Inflation, Sparzinsen, Kredite

Sparkassen-Vorstand: So steht's um unser Geld

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In der Sparkassen-Zentrale im Tal – fotografiert aus Blickrichtung Viktualienmarkt – und weiteren 88 Geschäftstellen werden die Euros von 800 000 Kunden verwaltet

München - Was wird in den nächsten Jahren aus unserem Geld? Bilanz und Ausblick – die tz protokolliert, wie der Sparkassen-Vorstand die Entwicklung auf den Kapitalmärkten einschätzt.

Bankgeschäfte lassen sich derzeit auf einen einfachen Nenner bringen: Des einen Freud’ ist des anderen Leid! Während man sehr günstig Kredite bekommt, gibt’s für Spareinlagen nur noch Kleckerzinsen. Aber was wird in den nächsten Jahren aus unserem Geld? Bilanz und Ausblick – die tz protokolliert, wie der Vorstand die Entwicklung auf den Kapitalmärkten einschätzt:

Allgemeine Zinsentwicklung und Inflation: Derzeit hält die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins im Euro-Raum auf einem Rekordtief von 0,75 Prozent. Dieser Richtwert beschreibt jenen Zinssatz, zu dem sich Geschäftsbanken Geld von der EZB leihen können. Das bedeutet: Kreditinstitute wie die Stadtsparkasse können ihren Kunden für niedrige Zinsen Geld weiterverleihen, bieten Sparern im Umkehrschluss aber nur äußerst spärliche Zinsen an.

„Für Bauherren und Investoren sind die niedrigen Zinsen zwar äußerst erfreulich“, analysiert Sparkassen-Chef Harald Strötgen. „Die anhaltende Niedrigzinsphase beinhaltet allerdings zahlreiche Gefahren: Wenn die Inflation höher als die Guthabenverzinsung ist, haben wir de facto negative Realzinsen, die zu einer Geldentwertung führen. Ein niedriges Zinsniveau kann auf Dauer die Bereitschaft zur Altersvorsorge verringern. Und: Eine höhere Inflation ist möglich, auch wenn die Europäische Zentralbank dies verhindern soll.“ Für 2013 und 2014 erwartet Strötgen keine wesentliche Änderung des Leitzinsniveaus.

Spareinlagen: Die Stadtsparkasse vergütet Tagesgeld mit 0,4 Prozent. Dagegen beträgt die Inflationsrate – also die allgemeine Verteuerung der Verbraucherpreise – rund 2,0 Prozent. Die EZB schätzt, dass sich dieser Wert auch 2013 kaum verändern wird. Rein rechnerisch bedeutet das: Wer sein Kapital auf ein Tagesgeldkonto bei der Stadtsparkasse einzahlt, verliert über ein Jahr gesehen 1,6 Prozent an Kaufkraft. Oder anders ausgedrückt: Das Geld vermehrt sich zwar sogar leicht, aber man kann sich weniger dafür kaufen.

Trotzdem sind die Kundeneinlagen 2012 um 420 Millionen auf 13,2 Milliarden Euro gestiegen. „Ein Wachstum von 3,3 Prozent – in einem scharfen Wettbewerbsumfeld!“, betonte Marlies Mirbeth stolz. Die einzige Frau im Vorstand ist fürs Privatkundengeschäft zuständig, genießt bei ihren Mitarbeitern großes Vertrauen.

Aktien, Fonds und andere Wertpapiere: Sparkassen-Kunden sind bei Börsengeschäften eher zurückhaltend. „Dabei können Wertpapiere und insbesondere Aktien ein wichtiger Bestandteil für den Vermögensaufbau sein“, betonte Strötgen. „Gerade in Zeiten niedriger Zinsen eignen sich Aktien gut als Beimischung bei der Vermögensanlage. Es geht dabei darum, das Vermögen auf verschiedene Anlageklassen wie zum Beispiel Aktien, Anleihen oder Immobilien zu verteilen und damit Risiko und Ertrag versuchen zu optimieren.“

Vorstand Dr. Bernd Hochberger erinnerte daran, dass der Aktienindex DAX, in dem 30 deutsche Konzerne bewertet werden, 2012 um fast 30 Prozent gestiegen ist. Um das Wertpapiergeschäft anzukurbeln, hat die Sparkasse damit begonnen, ihren Beratungsprozess zu reformieren. Die Angebote sollen stärker auf die Bedürfnisse der Kunden – insbesondere auf ihre Risikobereitschaft – zugeschnitten werden.

Kredite: Derzeit zahlen die Sparkassen-Kunden für eine Baufinanzierung einen Zinssatz von circa 2,7 Prozent – bei einer Zinsbindung von zehn Jahren. „Viele Kunden wollen sogar Verträge über einen noch längeren Zeitraum abschließen“, weiß Strötgen. Im vergangenen Jahr verlieh das Kreditinstitut 33 Prozent mehr Baugeld als 2011, es wurden 7100 Darlehen vereinbart – ein Plus von 16 Prozent. „Wenn Lage und Preis stimmen, kann eine Immobilie in München nach wie vor ein interessantes Investment sein“, betonte Marlies Mirbeth.

Auch die Wirtschaft nimmt wieder mehr Geld in die Hand. „Die Unternehmen konzentrieren sich stärker auf Investitionen, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu sichern“, erklärt Vorstand Joachim Ebener. „Das Kreditgeschäft hat sich so gut entwickelt wie selten zuvor. Das Volumen lag erstmals über zehn Milliarden Euro.

So rettete der Geldverleih der Sparkasse auch die Jahresbilanz: Unterm Strich blieben 50 Millionen Gewinn, die in Rücklagen fließen (Betriebsergebnis 121 Millionen). Die Stadt München als Eigentümerin bekommt weitere fünf Millionen Euro.

Andreas Beez

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