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Ralf Fleischer erklärt die Hintergründe

Zinsschock, neues Girokonto: Nun spricht der Sparkassen-Boss

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Ralf Fleischer (52) ist seit mehr als zwei Jahren Chef der Stadtsparkasse München.

München - Kunden der Sparkasse müssen zur Zeit viel aushalten. In der tz bezieht jetzt erstmals der Sparkassen-Chef Stellung zu den neuen Preisen, die Nullrunde bei den Zinsen und Geldanlagen.

Null Zinsen, neue Gebühren: Die Kunden der Stadtsparkasse müssen derzeit einige Kröten schlucken! Beim Girokonto-System gibt es künftig drei Modelle. Jeder Kunde ist dieser Tage mit einem Vorschlag angeschrieben worden, sich für eines davon zu entscheiden. Und das gerade erst nach dem Zinsschock: Denn ab sofort gibt’s 0,0 Prozent aufs Tagesgeld! Die rund 800.000 Kunden fragen sich jetzt: Ist mein Geld überhaupt noch etwas wert? Sind die neuen Gebühren gerechtfertigt? Und: Wie geht es weiter? In der tz bezieht jetzt erstmals der Chef Stellung: Sparkassen-Boss Ralf Fleischer (52) erklärt die Hintergründe des beinharten Sparkurses.

Das neue Konto-System

Die bis dato letzte Umstellung des Giro-Konto-Systems war vor vierzehn Jahren. Das Nutzerverhalten der Kunden habe sich aber geändert. „Und das haben wir uns angeschaut und daraufhin drei Modelle entwickelt.“ Nun könne sich jeder zusammenstellen, was er braucht. Und wenn es mal nicht mehr passt: Ein Wechsel ist jederzeit möglich. Und kostenlos. Fleischer habe ein gutes Gefühl. „Das neue Preismodell ist bedarfs- und kundengerecht.“

Die neuen Preise

Das Online-Konto ist kostenlos, wenn der Inhaber über einen monatlichen Geldeingang von 1750 Euro verfügt. Ansonsten fallen 4,95 Euro an. 2,95 Euro kostet das Individual-Konto. Dort muss für viele Leistungen extra gezahlt werden, etwa für das Abheben vom Geldautomaten. Die teuerste Kategorie schlägt mit 7,95 Euro monatlich zu Buche. „Was der Kunde dafür bekommt, ist sehr umfassend“, sagt Fleischer. Und bei der alten Gebühr von rund fünf Euro – also vor der Umstellung – seien zahlreiche Leistungen nicht kostenlos gewesen. „Mit der Pauschale von 7,95 Euro decke ich jetzt alles ab“, sagt Fleischer.

Die Nullrunde bei den Zinsen

Dass die Sparkasse die Nullrunde ausgerufen hat, ist auch der Europäischen Zentralbank geschuldet. Offiziell liegt der Leitzins zwar bei 0,0 Prozent. Weil die Sparkasse aber für ihre Einlagen bei der EZB 0,4 Prozent für die ersten acht Jahre draufzahlen muss, spricht Fleischer von einem Negativzins: „Die Banken machen sich nicht die Taschen voll, im Gegenteil.“ Jedem Einleger, der sein Geld auf Tagesgeldkonto oder Girokonto belässt, subventioniert die Sparkasse im Grunde die Einlagen. „Denn wir geben den Negativzins nicht an unsere Kunden weiter“, sagt Fleischer.

So reagieren die Kunden

Das Echo auf die Änderungen ist unterschiedlich! Bei den Großkunden herrsche Verständnis, bei Ottonormalverbraucher sind die Reaktionen gemischt. „Unsere Mitarbeiter sind geschult, den Kunden die Umstände zu erklären“, sagt Fleischer. Gleichwohl glaubt er, dass „wir noch viel stärker in die Aufklärung gehen“ und die Zusammenhänge erläutern müssen. Denn die Preise fürs Girokonto brauche man, um die anfallenden Kosten für Überweisungen und dergleichen zu decken. Und: Wegen der Null-Zinsen heben viele Sparkassen-Kunden bereits ihr Geld ab. Die Sparkasse hat in ganz München 25 600 Schließfächer. Die meisten sind ausgebucht.

Wo kann ich mein Geld anlegen?

Das hängt von der Risikobereitschaft ab. Es gebe den Konservativen, der froh ist, dass sein Geld noch da ist. Wer mehr ins Risiko geht, könne Dividende von einem bis drei Prozent erzielen. „Rendite ist immer mit Risiko verbunden“, sagt Sparkassen-Vorstand Ralf Fleischer.

