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Der Terminplan für Ihre Gesundheit

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Vorsorge für das Herz: Beim Belastungs-EKG leitet Kardiologe Prof. Stefan Kääb bei einem Patienten im LMU-Klinikum über Elektroden die elektrischen Herzaktionen ab, während der Patient sich körperlich betätigt.
Beim Belastungs-EKG misst Kardiologe Prof. Stefan Kääb die elektrischen Herzaktionen ab. © Andreas Steeger/LMU-Klinikum

Auch wenn das vielleicht nicht jeder weiß: Gesetzlich Krankenversicherte haben Anspruch auf eine ganze Reihe wichtiger Früherkennungsuntersuchungen. Um den Grundstein für eine gute Gesundheit im Alter zu legen, lohnt es sich zudem, selbst auf bestimmte Themen zu achten. Experten aus verschiedenen medizinischen Fachrichtungen fassen für Sie zusammen, zu welchem Arzt Sie in welchem Alter gehen sollten – und was Sie selbst tun können.

Die empfohlenen Vorsorgeuntersuchungen sind die beste und effektivste Methode, um häufige und schwere Krankheiten früh zu entdecken und zu behandeln, sagt etwa Prof. Hana Algül, Direktor des Cancer Comprehensive Centers der TU München. Der Kardiologe Professor Stefan Kääb vom Klinikum der LMU betont: „Vorsorgeuntersuchungen sind Angebote, die Gesundheit zu erhalten. Das ist immer besser, als Krankheit zu behandeln.“

Für Vorsorge ist man übrigens nie zu alt. So ist für den Chef der LMU-Frauenklinik, Prof. Sven Mahner, der alljährliche Besuch beim Frauenarzt für alle Frauen ein Muss: „Immer wieder stößt der Frauenarzt auch auf andere Erkrankungen, etwa im Herz-Kreislauf-System“, betont Mahner. „Ich sage allen Patientinnen, dass sie bis zum Alter von 99 jedes Jahr zum Frauenarzt müssen – und füge immer scherzhaft an, dass man vielleicht ab dem 100. Geburtstag über einen zweijährigen Rhythmus sprechen könne.“

Diese Impfungen sollten Sie unbedingt auffrischen

Ein wichtiger Baustein für die eigene Gesundheit in allen Altersklassen ist ein aktuell gehaltener Impfpass. Die wichtigsten empfohlenen Auffrischungsimpfungen: Tetanus und Diphtherie alle zehn Jahre, Keuchhusten einmal im Erwachsenenalter (18 bis 60 Jahre), Masern einmalig – für alle, die nach 1970 geboren wurden, älter als 18 Jahre sind und einen unklaren Impfstatus haben oder nur einmal in der Kindheit gegen Masern geimpft wurden. Ab 60 Jahren einmalige Impfung gegen Pneumokokken. Jährliche Grippeimpfung für chronisch Kranke, Schwangere, Personen ab 60 Jahren und Menschen mit erhöhter Infektionsgefahr. Gürtelrose für alle über 60 und alle über 50, die eine Grunderkrankung wie Diabetes oder Asthma haben. FSME für alle, die in Risikogebieten möglicherweise mit Zecken in Kontakt kommen.

Das gilt für 18 bis 35-Jährige:

Für alle wichtig

Gesundheit allgemein: Ab 18 Jahren bis zum Alter von 35 Jahren (Frauen und Männer): ein einmaliger, allgemeiner Check-up beim Hausarzt.

Herzgesundheit: „Den Grundstein für eine dauerhafte Gesundheit des Herz-Kreislauf-Systems legt man in jungen Jahren“, sagt Professor Stefan Kääb, Kardiologe am LMU-Klinikum. Darum gelte es, folgende sieben Kriterien zu beachten: „Erster wichtiger Punkt ist die Ernährung: Hier empfiehlt sich die Mittelmeerdiät – man sollte frische Zutaten essen und industriell Verarbeitetes meiden, auf wertvolle Fettsäuren achten und nicht zu viel essen. Zweiter entscheidender Punkt ist regelmäßige ausreichende Bewegung, also am besten 40-minütiges Ausdauertraining drei bis vier Mal pro Woche. Drittens sollte man nicht rauchen, viertens den eigenen Blutdruck kennen und bei Bedarf richtig einstellen lassen. Fünfter wichtiger Punkt ist es, gegebenenfalls Übergewicht abzubauen. Sechstens sollte jeder seinen LDL-Cholesterin-Wert kennen. Das Low-Density-Lipoprotein (Lipoprotein niedriger Dichte) ist das ungesunde Cholesterin. Für gesunde Menschen ohne Risikofaktoren für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung gilt ein LDL-Cholesterinwert unter 116 mg/dl als Zielwert. Je höher das Risiko ist, etwa durch Übergewicht, desto niedriger sollte das LDL-Cholesterin sein: Für Menschen mit koronarer Herzerkrankung oder Diabetes liegt der Zielwert bei unter 55 mg/dl. Siebter wichtiger Punkt ist der Blutzucker: einmal checken lassen.“

Haut: „Das A und O bei der Prävention für die Haut ist der Sonnenschutz“, sagt Hautarzt Dr. Christoph Liebich und rät zu Tagespflegecreme mit hohem Schutzfaktor. Zudem sollte man selbst seine Haut und Leberflecken gut beobachten und sofort zum Arzt gehen, wenn ein Fleck schnell wächst, juckt, blutet, erhaben ist oder nässt.

