Firma prellt Kunden um 1,9 Millionen

Solarbetrug: Jetzt ist der Saft abgedreht

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Angeklagt: Firmenchef Gerd W.

München - Sie wollten etwas für die Umwelt tun und mit sauberem Solarstrom auch Geld verdienen. Die Skylight AG lieferte die versprochenen Solarmodule nicht und kassierte stattdessen viel Geld.

35 Hausbesitzer in München und Umgebung haben dafür viel Geld bezahlt, zusammen 1,9 Millionen Euro. Doch keiner von ihnen hatte je ein Solarmodul aufs Dach bekommen. Denn die Skylight AG kassierte nur und lieferte nicht. Jetzt müssen sich die Chefs Gerd W. (67) und Christian G. (39) wegen Betrugs in 35 Fällen vor dem Münchner Landgericht verantworten.

Eines der Opfer ist die Bäuerin Sonja A. aus Tandern (Kreis Dachau). Für das riesige Dach ihres Hofes hatte sie bei der Skylight AG eine Photovoltaik-Anlage bestellt und dafür 120 000 Euro bezahlt. Sie musste dafür einen Kredit aufnehmen. Der tz sagte sie 2009: „Wenn ich das Darlehen nicht tilgen kann, wird es zur Zwangsversteigerung unseres Hofes kommen.“

Kein Einzelfall. Ein Ehepaar hatte sogar über 400 000 Euro bezahlt. Laut Anklage waren die Firmenchefs nicht mehr in der Lage, die Solaranlagen zu liefern. Schon 2007 war die Skylight AG zahlungsunfähig, doch erst im April 2009 stellte Gerd W. einen Insolvenzantrag. Zu holen war bei der Firma nichts mehr, das Verfahren wurde mangels Masse abgewiesen. Wo das Geld der 35 betrogenen Kunden geblieben ist, blieb auch am Montag beim Prozessauftakt im Dunkeln.

Christian G., der vor der endgültigen Pleite ausgestiegen war, hat schon vor dem Prozess ein Geständnis abgelegt. Er wird wahrscheinlich mit einer Bewährungsstrafe davonkommen. Der vorbestrafte Gerd W., der die Kunden mit immer neuen faulen Ausreden hinhielt, muss wohl in den Knast.

Betrugs-Opfer Sonja A. konnte das Schlimmste zum Glück verhindern. Nachdem die tz über ihren Fall berichtet hatte, half ihr eine andere Firma aus der Patsche: „Die Firma Reisinger in Egenhofen hat uns die Anlage zum Selbstkostenpreis montiert. So sind wir mit einem blauen Auge davongekommen.“

Eberhard Unfried

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