Diese Politiker wechselten in die Wirtschaft

Der neue Koalitionsvertrag gilt für den alten Kanzleramtsminister nicht mehr: So könnte Ronald Pofalla womöglich als einer der letzten Spitzenpolitiker ausnutzen, dass eine Karenzzeit für Regierungsmitglieder vor einem Seitenwechsel in die Wirtschaft bislang nur locker angestrebt ist. Dass es keine Regeln gibt, nutzten zuvor auch andere prominente Minister, Ministerpräsidenten und sogar Kanzler. © AFP
ECKART VAN KLAEDEN löste mit seinem Wechsel in den Job des Cheflobbyisten bei Daimler vergangenes Jahr sogar noch laufende Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Vorteilsannahme aus. Der 48-jährige van Klaeden gehörte pikanterweise wie Pofalla vor seinem Wechsel in die Wirtschaft zum engsten Mitarbeiterkreis um Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), er war Staatsminister im Kanzleramt. © dpa
KURT BECK wechselte im vergangenen Jahr nur wenige Monate nach seinem mit gesundheitlichen Problemen begründeten Rücktritt als rheinland-pfälzischer Ministerpräsident als Berater zum Pharmakonzern Boehringer Ingelheim. Kritiker bemängelten fehlende Transparenz bei dem neuen Job des ehemaligen SPD-Chefs: So wurde der Wechsel erst vier Monate nach Becks Seitenwechsel bekannt gegeben. © dpa
GEORG FAHRENSCHON bewarb sich von seinem Posten des bayerischen Finanzministers (CSU) aus für den Posten des Präsidenten des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands, zu dem er dann auch Ende 2011 gewählt wurde. Für Kritik der Opposition sorgte der Wechsel, weil Fahrenschon zuvor als Minister die Sparkassen im Zuge der Rettung der damals noch zu gleichen Teilen vom Freistaat Bayern und den Sparkassen geführten Bayerischen Landesbank geschont haben soll. © dpa
ROLAND KOCH (CDU) zog sich im Jahr 2010 freiwillig als Ministerpräsident von Hessen zurück. Nur wenige Wochen später gab es Berichte über einen bevorstehenden Wechsel zum Baukonzern Bilfinger Berger. Dieser wurde 2011 dann tatsächlich vollzogen, inzwischen ist Koch dort Vorstandschef. Kritik gab es, weil Bilfinger Berger in der Regierungszeit Kochs einen 80-Millionen-Euro-Auftrag am Flughafen Frankfurt erhalten hatte. Koch nahm außerdem 2011 ein Aufsichtsratsmandat der Bank UBS an. © dpa
GERHARD SCHRÖDER (SPD) zog es nach dem Verlust der Kanzlerschaft im Jahr 2005 ebenfalls ohne längere Pause in die freie Wirtschaft. Er nahm den Posten als Aufsichtsratschef eines deutsch-russischen Konsortiums für den Bau einer Gaspipeline durch die Ostsee an. Damit handelte sich Schröder parteiübergreifend Kritik ein, weil er als Bundeskanzler das Geschäft gemeinsam mit dem damaligen russischen Präsidenten Wladimir Putin (rechts im Bild) politisch in die Wege geleitet hatte. © dpa
JOSCHKA FISCHER (Grüne) ließ sich als Ex-Koalitionspartner Schröders länger Zeit und erfüllte damit die Forderungen nach einer Karenzzeit für Politiker. Dafür stieg Fischer dann aber so umfassend wie wenige andere in den Lobbyismus ein. Der ehemalige Außenminister gründete eine eigene Beraterfirma mit Sitz in Berlin, die mit der Albright Group der früheren US-Außenministerin Madeleine Albright verbunden ist. Fischer sicherte sich Verträge mit namhaften Unternehmen wie Siemens, BMW oder dem Rewe-Konzern und beriet etwa den Energiekonzern RWE beim Bau einer Gas-Pipeline. © dpa
HELMUT KOHL (CDU) nutzte ebenfalls schon kurz nach Ende seiner 16-jährigen Kanzlerschaft seine Kontakte in die Wirtschaft. Kohl schloss etwa mit dem Medienmogul Leo Kirch (rechts im Bild) 1999 einen zunächst geheim gebliebenen Beratervertrag, der ihm für bis zu zwölf persönliche Gespräche im Jahr jährlich 600.000 D-Mark (rund 307.000 Euro) brachte. Zwielichtig erschien dies, weil Kohl Kirch als Kanzler beim Aufbau des Privatfernsehens geholfen hatte. Außerdem arbeitete Kohl ebenfalls schon ab 1999 im Beirat der Schweizer Bank Credit Suisse. Nach Bekanntwerden der CDU-Parteispendenaffäre wurde die eigentlich auf Lebenszeit gedachte, gut dotierte Zusammenarbeit aber vorzeitig beendet. © dpa

So verdient die Sparkasse Geld

Die Bank ist laut Fleischer zum Handeln gezwungen. Wegen der anhaltenden Niedrigzinsphase brechen die meisten Geschäftszweige weg. Der Fokus richtet sich demnach auf das Kreditgeschäft für den Mittelstand, aber auch weiterhin auf den klassischen Häuslebauer.

Was passiert mit den Filialen?

In der Landeshauptstadt gibt es 78 Filialen der Sparkasse München. Schließungen sind nicht geplant. „Wir werden die Struktur nicht verändern“, sagt Fleischer. Unlängst erst habe man ja die Qualität in den Niederlassungen gesteigert. „Wir haben zentrale Leistungen wieder in die Filialen integriert, um die Standorte aufzuwerten.“

Was bringt die Zukunft?

Fleischer glaubt, es sei nur noch eine Frage der Zeit, bis andere Banken nachziehen. Einen Anspruch auf ein kostenloses Girokonto gäbe es nicht. Und: Wenn die EZB die Negativzinsen weiter erhöht, werden die Banken irgendwann nicht umhin kommen, den Negativzins auf die Kunden umzulegen. Bedeutet: Wer Geld zur Bank bringt, muss dafür auch noch zahlen! „Der kleine Sparer leidet am meisten unter der Situation.“ Fleischer ist aber überzeugt, dass die Sparkasse gut aufgestellt ist. „Die Leute bringen ihr Geld weiter zu uns, weil sie wollen, dass es sicher ist.“ Der 52-Jährige sieht den Vorteil seiner Bank in der Verortung. Das Regionale werde wieder stärker in den Fokus gerückt. Als regionales Institut habe man daher gute Chancen für die Zukunft. „Der Kunde braucht die Bank vor Ort. Und wir bieten die Nähe zum Kunden.“

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