Zahngesundheit: Im Kindesalter sollte man daran gewöhnt werden, die Zähne regelmäßig zu putzen, damit das zur Gewohnheit wird. Wichtig ist es, nicht zu oft und zu lange Zucker zu sich nehmen, sagt Prof. Hannes Wachtel, der Gründer der Implaneo Dental Clinic. Um den Zahnschmelz zu härten, rät er zu regelmäßiger Fluoridierung, zudem zur Anwendung auch von Zahnseide oder kleinen Bürsten für die Zahnzwischenräume. Zum Zahnarzt sollte jeder mindestens einmal im Jahr gehen, besser aber zwei bis vier Mal, rät Prof. Wachtel.

Für Frauen wichtig

„Als wichtigste Vorbeugemaßnahme gegen Gebärmutterhalskrebs sollten sich Mädchen, aber auch junge Frauen gegen HPV impfen lassen“, sagt der Gynäkologe und Chef der LMU-Frauenklinik, Prof. Sven Mahner. Ab dem 20. Lebensjahr steht einmal pro Jahr eine Genitaluntersuchung und eine zytologische Untersuchung zur Früherkennung von Krebs auf dem Plan. Ab 30 Jahren kommt zur Krebsvorsorge eine jährliche Brust- und Hautuntersuchung hinzu. Spätestens ab dann sollten sich Frauen auch regelmäßig selbst die Brust untersuchen.

35 bis 55 Jahre: Die Krebsvorsorge nicht vergessen!

Für alle wichtig

Gesundheits-Check-up: Ab einem Alter von 35 Jahren zahlen die Krankenkassen für Mann und Frau alle drei Jahre den „Gesundheits-Check-up“ mit Blut- und Urin-Test sowie einer körperlichen Untersuchung und Blutdruckmessung. So können etwa Nieren- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Bluthochdruck, Schilddrüsenerkrankungen und sogar Autoimmunkrankheiten wie Rheuma früh entdeckt werden, erklärt der Kardiologe Prof. Stefan Kääb. Auch ein EKG steht auf dem Programm, ebenso wird geprüft, ob eine Fettstoffwechselstörung vorliegt. Seit Herbst 2021 gibt es einmalig ein Screening auf eine Hepatitis B- und Hepatitis C-Virusinfektion als Teil des Check-ups. So sollen unentdeckte Infektionen erkannt und frühzeitig behandelt werden, um Spätfolgen zu verhindern.

Haut: Spätestens ab dem Alter von 35 Jahren ist ein Hautkrebs-Screening alle zwei Jahre Kassenleistung. „Dabei wird die Haut am gesamten Körper auf Anzeichen von Hautkrebs untersucht“, sagt der Münchner Dermatologe Christoph Liebich.

Zahngesundheit: Die tägliche Reinigung der Zähne und Zahnzwischenräume ist ein Muss, zudem der mindestens jährliche Zahnarztbesuch und die professionelle Zahnreinigung zwei bis drei Mal pro Jahr. Um den Zahnschmelz nicht zu schädigen, arbeiten Zahnärzte heute lieber mikroinvasiv mit Klebetechnik, sagt Prof. Wachtel. Fehlt ein Zahn, setze man statt einer Brücke lieber ein Implantat, um die Nachbarzähne nicht zu tangieren.

Augen: Ab 30 Jahren Grüner-Star-Vorsorge beim Augenarzt.

Für Frauen wichtig

Ab 35 Jahren steht im Screening zusätzlich zur zytologischen Untersuchung auch ein HPV-Test auf dem Plan. „Gegen Ende dieses Zeitraums kommen die meisten Frauen in die Wechseljahre“, sagt Prof. Mahner. Manchen Frauen bereite dies große Beschwerden, hier kann eine Hormonbehandlung helfen, sagt Prof. Mahner. Dabei müsse dann regelmäßig geprüft werden, ob die Behandlung noch notwendig ist, denn eine langjährige Hormonbehandlung könne das Risiko für andere Erkrankungen erhöhen.

Darm: Zur Früherkennung von Darmkrebs wird bei Frauen ab 50 Jahren jährlich auf verborgenes Blut im Stuhl getestet.

