Sozialreferentin Schiwy (SPD) zieht Bilanz

Fachkräfte können sich München kaum noch leisten

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Münchens Sozialreferentin Schiwy (SPD).

Laut Sozialreferentin Dorothee Schiwy (SPD) sorgen explodierende Mietpreise für immer mehr Not – ihr Bericht wurde am Montag  im Stadtrat diskutiert.

München - Die sozialpolitischen Probleme in München wachsen, gleichzeitig beklagt das Sozialreferat einen Fachkräftemangel. Das ist das ernüchternde Fazit einer Analyse der Behörde für das Jahr 2017. Der sogenannte Steuerungsbericht des Sozialreferats ist heute Thema im Stadtrat. Sozialreferentin Dorothee Schiwy (SPD) sagte unserer Zeitung bereits im Vorfeld der Sitzung: „Wenn die Lebenshaltungskosten – vor allem die Mietpreise – weiterhin so stark ansteigen, werden wir in München bald vor der Situation stehen, dass sich Fachkräfte ein Leben in München nicht mehr leisten können, insbesondere im sozialen Bereich.“

Laut Schiwy stellt diese Situation das Sozialreferat vor eine große Herausforderung. Erschwerend komme hinzu, dass in der größten städtischen Behörde in den kommenden Jahren viele Mitarbeiter in den Ruhestand gehen. „Wir brauchen zunehmend Nachwuchskräfte“, sagt Schiwy. Denn die Anzahl der Menschen, die Hilfe und Unterstützung brauchen, steigt. Die Hauptgründe: Altersarmut, zu wenige günstige Wohnungen und rapide steigende Obdachlosigkeit.

Immer mehr beziehen Grundsicherung im Alter

Das Sozialreferat hat dazu aktuelles Zahlenmaterial. Dramatisch ist die Entwicklung der Leistungsbezieher bei der Grundsicherung im Alter. Immer mehr Münchner Senioren reicht das Einkommen nicht zum Existenzminimum. Weit mehr als 15.000 Bürger waren zum Jahresende 2017 auf Grundsicherung angewiesen. Vor zehn Jahren lag diese Zahl bei knapp 9000. Das Sozialreferat schlägt Alarm: „Dies zeigt deutlich, dass ältere Menschen sich aufgrund der veränderten Lebensbedingungen das Leben hier zunehmend nicht mehr leisten können.“

Ebenso dramatisch ist die Entwicklung bei den Obdachlosenzahlen. Hier gab es in den vergangenen fünf Jahren mehr als eine Verdoppelung: von 3792 auf 8273 Hilfesuchende – davon 1622 Minderjährige. Ende 2016 betrug die Zahl der Obdachlosen noch 7269 Personen, davon 1586 Kinder und Jugendliche.

17.000 Berechtigte auf Warteliste

269.000 Menschen waren 2016 in München von Armut betroffen, 65.000 mehr als 2011. Eine Folge: Die Anträge auf Sozialwohnungen stapeln sich. Auf der Warteliste stehen 17.000 Berechtigte, davon 13 000 in der prekären Dringlichkeitsstufe 1. Doch die Stadt kann pro Jahr nur 3000 Wohnungen vergeben.

Derzeit gibt es im Sozialreferat 253 unbesetzte Stellen. Klingt ebenfalls dramatisch, allerdings waren es 2016 sogar noch 419 freie Stellen. Und für etwa die Hälfte der aktuell unbesetzten Stellen ist bereits neues Personal gefunden. Zumindest ein Teilerfolg für das Sozialreferat. Gleichwohl warnt die Behörde: „Trotz der positiven Entwicklung bei der Besetzung von Stellen werden in allen Bereichen des Sozialreferates Stellenzuschaltungen notwendig sein, um die vorhandenen Standards weiter gewährleisten zu können.“ 

Video: Mietpreise steigen immer weiter

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Video: Glomex

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