Sonnenfinsternis: Video zum Naturspektakel

München - Enttäuscht blickten viele Münchner heute früh in den bewölkten Himmel - von der Sonnenfinsternis war nichts zu sehen. Doch auf ihrem Höhepunkt rissen plötzlich die Wolken auf.

Da hatte sich das Warten in der Kälte doch noch gelohnt. Eine dichte Wolkendecke hing gestern früh über München. Nur an einem schwachen Schimmer hinter den Wolken konnte man erahnen, wo der Mond sich gerade vor die Sonne schob.

Auch Peter Stättmayer, der Leiter der Sternwarte, hatte die Hoffnung schon so gut wie aufgegeben, einen Blick auf das Naturschauspiel zu erhaschen. Mit gut hundert Besuchern stand er auf dem Dach der Volkssternwarte und guckte in den grauen Himmel.

„Das wäre jetzt eigentlich der Höhepunkt“, sagte er um 9.18 Uhr in die Runde. Plötzlich aber rief jemand: „Da ist sie!“ Alle Augen richteten sich auf die milchige weiße Sichel, die mit einem Mal hinter dem Wolkenschleier auftauchte.

Sogar mit bloßem Auge – die Wolken bremsen das gleißende Licht – war jetzt gut zu erkennen, wie der Mond etwas mehr als zwei Drittel der Sonnenscheibe verdunkelt hatte.

Stättmayer drückte auf seinen Fotoapparat und sauste die Treppe hinab zum kleinen Planetarium. Hatte er doch gerade die Vorführung angeboten, um enttäuschten Besucher wenigstens etwas zu bieten. Nun tauchte die Sonnensichel München in ein fahles Licht, als die Wolken sich mehr und mehr verzogen.

Sonnenfinsternis über München und Deutschland

Die Sonnenfinsternis über München

Nach wenigen Minuten war es nicht mehr möglich, den Tanz der Himmelskörper ohne Sonnenfilter auf Brille oder Fernglas zu verfolgen. Ohne diesen Schutz kann ein Blick in die Sonne die Augen schwer schädigen. Insgesamt fast 300 Menschen waren gekommen, darunter auch eine ganze Zahl von Zeitungsreportern, Fotografen und Kamerateams.

Richtig belagert wurden die Fernrohre, die die Himmelskörper so nah heranholten, dass sogar die Sonnenflecken als kleine Punkte sichtbar waren. Ganz deutlich, mit Bergen und Tälern, zeichnete sich der Mond auf einer Projektion ab, die die Sternwarte mit ihrem 7 Zoll Refraktor-Teleskop bewerkstelligte. „Man sieht das so deutlich, weil der Mond keine Atmosphäre hat“, erklärte ein Mitglied der Sternwarte.

Eine viel gefragte Frau war auch Gerda Lieb (69) – oder besser: Ihr Handfernglas, auf das sie sich die silberne Filterfolie zum Schutz für die Augen geklebt hat. „Das habe ich mir schon 1999 gebastelt – nach der Gebrauchsanweisung der Volkssternwarte“, erzählte sie. Damals wurde es für für ein paar Augenblicke sogar stockduster in München, als der Mond sich komplett vor die Sonne schob.

Das gestrige Schattenspiel, war von Skandinavien bis Nordafrika zu bewundern. Gut zu sehen war sie aber nicht überall in Deutschland – auch nicht überall in Oberbayern. Hervorragend war die Sicht in den Bergen, auch in Bad Tölz und den Ammergauer Alpen. Nur ein dünner Schleier hing vor der Sonne, so dass die Himmelsgucker unbedingt ihre Schutzbrillen aufsetzen mussten.

Hoch oben über dem Starnberger See verfolgten gut 20 Besucher der Volkssternwarte in Aufkirchen das Spektakel ab 8.40 Uhr zuerst mit bloßem Auge, und später mit Schutzbrillen. Den Wolfratshausern erging es ähnlich wie den Münchnern – ab 9.15 Uhr klarte der Himmel langsam auf und gab den Blick auf das Naturschauspiel frei.

Freising hingegegen hatte keine Chance, die Domstadt hing ganz unter einer dicken Wolkenschicht. Nur für ein paar Sekunden riss der Himmel um 9.40 Uhr in Hattenhofen bei Fürstenfeldbruck auf. Um 10.52 war das Schauspiel in Deutschland dann vorbei.

Erst am 20. März 2015 ist von Deutschland aus wieder eine partielle Sonnenfinsternis zu sehen. Am 15. Juni kann man in München, bei gutem Wetter, aber eine totale Mondfinsternis erleben. Und in zwei Jahren, am 6. Juni 2012, findet vor unseren Augen der letzte Venustransit dieses Jahrhunderts statt – bei dem der kleine Planet vor der Sonne vorbeizieht und so vom Morgen- zum Abendstern wird.

Kolja Kröger

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