Brust: Zwischen 50 und 69 Jahren erhalten Frauen alle zwei Jahre eine Einladung zum Mammografie-Screening zur Früherkennung von Brustkrebs.

Für Männer wichtig

Prostata: Ab 45 Jahren jährliche Krebsfrüherkennungsuntersuchung der Genitalien und Prostata durch Abtasten.

Darm: Ab 50 Jahren Früherkennung von Darmkrebs. „Wir wissen, dass Männer häufiger ein Dickdarmkarzinom bekommen als Frauen, und deshalb steht für sie die dementsprechende Vorsorge früher auf dem Plan als für Frauen“, erklärt der Onkologe Prof. Hana Algül vom TUM-Klinikum. Bei der Darmkrebsfrüherkennung hat jeder Mann im Alter von 50 bis 54 Jahren einen Anspruch auf einen jährlichen Test auf verborgenes Blut im Stuhl. Männern empfiehlt man aber schon ab 50 Jahren zwei Darmspiegelungen im Mindestabstand von zehn Jahren zu machen. „Die Darmkrebsvorsorge bietet ein sehr hohes Maß an Sicherheit“, betont Algül. „Die Darmspiegelung reicht bei einem gesunden Darm alle zehn Jahre, da ein Karzinom diese Zeit braucht, um sich aus einer normalen Schleimhaut zu entwickeln.“

Ab 55 Jahren: Achten Sie auf Zahnfleisch und Knochen!

Für alle wichtig

Zahngesundheit: In dieser Altersgruppe steigt die Gefahr einer Zahnbettentzündung, sagt Zahnarzt Prof. Hannes Wachtel: „Zahngesundheitsstudien belegen, dass 70 bis 80 Prozent der Bevölkerung eine Prävalenz für Zahnfleischentzündungen zeigen“, sagt Wachtel. Dabei sei die Parodontitis zu 90 Prozent verhinderbar. „Die Entzündungen können sich hartnäckig festsetzen in den sogenannten Zahnfleischtaschen. Gelangen sie in den Kieferknochen, wird dieser um- und abgebaut – mit der Folge, dass der Halteapparat der Zähne zerstört wird.“ All diese Probleme ließen sich durch Zahnhygiene weitgehend verhindern, betont Wachtel. Neben der täglichen Zahnhygiene rät er zu regelmäßiger professioneller Zahnreinigung. „Ich empfehle, je nach Risikoprofil, alle drei bis sechs Monate Besuche in der Dentalhygiene in Ihrer Zahnarztpraxis.“

Herz-Kreislauf-System: „Gehen Sie viel zu Fuß, trainieren Sie Ihre Ausdauer und Ihre Koordination“, sagt Prof. Kääb. Der Gesundheits-Check-up alle drei Jahre bleibt ein Muss.

Haut: Neben der jährlichen Hautkrebsvorsorge ist es wichtig, die Haut geschmeidig zu halten und gut zu pflegen. Vor allem Füße und Beine sollten immer eingecremt werden, zudem rät Dermatologe Liebich zur Verwendung von ölhaltigen Duschgels.

Augen: Ab dem Alter von 60 Jahren Früherkennung der altersbedingten Makuladegeneration (AMD) beim Augenarzt.

Für Frauen wichtig

Für Frauen steht ab 55 zusätzlich die Früherkennung von Darmkrebs auf dem Plan. Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder, es wird alle zwei Jahre ein Test auf verborgenes Blut im Stuhl gemacht, oder es gibt zwei Darmspiegelungen im Mindestabstand von zehn Jahren. „Wichtig ist auch die Mammografie alle zwei Jahre“, betont Prof. Mahner, denn mit dem Alter steigt das Krebsrisiko. Auch wenn eine Frau keine Gebärmutter mehr hat, rät er zum jährlichen Frauenarztbesuch. Wer sich sein Leben lang viel bewegt und Sport treibt, tut damit etwas für die Stabilität der Knochen im Alter: Besteht ein Risiko für Osteoporose, rät Mahner zur Knochendichtemessung. Auch bei Kontinenzproblemen sollten Frauen handeln, damit diese nicht dazu führen, dass sie etwa keinen Sport mehr treiben. „Hier kann schon eine kleine Intervention viel Gutes tun“, sagt Mahner. Weiter rät er zu regelmäßigem Krafttraining: „Ich habe noch nie eine Patientin nach den Wechseljahren getroffen, die über zu viel Muskelmasse klagt, aber ich sehe oft Patientinnen, die durch fehlende Muskelkraft stark eingeschränkt sind.“

Für Männer wichtig

Ab 65 Jahren haben Männer einen einmaligen Anspruch auf eine Ultraschalluntersuchung zur Früherkennung von Aneurysmen der Bauchschlagader.

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