Miet-Obergrenze für Geringverdiener gestrichen

„Wenn die Miete steigt, brauche ich wohl Sozialleistungen“

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Mieterin Johanna ­Thaler in ihrer ­Wohnung in Laim.

Der Sozialausschuss hat das Limit für Mieten bei ihren Gesellschaften Gewofag und GWG nach dem „Konzept Soziale Mietobergrenze“ gestrichen. Bei den betroffenen Bürgern steigt die Angst vor Mieterhöhungen.

München - Ämter und Behörden um Hilfe bitten: Das kommt für die Laimer Rentnerin Johanna Thaler (81) nicht infrage. Auch wenn sie nur rund 1110 Euro Rente pro Monat herausbekommt und davon jeden Cent umdrehen muss, will sie weiter auf eigenen Beinen stehen – obwohl ihr sogar im Sozialbürgerhaus gesagt würde, dass sie wahrscheinlich berechtigt dazu wäre, Grundsicherung zu beziehen. Wie lang wird das so bleiben?

Am Donnerstag hat der Sozialausschuss der Stadt das Limit für Mieten bei ihren Gesellschaften Gewofag und GWG nach dem „Konzept Soziale Mietobergrenze“ gestrichen (um Geld für Sanierungen und Neubau zu bekommen). Hier lebten Mieter bislang viel günstiger, als es der Mietspiegel hergäbe. Geringverdiener zahlen in diesen Wohnungen bisher höchstens 6,25 beziehungsweise 6,75 Euro pro Quadratmeter. Diese Art freiwillige Selbstbeschränkung ist jetzt abgeschafft. Ab 1. August soll sich der Mietpreis auch für diese Wohnungen am Mietspiegel orientieren – bis zu 20 Prozent unter der Vergleichsmiete sind dann möglich.

Es wird also für viele Mieter bei Gewofag und GWG teurer werden – insgesamt geht es um bis zu 27.000 Wohnungen. Die Gewofag geht von 24 bis 42 Cent Steigerung pro qm aus, theoretisch denkbar sind aber auch Steigerungen um mehr als einen Euro verteilt auf zwei Erhöhungsrunden à 15 Prozent. 

„Vermutlich wird es auch für mich teurer“, befürchtet tz-Leserin Johanna Thaler. Ihre Wohnung gehört der Stadt, wird von der Gewofag verwaltet. Von der Gewofag heißt es zwar, sie habe „derzeit keinen Auftrag“, hier Mieterhöhungen durchzuführen. Aber wenn es doch so kommt? „Wenn die Miete steigt, brauche ich wohl doch Sozialleistungen“, sagt Johanna Thaler. Momentan kommt sie noch ohne zurecht – denn ihre 47-Quadratmeter-Wohnung ist mit 279 Euro im Monat extrem günstig.

Aber: Das Haus wird renoviert. Große Sorgen bereitet der Seniorin, dass sie ihre geliebten Pflanzen auf ihrem Balkon wegräumen soll. Und neben Einschränkungen der Wohnqualität bringt die Sanierung auch finanzielle Sorgen für die Mieter. Johanna Thaler erwartet jedenfalls, dass Mieterhöhungen kommen werden…

Das sagt der Mieterverein

Volker Rastätter, Geschäftsführer des Mietervereins, wird am Wochenende den Beschluss des Sozialausschusses genau studieren, denn das Thema Geringverdiener liegt ihm sehr am Herzen. „In einer Stadt muss es eine gesunde Mischung geben, auch Geringverdiener müssen dort leben können. Wir sind schließlich darauf angewiesen, dass es Putzkräfte, ­Arbeiter, Erzieher, Taxifahrer und Altenpfleger in der Stadt gibt“, sagt der Mieterschützer. Noch sei nicht abzusehen, ob der ­Beschluss des Sozialausschusses zu „sozialen Verwerfungen“ führen kann, dies müsse unbedingt verhindert werden.

Susanne Sasse

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