Party-Nacht in Kaserne

Vergewaltigungsprozess: Soldat aus Mangel an Beweisen freigesprochen

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Verlässt den Gerichtssaal als freier Mann: Carlos B.

Ein Soldat hat nach einer Party-Nacht in der Kaserne eine stark alkoholisierte Kameradin verführt. Dennoch wird er freigesprochen. Weil es offene Fragen gibt.

München - Es wirkte wie ein Sex-Skandal, aber endete mit einem Freispruch. Das Landgericht hat Carlos B. (30) im Prozess um einen sexuellen Missbrauch für nicht schuldig befunden. Der Soldat war angeklagt gewesen, weil er im Verdacht stand, eine Kameradin in der Ernst-von-Bergmann-Kaserne missbraucht zu haben, als sie widerstandsunfähig war. Bei einer Party, die am 15. September 2016 auf dem Kasernengelände stattgefunden hatte, trank die Soldatin diverse Biere und einen halben Liter Jägermeister.

Infolge des hohen Alkoholkonsums war sie besinnungslos geworden. Kameraden hatten sie auf ihre Stube gebracht und in ihr Bett gelegt. Carlos B. hatte sich dazugelegt und laut Anklage zweimal mit ihr geschlafen. Einen Fall hatte er zugegeben, aber betont, dass der Sex einvernehmlich gewesen sei. Julia K. (23, Name geändert) habe „aktiv mitgemacht“, ihn gestreichelt und geküsst. Sie selbst hatte das bestritten und sagte, sie könne sich an nichts erinnern. Nach dem Sex war sie gegen zwei Uhr nachts wieder zu sich gekommen. Da wusste sie aber nicht mehr genau, was geschehen war.

War am Tatabend stark alkoholisiert: Julia K. musste von Kameraden auf ihre Stube gebracht werden.

Maßgebend für das Urteil war die Einschätzung eines psychiatrischen Gutachters. Er hatte errechnet, dass Carlos B. maximal 1,4 Promille hatte, Julia K. dagegen bis zu 2,9 Promille. Sie sei in hohem Maße Alkohol gewöhnt. Es sei aber nicht auszuschließen, dass sie sich zum Zeitpunkt der Tat im Wachwerden befand und auf Weckreize reagiert hätte. Also nicht widerstandsunfähig, wie angeklagt. Die Staatsanwaltschaft beantragte daraufhin einen Freispruch, dem Richter Anton Winkler aus Mangel an Beweisen folgte.

Andreas Thieme

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