Spaenle poltert: "Herr Ude, das ist unanständig"

+
Münchens CSU-Chef Ludwig Spaenle (50, re.) poltert gegen Udes Landtagskandidatur.

München - OB Christian Udes (63) Landtagskandidatur elektrisiert: Während er seine SPD mit dem Stromstoß wieder zum Leben erweckt, sorgt der Elektroschock bei der CSU für Kammerflimmern!

Dem Ministerpräsidenten Horst Seehofer (62) schlägt das Herz noch bis zum Hals, immerhin hat sich beim Münchner CSU-Chef und Kultusminister Ludwig Spaenle (50) der Puls wieder soweit normalisiert, dass er jetzt gegen die Schockbehandlung protestieren kann. Spaenle schlägt zurück!

Stil oder Verantwortung vermag der neu ins Amt gewählte CSU-Chef der Stadt beim OB nämlich nicht erkennen: Es sei „politisch unanständig“, was Ude da nicht nur mit seiner eigenen Partei treibe, sondern auch mit den Wählern. Frei nach dem Motto: Entweder ihr wählt mich oder ich gehe in Rente!

Tatsächlich hatte OB Christian Ude zuletzt deutlich gemacht, dass er nur für das Amt des bayerischen Ministerpräsidenten zur Verfügung steht. Im Fall einer Wahlniederlage im Jahr 2013 will er nicht als Anführer der Opposition in den Landtag ziehen. Diesen Posten überlässt er lieber einem möglichen Kandidaten für die übernächste Landtagswahl, hatte Ude die Entscheidung begründet.

„Wie er mit seiner Partei umgeht, ist seine Sache“, sagt Kultusminister Spaenle. Aber dem Souverän, also den Wählern, solche Bedingungen zu stellen, sei schon sehr gewagt.

Die Motive für den wirklich alle überraschenden Sinneswandel des Stadtoberhaupts sieht der Münchner CSU-Chef im persönlichen Bereich. „Ein Alt-OB bekämpft seinen Phantomschmerz“, spottet der Minister über den Rathaus-Chef. Verlust von Amt, Macht und Bedeutung – einen Politiker kann das zur Flucht nach vorn antreiben.

Ude darf als OB nicht noch einmal antreten, als Landesvater schon – das tue er aber nicht aus Langeweile. „Ich hatte vor meinem Wechsel in die Politik einen Beruf: Ich halte eine journalistische Betätigung für eine ernsthafte Tätigkeit“, hatte er der tz über eine künftige Beschäftigung verraten. Allerdings werde er bei einer Niederlage bei der Landtagswahl zur Kommunalwahl 2014 in Ruhestand gehen. Er und seine Frau Edith von Welser-Ude besitzen schließlich ein Ferienhaus auf der griechischen Insel Mykonos, von wo aus sich treffliche Aufsätze und Bücher über die Münchner Politik ­schreiben lassen würden. #

Spaenle nimmt ihm das nicht ab – und wittert dagegen eine „Mykonos-Vermeidungs-Strategie“ …

... und Seehofer schweigt

Die Umfragen stabilisieren sich, eigentlich hatte Horst Seehofer (62) die CSU wieder auf Kurs gebracht. Auch die Atomausstiegs-Diskussionen hat der einstigen Atompartei nicht geschadet. Doch anstatt eines ruhigen Sommers kommt für die Schwarzen jetzt das rote Störfeuer um die Ecke – in Gestalt von Oberbürgermeister Christian Ude (63). Weil dieser sich jetzt überlegt hat, anstatt in Rente zu gehen lieber den Chefposten in der Staatskanzlei zu übernehmen. Wie aus dem Nichts ist zwei Jahre vor dem Urnengang von der SPD der Wahlkampf eröffnet worden.

Und die Genossen erwischen damit die CSU völlig unverbereitet. Horst Seehofer hüllt sich in Schweigen. Seine Referentin in der Staatskanzlei ließ kurz angebunden ausrichten: „Das ist nicht Sache des Ministerpräsidenten, sondern der CSU!“ Man müsse doch zwischen Staatsamt und Parteiangelegenheiten streng unterscheiden. Doch auch eine mehrfache tz-Anfrage in der CSU-Zentrale blieb gestern erfolglos und scheiterte bereits im Vorzimmer des Pressesprechers. Eine Stellungnahme oder Aussage zum Thema Ude sei „heute nicht möglich“. Morgen? „Vielleicht!“ Wir werden es wieder versuchen

David Costanzo

auch interessant

Meistgelesen

Festnahmen, Prügel und randalierende Fahrgäste
Festnahmen, Prügel und randalierende Fahrgäste
Blitzeis-Bilanz: Münchner kratzten, rutschten und verletzten sich
Blitzeis-Bilanz: Münchner kratzten, rutschten und verletzten sich

Kommentare