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Geld immer weniger wert: Experten geben Münchnern wichtige Finanz-Tipps - Warnung vor gefährlichem Trugschluss

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Von: Leoni Billina

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Touristen flanieren über den Marienplatz in München.
„Was sich geändert hat, ist die Art des Sparens“, sagen Experten, die Münchnern Finanz-Tipps geben. © IMAGO / Heinz Gebhardt

Früher klang das fröhlich und hoffnungsvoll, mittlerweile ist da vor allem Ernüchterung … Heute ist Weltspartag – aber angesichts niedriger Zinsen sind viele Anleger verunsichert.

München - Lohnt es sich überhaupt noch, Geld zurückzulegen, wenn man zum Beispiel mit seinen Sparbüchern am Ende eh draufzahlt? Die tz hat mit Finanz-Experten gesprochen.

Münchner Experte gibt Tipps: Wo sich das Sparen noch lohnt

Sebastian Sippel von der Stadtsparkasse München findet: „Das Sparen hat zu keinem Zeitpunkt an Notwendigkeit und Sinn verloren. Was sich geändert hat, ist die Art des Sparens.“ Lösungen gebe es – aber eben nicht das klassische Sparbuch. „Die Zahl der Kunden, die konservativ sparen, wird immer geringer“, sagt Sippel. Diese Zahl sei aber angesichts der Zins-Entwicklung in den vergangenen Jahren immer noch viel zu hoch.

Finanzexperte Sippel Sebastian von der Sparkasse München.
Finanzexperte Sippel Sebastian von der Sparkasse München. © SSKM

In diese Richtung geht auch eine aktuelle Studie des Meinungsforschungsinstituts YouGov: Rund die Hälfte der Bevölkerung verliert demnach beim Sparen sogar Geld. 29 Prozent der Befragten nutzen ein Tagesgeldkonto – das derzeit im Schnitt weniger als ein Prozent Zinsen jährlich abwerfe. Womit nicht mal die Inflation gedeckt ist: Das Geld wird also im Wert sogar weniger. Weitere 24 Prozent sparen mithilfe einer Spardose, kriegen also gar keine Zinsen.

Wie es sich lohnt, Geld anzulegen, erklärt Merten Larisch, Teamleiter der Altersvorsorge-, Geldanlage- und Immobilienfinanzierungsberatung von der Verbraucherzentrale Bayern. Er meint: „Grundsätzlich sollte man sich das Sparen auf keinen Fall sparen! Jeder Haushalt braucht Rücklagen für kurzfristige und mittelfristige Ausgaben.“

Wie man anlegen sollte, hängt davon ab, wie flüssig man ist. Larisch erklärt: „Wenn die Liquidität langfristig gut aussieht, könnte man einen Teil in Aktien-ETFs und einen Teil in Festgeld anlegen.“ ETFs – Exchange Traded Funds – sind börsengehandelte Indexfonds, die einen bestimmten Aktienindex abbilden. Entwickelt sich die Wirtschaft in diesem Bereich gut, verdient man als Anleger mit.

Merten Larisch von der Verbraucherzentrale Bayern.
Merten Larisch von der Verbraucherzentrale Bayern. © fkn

Wie soll ein Sparer 100.000 Euro anlegen?

Ein Beispiel: Ein Sparer möchte 100.000 Euro anlegen. Larisch: „50.000 Euro könnten in Aktien-ETFs und 50.000 Euro in Festgeld angelegt werden.“ Steigen die Kurse um 20 Prozent, dann hat der Sparer Aktien im Wert von 60.000 Euro, plus das Vermögen im Festgeld. Larisch: „Hier würde sich dann ein Rebalancing empfehlen.“ Der Anleger könnte für 5000 Euro Anteile verkaufen und diesen Gewinn in Festgeld anlegen.

„Wer ausgewogen anlegt, investiert 50 Prozent des Geldes, das er anlegen möchte, in Aktien-ETFs und 50 Prozent in Festgeld“, sagt Larisch. Wer mehr Risiko eingehen will, legt wachstumsorientiert an – dann wird der Aktien-Anteil größer. Konservative Sparer setzen auf einen höheren Festgeld-Anteil.

München: Finanz-Experte warnt vor Trugschluss - „Nicht von Euphorie mitnehmen lassen“

Grundsätzlich wichtig: „Antizyklisch handeln“, sagt Larisch. Nach Kursverlusten also nicht verkaufen, sondern nachkaufen. Andersrum auch: „Wenn die Kurse super laufen, darf man sich nicht von der Euphorie mitnehmen lassen, sondern sollte einen Teil seiner Gewinne in Festgeld sichern. Und lieber auf Kursverluste warten, um billig nachzukaufen.“

Die Preise steigen und steigen - damit wird unser Geld immer weniger wert! Die neuesten Zahlen von Donnerstagnachmittag zeigen: Die Inflation ist derzeit so hoch wie schon seit 28 Jahren nicht mehr. Im Vergleich zum Vorjahresmonat stiegen die Verbraucherpreise im Oktober um 4,5 Prozent, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Das hatte es zuletzt im Oktober 1993 gegeben.

Aktuell befeuern besonders die steigenden Preise für Sprit und Heizöl die Inflation - um 18,6 Prozent sind die Energiepreise angestiegen. Die Preise für Nahrungsmittel -kletterten um 4,4 Prozent in die Höhe, wie das Statistikamt mitteilte. Außerdem ist die temporäre Mehrwertsteuersenkung inzwischen wieder rückgängig gemacht worden - Waren und Dienstleistungen werden auch deshalb wieder teurer. L. Billina, M. Heinrichs *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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