Miese Betrugsmasche

So zocken und kassieren falsche Pfleger an der Haustür ab

So sieht eine echte Beratung aus: Ursula Kerschensteiner vom MDK spricht mit einem Pflegebedürftigen.

Die Kripo und der Medizinische Dienst warnen vor einer neuen miesen Betrugsmasche. Im Visier stehen bei dieser Methode kranke Senioren. So können Sie sich davor schützen.

Sie klingeln an der Haustür und geben sich als Polizisten, als Handwerker oder Stadtwerke-Mitarbeiter aus: Gewissenlose Betrüger lassen sich immer neue Tricks einfallen, um an das Geld hilfloser Senioren zu kommen. Nun wurde eine weitere miese Masche der Gangster bekannt: Sie geben vor, von einem Pflegedienst oder gar vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) zu sein – und kassieren bei Pflegebedürftigen ab!

Auf seiner Internetseite veröffentlichte der MDK vor wenigen Tagen eine große Warnung wegen des Trickbetrugs (siehe oben). Bayerns MDK-Chefin Ottilie Randzio stellt fest: „Wenn Pflegebedürftige betrogenwerden, geht das gar nicht. Wir werden alles tun, um dies zu verhindern.“ 

Bayerns MDK-Chefin Ottilie Randzio.

Die Masche läuft immer gleich ab, wie die Polizei erläutert: Die Betrüger stehen plötzlich bei kranken Senioren vor der Tür. Wenn das Opfer öffnet, behaupten sie vom Pflegedienst oder vom Medizinischen Dienst zu sein, um einen Hausbesuch vorzunehmen (schon im vergangenen Jahr gab es 30 Fälle im Freistaat, wo Betrüger vor der Haustür behaupteten vom MDK zu sein!). Zur Erklärung: Der Dienst begutachtet Pflegebedürftige, um unter anderem die Zuteilung des Pflegegrads vorzunehmen (siehe rechts). „Wundert sich der Betroffene dann, wird erklärt, dass es sich womöglich um einen Fehlbesuch handelt“, sagt Randzio. Aber: Für diesen müsse eine Bearbeitungsgebühr erhoben werden, so die Gauner. Dann wird Bargeld verlangt – teils mehrere Hundert Euro.

So warnte der Medizinische Dienst gestern vor den Betrügern.

Der MDK warnt nun vorsichtshalber alle Senioren: „Echte Hausbesuche“ werden immer vorher schriftlich angekündigt. Außerdem sind Begutachtungen und Besuche kostenfrei. „Und alle unsere Mitarbeiter besitzen einen Dienstausweis mit Foto“, so Randzio. „Diesen werden sie auch unaufgefordert vorzeigen.“ Wer einen Unbekannten vor der Tür stehen hat, der behauptet vom ambulanten Pflegedienst zu sein, sollte dies per Anruf dort überprüfen.

Aber woher wissen die Kriminellen, wo genau eine pflegebedürftige Person wohnt? Hier vermuten Insider seit Längerem, dass unseriöse ambulante Dienste vertrauliche Informationen weitergeben. „Anders ist dies ja nicht zu erklären“, schimpft der Münchner Pflege-Experte Claus Fussek. Die Gruppe der potenziellen Opfer ist groß: Alleine in München gibt es 25 000 Pflegebedürftige – über 70 Prozent davon werden zu Hause versorgt. In ganz Bayern sind es knapp 350 000 Menschen, die Leistungen aus der Pflegekasse bekommen. Die Polizei betont daher: Wer auffällige Personen vor seiner Tür stehen hat, solle sich sofort an die Polizei wenden.

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