1. tz
  2. München
  3. Stadt

Soll es in München ein Zwiebel-Verbot in U- und S-Bahn geben?

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Christina Meyer

Kommentare

Gebratene Nudeln in der S-Bahn? Florian Zimmermann (28) isst lieber vorher, um andere Fahrgäste nicht zu stören
Gebratene Nudeln in der S-Bahn? Florian Zimmermann (28) isst lieber vorher, um andere Fahrgäste nicht zu stören. © Sigi Jantz

Was eklig riecht, ist tabu - die Stadt Wien will das Essen in einer U-Bahn verbieten. Selbst in Berlin herrscht ein allgemeines Ess- und Trinkverbot. Sollte es das auch in München geben?

München - Die Leberwurstsemmel auf dem Weg in die Arbeit, später ein Döner mit Zwiebeln: Was dem einen Fahrgast schmeckt, stinkt dem anderen gewaltig. Essen in öffentlichen Verkehrsmitteln ist ein Riesen-Diskussionsthema. So verbietet die Stadt Wien den Fahrgästen künftig, in der U-Bahn zu essen. Und auch in München wird die Sache jetzt durchgekaut. Streitpunkt Ess-Bahn!

Ein Verbot von Speisen in öffentlichen Verkehrsmitteln gibt es in München nicht: In den Beförderungsbedingungen des Münchner Verkehrsverbundes (MVV) steht lediglich, dass vom Betriebspersonal oder durch örtliche Anweisung der Verzehr von Speisen oder Getränken untersagt werden kann (Paragraf 4). „Es gibt nur die allgemeine Regel, dass man andere Fahrgäste nicht stören und belästigen darf“, erklärt Matthias Korte, Sprecher der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG).

Übrigens: In der S-Bahn München gibt es seit 2014 ein Alkoholverbot (40 Euro Bußgeld), wie tz.de* berichtet.

In diesen Städten ist das Essen schon verboten

Andere Städte greifen da härter durch. So ist in Berliner Bahnen schon seit dem Jahr 2000 das Essen verboten, auch in Augsburg darf in Bussen und Trambahnen nichts verzehrt werden. In Nürnberg warnen Verbotsschilder im Bus davor, Bratwurst-Weggla & Co. zu verspeisen. Die Stadt Wien zieht jetzt nach: Ab 1. September gilt das Essensverbot in der dortigen U6, ab 15. Januar 2019 dann auf allen Linien – und zwar entgegen erster Überlegungen nicht nur für besonders geruchsintensive Speisen, sondern durchweg für alle Mahlzeiten.

Das plant München

In München ist ein solches Verbot nicht geplant. Matthias Korte: „Wir halten es für sinnvoller, weiter auf gegenseitige Rücksichtnahme zu setzen.“ Dazu gebe es auch entsprechende Kampagnen: So fordern etwa Filme im Fahrgast-TV die Pendler auf, auf stark riechende Speisen zu verzichten. Lediglich der Konsum alkoholischer Getränke ist in der Landeshauptstadt in den öffentlichen Verkehrsmitteln verboten. „Das ist wichtig, weil es dabei auch um die Sicherheit geht“, sagt MVG-Sprecher Matthias Korte.

Viele Fahrgäste sind allerdings dafür, das Konsumverbot auch auf Mahlzeiten auszuweiten. Etwa Florian Zimmermann (28, großes Foto), Einzelhandelskaufmann aus München: „Ich fände ein Verbot sinnvoll. Ich selbst esse nicht im Zug, sondern immer vorher. Ich mag es auch nicht, wenn andere es tun – eben wegen des Geruchs.“ Laut Martin Marino, Sprecher der Aktion Münchner Fahrgäste, wäre ein generelles Speiseverbot in München allerdings praktisch kaum umsetzbar: „So ein Verbot macht nur Sinn, wenn es auch kontrolliert und geahndet wird – und dafür fehlt hier schlichtweg das Personal.“

