Pressekonferenz zum Nachlesen

„Skeptischer“ Söder will Impfungen an kuriosen Orten durchführen lassen und hat überraschende Öffnungs-Pläne

„Ohne Impfen keine Freiheit“, stellte Markus Söder bei seinem Besuch im Münchner Impfzentrum klar. Was das konkret bedeuten könnte, hat der CSU-Chef am Dienstag erklärt.

  • „Impfen to go“: In Bayern soll ein neues Konzept etabliert werden. Kurios: Auch in Fast-Food-Restaurants werden dann Vakzine erhältlich sein (Update vom 13. Juli, 13.09 Uhr).
  • Bars und Diskotheken sollen „im Herbst“ für vollständig Geimpfte geöffnet werden (Update vom 13. Juli, 13.09 Uhr).
  • Alle Aussagen der Pressekonferenz können Sie in unserem News-Ticker noch einmal nachlesen.

Update vom 13. Juli, 13.41 Uhr: Inzwischen ist die Pressekonferenz beendet. Die wichtigsten Erkenntnisse fassen wir für Sie noch einmal zusammen.

Söder verrät neuen Corona-Plan für Bayern: Die wichtigsten Infos im Überblick

Menschen sollen sich in Bayern künftig ohne Vorab-Registrierung und Termin, landkreis- und bundeslandübergreifend und auch bei mobilen Impfteams gegen Corona impfen lassen können. Solche Impfteams sollen sich beispielsweise vor Geschäften, auf Märkten oder bei Sportveranstaltungen aufstellen. Impfzentren sollen ergänzend auch Drive-in-Schalter anbieten können. Ziel sei es, den Impfstoff vor allem mit Hilfe mobiler Teams zu den Menschen zu bringen, hieß es. Dabei helfen sollen nach dem Willen des Kabinetts Partner wie Hotel- und Gaststättenverband, Jugendring, Sport- und Wirtschaftsverbände, aber auch die Betreiber großer Einkaufszentren.

Ministerpräsident Söder erteilte einer völligen Abkehr von der Sieben-Tage-Inzidenz als Messlatte für Corona-Entscheidungen in der Politik eine Absage. Es müssten andere Faktoren einbezogen werden, die Zahl der Neuinfektionen aber ad acta zu legen, sei verfrüht.

Man sei trotz der abnehmenden Impfbereitschaft dagegen, dass der Staat eine Prämie zahle, sagte der CSU-Chef. Söder betonte aber, dass der „Weg den Frankreich bestreitet“ auch teilweise für Deutschland spannend sein könnte. „Testen kostet enorme Summen“, sagte Söder. Daher müsse auch darüber nachgedacht werden, ob die Corona-Tests kostenlos bleiben könnten, wenn alle Menschen ein Impfangebot bekommen hätten.

Update vom 13. Juli, 13.31 Uhr: Staatskanzleichef Florian Herrmann (CSU) erklärt nun, welche Regeln künftig für größere Sportveranstaltungen gelten. Dazu hatte der Bund heute bereits beraten. „Maximal 35 Prozent der Gesamtkapazität eines Stadions darf besetzt werden, maximal aber dürfen 20.000 Zuschauer anwesend sein. Es wird keine Stehplätze geben, ebenso wenig einen Alkoholverkauf“, sagt Herrmann. Auch die FFP2-Maskenpflicht (sie entfällt am Platz) bleibt. Bei Sport- und Kulturveranstaltungen wolle man weiterhin auf einen „Gleichlauf“ achten. Die „klassischen Volksfeste“ dürfen weiterhin nicht stattfinden.

Update vom 13. Juli, 13.25 Uhr: „Den Jugendlichen ist sehr viel weggebrochen“, sagt Sozialministerin Trautner in Bezug auf die Corona-Pandemie. Viele hätten sich dennoch ehrenamtlich engagiert, „aber sie wünschen sich mehr Beteiligung.“ Sie plant einen „Hackathon“, bei dem junge Menschen ihre Interessen einbringen können.

