Der Sommer der Blitze

Der große tz-Report zum Himmelsspektakel

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München - Im großen tz-Report räumt Stephan Thern vom Blitz Informationsdienst von Siemens mit den fünf hartnäckigsten Blitz-Mythen auf und Thomas Ender erklärt, wie sich ein Blitzschlag anfühlt.

Ein unfassbarer Wert: Mit 360 Millionen km/h können Blitze aus den Wolken schießen! Aus der Ferne betrachtet: ein Spektakel! Kommt man ihnen jedoch zu nahe, wird’s schnell brandgefährlich. Vergangenen Dienstag rumpelte es gewaltig über München – über 500 Mal schlug in Stadt- und Landkreis der Blitz ein! Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2013 gab es bisher insgesamt erst 1231 Einschläge. Ob die Rekordmarke von 6930 Blitzen aus dem Jahr 2007 dieses Jahr angekratzt wird, steht buchstäblich in den Sternen. Zuständig für solche Zahlen und Statistiken rund um das Thema Blitze ist Stephan Thern (55) vom Blitz Informationsdienst von Siemens (BLIDS).

Unwetter in der Region München: User-Bilder

Unwetter in der Region München: Spektakuläre User-Bilder

Im großen tz-Report räumt er mit den fünf hartnäckigsten Blitz-Mythen auf. Auf die unheimliche Gefahr, die von Blitzen ausgeht, gibt Sturmjäger Martin Zoidl (23) nicht viel. Er braucht den Nervenkitzel – und fährt den dunklen Wolken sogar noch hinterher. Genug von Adrenalinschüben dieser Art hat dagegen Thomas Ender (25). Der Handwerker aus Dießen am Ammersee überlebte 2012 einen Blitzschlag – und kann ihm mit einem Jahr Abstand sogar noch etwas Positives abgewinnen. Lesen Sie selbst.

Tobias Scharnagl

Blitzmythen

Eichen sollst du weichen, Buchen sollst du suchen: Stimmt nicht! Experte Stephan Thern: „Die Art des Baumes spielt keine Rolle. Ein alleinstehender Baum verkürzt den Weg des Blitzes - und ist deshalb zu meiden! Wenn einen der Blitz dann nicht trifft, tut’s vielleicht ein Ast.“

Bei Gewittern nicht schwimmen:  Stimmt! „Hier verhält es sich, wie mit dem brühmten Fön in der Badewanne. Der Strom breitet sich im Wasser aus, der Schwimmer bekommt einen Schlag. Dazu kommt unter Umständen noch ein schwerer Muskelkrampf und man ertrinkt“, warnt Thern von BLIDS.

Der sicherste Ort - das Auto: Stimmt! Diplom-Ingenieur Thern: „Das Auto bildet einen Faraday’schen Käfig - der Blitzstrom wird über die Karosserie nach außen abgeleitet. Aber: Die Reifen können durch einen Schlag Luft verlieren - also Vorsicht! Und: Nicht zu schnell fahren!“

Keine Wolken direkt über mir ist gleich Sicherheit: Stimmt nicht! Nur wenn wirklich weit und breit keine Gewitterwolken zu sehen sind, kann nichts passieren. Denn Blitz-Experte Thern sagt: „Blitze können  bis zu fünf Kilometer von ihrer Ursprungswolke entfernt einschlagen.“

Bei Unwettern nicht mit dem Handy telefonieren: Stimmt nicht! Thern: „Ich sehe hier keine Gefährdung. Vorsicht aber bei Schnur-Telefonen! Wenn der Blitz draußen in die Telefonleitung einschlägt, kann’s gefährlich werden. Lange Leitungen wirken hier wie Antennen für elektromagnetische Felder.

So fühlt es sich an, wenn’s einschlägt

Das brennt sich einem in die Seele: Ein gutes Jahr ist es nun her, dass Thomas Ender (25) vom Blitz getroffen wurde. Unfassbar: Der junge Mann aus Dießen am Ammersee überlebte nahezu unverletzt!

Für die tz hat sich Thomas noch einmal an die schrecklichen Ereignisse erinnert – und kommt zu einem verblüffenden Fazit: „Ich kann diesem Albtraum-Erlebnissogar etwas positives abgewinnen!“

Das Blitz-Drama von damals: 30. März 2012, kurz vor 14:30 Uhr. Thomas arbeitet mit einem Kollegen am Funktturm in Utting. Grollende schwarze Wolken ziehen auf, es beginnt heftig zu regnen. Der Kollege sitzt schon im Auto – Thomas will noch schnell einen Kleinbagger betanken, der in der Nähe des Funkturmes steht. „Pack mer zam“ sagt Thomas noch, dann wird alles in gleisend helles Licht getaucht.

„Ich konnte nichts mehr sehen. Schmerzen hatte ich aber keine – das muss der Schock gewesen sein“, erinnert sich Thomas. Er tastet sich in Richtung Auto und bringt sich in Sicherheit. Erst nach ungefähr fünf Minuten lässt das Adrenalin nach – dafür werden die Schmerzen immer unerträglicher. „Ich hatte wahnsinnige Kopfschmerzen. Vom obersten Halswirbel an war alles taub!“, sagt Thomas.

Aber wie konnte er den Einschlag überleben? Thomas weiß heute: „Der Blitz schlug damals in den Turm ein – Gott sei Dank traf er mich nicht direkt.“ Als er kurze Zeit später im Klinikum untersucht wird, dann die unfassbare Diagnose: Keine Verbrennungen, keinerlei innere Schäden! „Die Kopfschmerzen und auch der Tinnitus verschwanden schon nach ein paar Tagen wieder“. sagt Thomas.

Heute sieht er die Ereignisse mit anderen Augen: „Ich genieße mein Leben seitdem noch ein bisserl mehr!“ Auch die Beziehung zu Freundin Franziska erreichte mit den Ereignissen eine neue Tiefe. „So etwas schweißt einfach zusammen!“

Panik vor Unwettern hat Thomas trotzdem nicht: „Natürlich hab ich Respekt. Aber als Handwerker passiert einem so einiges.“ Deshalb lacht Thomas mittlerweile sogar über den Blitzschlag: „Sonst müsste ich ja auch vor jeder Flex oder Kreissäge Angst haben!“

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