Späte Rettung! Drei Tage hilflos in der Wohnung

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Hausmeisterin Ruza M. (66) rettete ihrer betagten Nachbarin wohl das Leben

München - Vermutlich am Freitag war Rentnerin Getrud B. gestürzt, konnte sich nicht mehr aufrappeln. Drei Tage lang hat niemand ihre Hilferufe gehört. Dann hatte eine Frau den siebten Sinn.

Mit einer fahrbaren Trage wird die verunglückte Rentnerin zum Krankenwagen gebracht

Drei Tage liegt sie schon in ihrer Wohnung an der Landwehrstraße. Vermutlich am Freitag war Rentnerin Getrud B. gestürzt, konnte sich nicht mehr aufrappeln. Niemand hat ihre Hilferufe gehört. Irgendwann ist die 84-Jährige dann einfach zu schwach zu rufen. Die Stunden vergehen. Samstag, Sonntag, die Nacht zum Montag erlebt sie im Dämmerzustand. Getrud B. ist dem Tode nah. Am Montag gegen neun Uhr in der Früh trommelt es aber gegen ihre Tür im zweiten Stock. Es sind Feuerwehrmänner. Die Hausmeisterin des Mietshauses im Bahnhofsviertel hatte sie wenige Minuten vorher alarmiert. „Ich hatte mir Sorgen gemacht“, sagt Ruza M. (66), eine gebürtige Kroatin aus Rijeka. „Frau B. war in der Früh nicht in der Waschküche aufgetaucht – und dann ist mir aufgefallen, dass ich sie zwei, drei Tage nicht gesehen habe.“

Die Feuerwehrler öffnen mit Gewalt die Tür, weil der Schlüssel von innen steckt. Die Retter finden Gertrud B. Sie liegt im Schlafzimmer auf dem Boden, sie ist nicht ansprechbar. „Sie war wie tot“, sagt die Kroatin. Doch das Herz der Rentnerin schlägt, sie atmet.

Sofort kümmern sich Sanitäter und ein Notarzt um die betagte Frau. Sie legen eine Infusion, langsam kommt sie wieder zu sich. Die Rentnerin wird in ein Krankenhaus gefahren, hier kommt sie auf die Intensivstation. Ihr Zustand ist kritsch, heißt es.

In den vergangenen Jahren tat sich Gertrud B. mit dem Gehen schwer, musste sich für längere Wege auf einen Stock stützen. Zum Briefkasten und in die Waschküche im Keller schaffte sie es aber ohne ihre Gehhilfe. Wenige Stunden nach der Rettung sitzt Hausmeisterin Ruza mit ihrem Mann Franjo in der Küche. Vom Fenster aus sehen sie direkt auf die Wohnung der gestürzten Rentnerin im Rückgebäude. Das Ehepaar kennt Getrud B. schon fast 35 Jahre. So lange wohnen sie im Hinterhaus. „Wir hoffen nur, dass die Rettung rechtzeitig kam und sie wieder ganz gesund wird.“

Jacob Mell

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