Update vom 13. Juli, 13.22 Uhr: Gesundheitsminister Holetschek spricht beim Thema Impfen von einer „Kraftanstrengung“. Man müsse jetzt sensibilisieren und auf die Angebote aufmerksam machen. Nimmt die Motivation nicht zu, „müssen wir tatsächlich überlegen, ob die Tests kostenlos bleiben können“. Der CSU-Politiker betont: „Noch ist die Zeit der Appelle.“

In den knapp 100 Impfzentren Bayerns lagern derzeit 239.000 Dosen des Impfstoffs Astrazeneca, die keine Abnehmer finden und vom Verfall bedroht sind. Die Haltbarkeit des Impfstoffs laufe Ende Juli ab, gibt Holetschek an. Er plädiert dafür, Gespräche mit anderen Ländern zu suchen, um den Impfstoff nicht verfallen lassen zu müssen. Auch Kommunen könnten gegebenenfalls ihre Kontakte ins Ausland nutzen.

Söders klare Corona-Forderung: „Jeder muss jetzt Eigenverantwortung zeigen“

Update vom 13. Juli, 13.19 Uhr: Söders Fazit für heute: „Die Lage ist stabil, aber wir müssen unsere Hausaufgaben machen. Jeder muss jetzt auch Eigenverantwortung zeigen; der Staat hat ein Angebot gemacht.“

Update vom 13. Juli, 13.09 Uhr: „Impfen ist der Weg zur Freiheit“, wiederholt Söder. Für viele Menschen, die sich gar nicht impfen lassen dürfen (etwa Schwangere) sei zudem der Schutzcharakter zu berücksichtigen, „es ist keine Privatsache“.

Corona-Lage in Bayern: Söder wegen Impfmüdigkeit „skeptisch“

Wie möchte man der grassierenden Impfmüdigkeit begegnen? Die Lage stimme ihn „skeptisch“, sagt der CSU-Chef. Anmeldungen lassen nach, Absagen nehmen zu. „Es wird nicht mehr so ernst genommen. Und Astrazeneca geht nicht mehr weg.“ In den Fokus sollen jetzt die 16- bis 30-Jährigen rücken, die Impfkampagnen daher angepasst werden, „es muss jünger werden“. Wie die Umsetzung? „Wir müssen es auf jeden Fall niederschwellig machen und müssen es vor Ort anbieten. Wir wollen keine Impfpflicht“, unterstreicht Söder. Auch Förderprämien soll es nicht geben. Man müsse aber hinterfragen, ob Corona-Tests dauerhaft kostenfrei bleiben.

Mehr Freiheiten für vollständig Geimpfte seien unausweichlich. Quarantäneregeln nach Urlaubsreisen müssten etwa wegfallen. Auch Bars, Clubs und Diskotheken sollen für Betreffende ab dem Herbst zugänglich gemacht werden.

„Impfen im Wirtshaus könnte es bald geben, es wird auch mit Fast-Food-Ketten geredet“

Was ist das Entscheidende bei „Impfen to go“? Ohne Anmeldung und Reservierung sollen Besuche ermöglicht werden, selbst in den Impfzentren. Kurios: „Impfen im Wirtshaus könnte es bald geben, es wird auch mit Fast-Food-Ketten geredet. Jugendzentren und Supermärkte sind ebenfalls Teil der Gespräche“, erklärt Söder. Drive-In-Impfungen stehen ebenfalls auf der Agenda. Dann nennt er noch Moscheen und Kirchen. Bei „Familiensonntagen“ in den Impfzentren können auch Kinder ab zwölf Jahren geimpft werden.

