkaufserlebnis vor Ort. Und das soll auch so bleiben. „Unser Haus ist das Herz“, so Schuster. Cornelia Schambeck, Gesellschafterin bei Kaut-Bullinger, sagte: „Der Service beginnt schon beim Eintritt des Kunden in den Laden.“

Ein geschlossener Zirkel sind „Münchens Erste Häuser“ nicht. „Wir sind hier nicht die einzigen Leuchttürme in der Münchner Innenstadt – Gott sei Dank“, sagte Caspar-Friedrich Brauckmann, Geschäftsführer von Kustermann. Es könne durchaus sein, dass weitere Traditionsgeschäfte dazukämen. Gespräche würden geführt. „Wir überlegen uns aber genau, wen wir aufnehmen“, so Brauckmann.

Für Bürgermeister Josef Schmid ist der Zusammenschluss der „Ersten Häuser“ ein „richtiger Schritt“. Man müsse Aufmerksamkeit erregen. „Es sind Geschäfte, die für München stehen. Falls es sie nicht mehr geben würde, wäre das ein großer Verlust.“

„Kauf lokal“ und weitere Aktionen

Laut Cornelia Schambeck vom Büro- und Schreibwarenspezialisten Kaut-Bullinger haben die Traditionsgeschäfte bereits ein Azubi-College und ein Talenteprogramm aufgebaut. Die „Ersten Häuser“ wollen außerdem verstärkt Aktionen mit Münchner Start-Up-Unternehmen machen. Der Herrenausstatter Hirmer hat das unlängst getan und der Kampagne „Kauf lokal“ in seinem Hause eine Bühne geboten. „Wir hatten in diesem Monat 4000 Besucher mehr als üblich“, berichtete Geschäftsführer Frank Troch. Hirmer veranstaltet zudem gemeinsam mit Sport Schuster ein Stammkunden-Frühstück. Robert Waloßek, Geschäftsführer von Bettenrid, meinte, spannende Konzepte und Events jenseits des Einkaufserlebnisses seien die Zukunft.

Klaus Vick

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