Das sagen die Fahrgäste zum Streitthema

Die Leute würden trotzdem essen: Mich stört es nicht, wenn Leute in der Bahn essen, solange es jetzt kein Fisch oder Zwiebeln sind. Aber ich habe da noch keine negativen Erfahrungen gemacht. Ein Verbot finde ich nicht sinnvoll, denn Kultur kann man nicht erzwingen. Die Leute würden es trotzdem machen. Und Menschen sind leider so, dass sie gerne immer etwas suchen, das sie stört. Joanna Balon (41), Assistentin aus Köln 

Die Leute würden trotzdem essen.
Die Leute würden trotzdem essen. © Sigi Jantz

Nur Geldbußen würden helfen: Ich finde es schon unangenehm, wenn das Essen in der Bahn zu stark riecht. Ich muss dann auch den Platz wechseln. Ein Verbot würde wohl nur dann etwas bringen, wenn man es wirklich mit hohen Geldstrafen verbinden würde. Nur Geld hält die Leute davon ab, etwas zu tun. Ich glaube, ich würde es mit so einem Verbot versuchen. Ich finde das Essen in der Bahn echt schwierig. Ingrid Gooding (65), Rentnerin aus München

null
Nur Geldbußen würden helfen. © Sigi Jantz

Eine Brutstätte für Keime: Ich würde niemals in der Bahn essen! Eine Großstadt wie München ist die Kreuzung für Millionen von Menschen aus der ganzen Welt. Und jeder bringt seine Keime mit. Ich kann es gar nicht sehen, wie Mütter ihre Kinder in der Bahn füttern, da graut es mir. Denn gerade kleine Kinder oder alte Menschen haben ein schwächeres Immun­system, die können davon ernsthaft krank werden. Alexander Pustovar (77), Mikrobiologe aus München

null
Eine Brutstätte für Keime. © Sigi Jantz

Keine Essensreste in der Bahn: Ich verstehe nicht, warum Leute in der Bahn essen müssen. Da werden überall die Essensreste verteilt und die Verpackung liegengelassen, vor allem bei der Hitze riecht das richtig übel. Wir sind hier in einer Großstadt, da gibt es so viele Menschen, da muss man schon ein bisschen auf Sauberkeit achten. Ich fände so ein Verbot für München richtig gut, man kann doch auch einfach zu Hause essen! Richard Straßgütl (29), Küchenhelfer aus München

null
An die Vernunft appellieren. © Sigi Jantz

An die Vernunft appellieren

: Ich esse nicht in der Bahn. Wenn mein Zug kommt, packe ich meine Semmel ein. Aber ich finde es auch nicht schlimm, wenn andere das tun. Ein Verbot ist keine Lösung, man kann es sowieso nicht ausreichend kontrollieren. Ich denke eher, dass Aufklärung mehr bringen würde, vielleicht mit kleinen Filmen auf den Bahn-Bildschirmen, die an die Vernunft der Leute appellieren.

Sudhansu Das (34), Software-Projektleiter aus München

null
An die Vernunft appellieren. © Sigi Jantz

Strafe übertrieben: Ab und zu bin ich schon genervt, wenn der Geruch zu stark ist. Aber ich glaube nicht, dass ein Verbot richtig ist. Ich bin grundsätzlich gegen Verbote. Ich finde, man könnte eher im Sinne eines Gebotes oder einer Bitte an die Vernunft der Leute appellieren. Sie dafür zu bestrafen, finde ich total übertrieben. Bei kurzen U-Bahnfahrten kann man das schon mal aushalten. Laura Borlein (23), Auszubildende aus München

null
Strafe übertrieben. © Sigi Jantz

Eine Zeitreise durch München finden Sie bei tz.de*: So sahen Hauptbahnhof, der Wiener Platz und der Hirschgarten damals aus

Christina Meyer/ Umfrage: Judith Kohnle (Texte), Sigi Jantz (Fotos)

Auch interessant

Kommentare