Update vom 13. Juli, 13.04 Uhr: Wie reagiert Bayern auf die Entwicklung? Söder: „Wir kommen beim Impfen lange nicht so voran, wie wir uns das vorgestellt haben.“ An einen Lockdown glaube er nicht mehr, sagt Bayerns Ministerpräsident, „das wird keine große Wirkung haben“. Die Inzidenz als Kennzahl möchte er nicht vorschnell aufgeben. Aufgabe des Bundes sei es nun, festzulegen, welche Parameter in welche Relation zu setzen seien; etwa die Zahlen auf den Krankenstationen.

Beim Thema Schule mahnt der CSU-Chef nochmal zu besonderer Vorsicht. „Man sitzt aneinander und hat ein anderes Sozialisierungsverhalten“, vergleicht er mit anderen Lebensbereichen. Zum Schulstart seien Luftreiniger von besonderer Wichtigkeit. „Wir haben die Vergabeverfahren beschleunigt“, sagt Söder.

Söder jetzt live zur Corona-Lage in Bayern

Update vom 13. Juli, 13.00 Uhr: Pünktlich geht‘s los, Söder übernimmt. „Bayern steht noch gut an, aber der Trend ist klar steigend. Wir brauchen langsam wieder eine Umkehr.“ Er referiert die aktuellen Inzidenzwerte für den Freistaat, „die Delta-Variante ist bereits dominierend“. Ihr Anteil nehme rasant zu, mahnt Söder. „Es wird eine deutliche Belastung geben“, warnt der CSU-Chef. Vorsicht bleibe weiter das Mantra. „Es ist falsch, blind zu öffnen. Je länger die Inzidenzen niedrig sind, so leichter ist es, zu impfen.“

Update vom 13. Juli, 12.15 Uhr: Was haben die Beratungen des Kabinetts ergeben? Markus Söder und seine Ministerkollegen werden sich in Kürze bei einem Live-Statement erklären. Wir begleiten die Pressekonferenz ab 13 Uhr im Ticker.

Corona-News - Söder stellt klar: „Ohne Impfen keine Freiheit“

Ursprungsmeldung:

München - Mit einfach zugänglichen Impfangeboten will Bayern das Corona-Impftempo erhöhen. Das Kabinett will bei seinen Beratungen am Dienstag (13. Juli) ein entsprechendes Konzept erstellen. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte bei seinem Besuch im Impfzentrum in München unter anderem von „Impfen to go“ und Impfungen an „ungewöhnlichen Orten“ gesprochen.

„Ich glaube, das Angebot muss noch näher an die Menschen kommen“, erklärte der CSU-Chef. Man müsse das Angebot so breit wie möglich aufstellen und wolle dazu Partner etwa aus der Wirtschaft, der Gastronomie und dem Sport gewinnen.

Zudem tätigte der 54-Jährige einen relativ unmissverständlichen Ausspruch. „Ohne Impfen keine Freiheit“, stellte Söder klar. Er kündigte an, dass für vollständig Geimpfte Quarantäneregeln nach Urlaubsreisen fallen könnten. Auch für Bars und Diskotheken deutete Bayerns Ministerpräsident erstmals eine Öffnungsperspektive zumindest an: „Je mehr junge Leute geimpft sind, und zwar zweifach, desto leichter können wir bestimmte Angebote wieder in Erwägung ziehen.“

Söder-Pressekonferenz heute live: Was hat es mit „Impfen to go“ auf sich?

Auch die aufwendigen Registrierungen vorab machten auf Dauer keinen Sinn, hatte Söder bei seinem Besuch im Impfzentrum argumentiert. Wer geimpft werden wolle, solle hingehen können und die Impfung bekommen. Söder hatte schon vor einiger Zeit auch schon von Impfungen vor Supermärkten gesprochen.

Die Ergebnisse der Kabinettssitzung wird Söder auf einer Pressekonferenz mit Gesundheitsminister Klaus Holetschek und Sozialministerin Carolina Trautner (ebenfalls CSU) präsentieren. Wir berichten ab 13 Uhr im Live-Ticker. (lks/dpa)

Rubriklistenbild: © Frank Hoermann/SVEN SIMON via www.imago-images.de

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