Sorge in Hellabrunn: "Man muss mit allem rechnen"

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Elefantendame Tina ist die älteste und magerste der Herde.

München - Elefantendame Tina treibt den Verantwortlichen im Hellabrunner Tierpark die Sorgenfalten auf die Stirn. Die Wärme macht ihr zu schaffen. Die tz erkundigte sich nach Tinas Gesundheitszustand.

Am Sonntagmittag war es in der Sonne mal wieder richtig heiß, das Thermometer kletterte auf über 20 Grad -- und das fünf Wochen nach den Minusrekorden im Februar! Nicht nur Menschen machen diese extremen Temperatur-Schwankungen zu schaffen. Münchens älteste Elefantendame Tina (53) hat große Probleme mit ihrem Kreislauf.

Am Freitag bereitete sie ihren Pflegern und Tierärzten bange Stunden, als sie sich in der Mittagshitze draußen auf einen Sandhaufen hinlegte, und um 14 Uhr nicht mehr aus eigenen Kräften auf die Beine kam - und das bereits zum zweiten Mal! Doch die Rettung gelang zum Glück auch diesmal. Ein Kran der Feuerwehr hievte die betagte Leitkuh der Hellabrunner Herde hoch.

Bilder: Feuerwehr muss Elefantendame aufrichten

Bilder: Feuerwehr muss Elefantendame aufrichten

Am Sonntag besuchte die tz die Elefantendame Tina im Tierpark und sprach mit dem Chefpfleger der Elefanten Andreas Fries.

Wie geht es Tina?

Andreas Fries: Sie packt die extremen Temperaturschwankungen nicht, aber heute ist alles wieder im grünen Bereich. Allerdings ist Tina eine der ältesten Elefanten in Europa. 53 ist ein schönes Alter, allerdings hat Tina hat in letzter Zeit ziemlich abgebaut und ist die dünnste in unserer Herde. Man muss also leider mit allem rechnen.

Aber heute ist Tina ja vormittags und nachmittags mit den anderen Elefanten draußen gewesen. Ist das nicht zu anstrengend?

Chefpfleger Andreas Fries mit Tina im Jahr 2007.

Fries: Ja, sie ist wieder stabil genug und Bewegung tut ihr gut. Sie achtet schon selbst darauf, sich nicht zu überanstrengen.Alleine im Stall lassen können wir Tina auf keinen Fall, weil bei den Elefanten ist die Gruppe das Wichtigste. Deshalb machen wir mittags eine Pause und bringen die Elefanten von 11 bis 13.30 Uhr rein, damit Tina sich ausruhen kann.
Was passiert in der Herde, wenn Tina stirbt?
Fries: Sie ist die Leitkuh und damit ein sehr wichtiges Bindeglied, das fehlen wird. Aber die Elefanten reagieren unterschiedlich, die haben eben unterschiedliche Charaktere, wie auch wir Menschen. Tinas ständige Begleiterin, die 46-jährige Steffi, wirkt besorgt. Aber unter den jüngeren Kühen sind auch einige recht karrierebewusst und sehen ihre Chancen, an die Spitze der Herde zu kommen.

Susanne Sasse

tz-Umfrage: Die Besucher des Tierparks machen sich große Sorgen um die altersschwache Elefantendame

"Wir fühlen mit den Pflegern"

Wir fühlen sehr mit den Pflegern mit, auch wegen der zwei toten Elefantenkinder. Wir wissen, wie sehr man mit den Tieren mitleidet, um die man sich täglich kümmert, weil wir auf unserem Hof 40 Milchkühe haben. Die Sorgen um ein Tier legt man nicht an der Stalltüre ab.

Stephanie (31) und Sylvester (37) Fuchs, Landwirte aus Graussau im Chiemgau mit den Kindern Silvester (12), Korbinian (10), Leonhard (8) und Magdalena (6)

"Neider, lasst Tina in Ruhe!“

Ich liebe die Elefanten, sie sehen süß aus, obwohl sie so groß sind und sind sehr schlau, schlauer als man denkt. Jeder von ihnen hat einen ganz eigenen Charakter. Ich hoffe, die Neiderinnen lassen Tina in Ruhe! Wenn in einer Familie der Chef schwach auf den Beinen ist, kümmert man sich um ihn und wartet nicht nur auf die Chance, ihn abzusetzen.

Nadine R. (18), Schülerin aus Dachau

"Ein sehr gesegnetes Alter"

Wir sind Zoofans, und kommen zweimal im Monat. Jedes Mal besuchen wir auch die Elefanten. Das ist immer eine Freude, weil sie intelligent sind und auf ihre Namen hören. Wenn die alte Elefantendame stirbt, ist das traurig, aber sie hat ja auch ein sehr gesegnetes Alter, und in dem Alter muss man mit dem Tod rechnen. So war das auch bei den alten Löwinnen und dem Jaguar.

Hedwig (76) und Erich (82) Ernst aus München

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