Sie sollen ausziehen, damit die Eidechsen bleiben können

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Die Eidechsen dürfen bleiben, die Menschen müssen weg. Aber die Bewohner der Schäftlarnstraße 32 wollen sich nicht so einfach aus ihren Wohnungen verdrängen lassen.

München - Ein Wohnhaus muss weg, damit in unmittelbarer Nähe Eidechsen ihren ­Lebensraum behalten. Die Mieter des Hauses in der Schäftlarn­straße 32 haben dafür keine Verständnis. Die tz sprach mit den Betroffenen:

Das Anwesen in der Schäftlarnstraße 32 soll abgerissen werden.

Zugegeben, mit seiner verrußten Fassade zur Schäftlarnstraße seht es auf dem ersten Blick nicht sehr einladend aus, und auch die Nachbarschaft von Heizkraftwerk und Großmarkthalle ist nicht gerade eine Parklandschaft. Und dennoch lieben die 15 Bewohner ihr ehemaliges Tramwärterhäuserl am Rande des Großmarkts. Doch sie sollen ausziehen, weil hier ein Speditionsgebäude geplant ist. Das sollte ursprünglich auf alten Gleisen im Großmarkt entstehen. Doch Naturschützer stoppten den Bau, weil dort Mauereidechsen leben (tz berichtete).

Die Mieter der Schäft­larnstraße 32 glaubten, eine ruhige Bleibe zu haben. „Bis man uns im Innenhof einen Bauzaun vor die Nase stellte, weil die Halle nebenan angeblich baufällig ist“, so Bewohner Frank Eydner (43), der Straßenkehrer und Kunst-Fotograf ist. Von außen sieht man nur etwas Putz von der Halle bröckeln. „Da passiert nix, aber man will es uns hier ungemütlich machen“, glaubt Eydner. Dann kam dieser Anruf: Das Wohnhaus soll abgerissen werden! Eydner: „Bis Februar sollen wir draußen sein. Dabei ist das Haus gut in Schuss, die wollten jetzt nur für 15.000 Euro eine neue Heizungssteuerung einbauen.“

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Doch warum soll plötzlich das alte Tramwärterhaus weg? Das Kommunalreferat klärt auf: „Das Haus ist durch die Neubaupläne für die Speditionshalle tangiert“, heißt es dort vornehm. Die Beschlüsse dazu seien allerdings geheim.

Das Haus muss für die neue Halle weg. Die war erst auf den Gleisen im Südwestende der Großmarkthalle geplant, doch dort haben sich seit ca. 2005 die laut Naturschützern aus Italien eingewanderte Mauereidechsen eingenistet. Der Spediteur droht mit Wegzug aufs Land, wenn die neue Halle nicht bis Ende 2012 steht.

Eydner und seine Mitbewohner wollen sich aber nicht einfach aus ihrem Haus werfen lassen: „Ich habe schon meinen Anwalt eingeschaltet, so einfach kriegen die uns hier nicht raus.“

Das sagen die Bewohner:

Frank Eydner (43), Straßenkehrer und Foto-Künstler

Frank Eydner (43), Straßenkehrer und Foto-Künstler

Erst plant man eine neue Speditionshalle auf einem Gleisgelände, wo Eidechsen leben. Weil die unter Artenschutz stehen, plant man um. Jetzt soll unser Haus abgerissen werden, weil man da bauen will. Das ist doch völlig absurd. Haben denn Menschen kein Recht auf Heimat?

Georg Gerg (75), Rentner

Georg Gerg (75), Rentner

Ich bin hier im Viertel aufgewachsen, meine Eltern haben im Großmarkt gearbeitet. Die Eid­echsen waren schon da, als ich ein Kind war. Und jetzt stehen sie unter Naturschutz – im Gegensatz zu uns. Ich bin für einen Umzug zu alt, i pack des nimmer. Sie bieten uns „Umsetzwohnungen“ an. Aber einen alten Baum verpflanzt ma ned.

Maximilian Gröschl (29) mit seiner Frau Stella (26)

Maximilian Gröschl (29) mit seiner Frau Stella (26)

Ich habe hier eine Dienstwohnung, in die ich extra vor sieben Jahren aus Berg am Starnberger See gezogen bin. Ich bin Betriebsschlosser in der Großmarkthalle, und da muss ich rund um die Uhr erreichbar sein – damit ich schnell helfen kann, wenn etwa jemand im Aufzug feststeckt.

Gyula Huszka (55), EDV-Techniker

Gyula Huszka (55), EDV-Techniker

Wir wollen nicht weg, weil meine Frau, mein Sohn und ich uns hier sehr wohl fühlen und die Miete passt. Ein Umzug wäre zu teuer, da brauchen wir eine neue Küche, müssen Kaution und Provision bezahlen. Und die Miete wird sicher auch teurer sein als hier. Wir verdienen nicht so viel. Und wir haben erst die Wohnung renoviert.

Johannes Welte

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