Warum der Vorsitzende geht

Spaenles Erbe: Münchens CSU-Chef tritt ab - sein Nachfolger steht schon bereit

CSU-Chef Ludwig Spaenle geht.

Nach dem angekündigten Rücktritt von Ludwig Spaenle dreht sich das Personalkarussell in der CSU.  Justizminister Georg Eisenreich gilt als aussichtsreichster Kandidat auf den Vorsitz. Münchens CSU-Fraktionschef Manuel Pretzl soll Stellvertreter werden. Am Kurs der Partei werde sich nichts ändern. Oder doch?

Ludwig Spaenle ist umtriebig, einer, der anpackt. Wahlplakate klebt er eigenhändig, und selbst als Minister besuchte er mit gewisser Regelmäßigkeit die Sitzungen seines Bezirksausschusses in Schwabing-Freimann. „Ich bezeichne mich gern als politischen Streetworker“, sagte der 59-Jährige mal über sich. „Das ist die zentrale Unternehmung.“ Rausgehen, mit Leuten ins Gespräch kommen. Unsere Zeitung betitelte ein Porträt über den Landtagsabgeordneten einst mit der Überschrift: „Der Nimmermüde“. Jetzt ist er doch müde, amtsmüde. Ludwig Spaenle hat am Sonntagabend erklärt, er werde von seinem Posten als Vorsitzender der CSU München zurücktreten. „Ich habe mir das den Sommer über überlegt und die Entscheidung für mich getroffen“, sagt Spaenle. Intern soll er bereits Vorschläge für seine Nachfolge gemacht haben: Justizminister Georg Eisenreich solle den Vorsitz übernehmen, Münchens CSU-Fraktionschef Manuel Pretzl sodann den Stellvertreter-Posten von Eisenreich.

Überraschend ist der Schritt Spaenles nicht, allein der Zeitpunkt soll für so manches Stirnrunzeln gesorgt haben. Strategisch ergibt die Volte allerdings Sinn. Regulär wären Neuwahlen bei der CSU im Juni nächsten Jahres angestanden, also inmitten der heißen Phase des Bundestagswahlkampfes. Nun wird am 12. Oktober gewählt, sofern die Corona-Pandemie es zulässt.

Dass Spaenle nicht mehr antreten würde, war CSU-intern längst kein Geheimnis mehr. Und dass mit Georg Eisenreich bereits ein Nachfolger bereitstehen würde, war ebenfalls erwartbar. Auch dem weiteren Stellvertreter, Landtagsabgeordneter Josef Schmid, waren Ambitionen nachgesagt worden. Allerdings ist der dem Vernehmen nach in die Gespräche um die Personalie Eisenreich eingebunden gewesen. CSU-Generalsekretär Markus Blume könnte seinen Hut noch in den Ring werfen. „Ich gehe davon aus, dass er darüber nachdenkt“, sagt ein Insider.

Für Spaenle wiederum bietet sich die Möglichkeit, einen sauberen Abgang hinzulegen, ein souveränes Bild zu vermitteln. „Ich glaube, in den vergangenen neun Jahren hatten wir große Erfolge und haben ein großstädtisches Profil für die Partei herausgearbeitet“, sagt der 59-Jährige. „Insgesamt übergebe ich eine leistungsfähige und geschlossene Partei.“

Spaenle war 2004 zum Partei-Vize gewählt worden, gemeinsam unter anderem mit dem neuen Vorsitzenden Ottmar Bernhard hatte er die Scherben der Ära Monika Hohlmeier aufzukehren. 2011 wurde er Vorsitzender, und gemeinsam mit Josef Schmid brachte er die CSU München auf einen liberalen Großstadtkurs, der 2014 dazu führte, dass die CSU stärkste Kraft im Rathaus wurde und erstmals seit 1984 wieder an der Rathaus-Regierung beteiligt war. Spaenle selbst ist Landtagsabgeordneter und war von 2008 bis 2018 unter anderem Kultusminister.

Unter Eisenreich, so hört man, werde der liberale Kurs in München weiterverfolgt. Es gibt jedoch auch Stimmen, die Eisenreich konservativer bewerten als Spaenle. Einen Rechtsruck werde es aber nicht geben, sagen CSUler. „Das würde Georg nicht gerecht. Und solange der Ministerpräsident einen liberalen Kurs fährt, wird sich Georg dem nicht verschließen.“

Das Verhältnis zwischen Eisenreich und Bayerns CSU-Parteichef Markus Söder ist ambivalent. Eisenreich hatte Söder vor drei Jahren beim Neujahrsempfang der Partei in München bereits zum neuen bayerischen Ministerpräsidenten ausgerufen, da saß Horst Seehofer noch mehr oder weniger fest im Sattel. „Söder und Eisenreich haben ein sehr gutes Verhältnis“, sagt ein Parteifreund. Auf der anderen Seite, so hört man, sei Söder die Münchner CSU oftmals zu reaktionär, Eisenreich auch hin und wieder zu widerborstig. „Ich kenne aber nahezu niemanden, über den der Söder nicht lästert“, sagt ein Parteifreund. Und: „Markus Söder weiß, wen er brauchen kann, wenn es hart auf hart geht“, sagt ein Insider.

Als Garant für den liberalen Großstadtkurs könnte derweil Manuel Pretzl herhalten. Münchens ehemaliger Bürgermeister ist einer, der den Kurswechsel seit Jahren vorlebt. Und es habe durchaus Sinn, wenn der amtierende Fraktionschef im engen Vorstand aktiv werde, hört man aus der CSU. „Der Kurs für München muss vom Manuel kommen, der Georg muss das unterstützen.“ Das habe schon unter Schmid und Spaenle so funktioniert.

Und Ludwig Spaenle wiederum ist ja auch nicht weg. Das sagt er selbst. „Wenn meine Schwabinger Freunde mich lassen, dann bin ich gerne bereit, wieder für den Landtag zu kandidieren.“ So richtig müde ist er dann doch nicht.

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